Threshing Day – Flammengeküsst: Rezension – lohnt sich der Begleitband für Fourth-Wing-Fans?

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Wer nach dem Ende von Onyx Storm auf den vierten Band der Flammengeküsst-Reihe wartet, findet mit Threshing Day zunächst etwas anderes: keine Fortsetzung, sondern einen Seitenblick. Rebecca Yarros erzählt darin nicht weiter, was aus Violet Sorrengail und Xaden Riorson wird, sondern kehrt an einen Tag zurück, den jeder Leser der Reihe kennt – den Tag des Dreschens, an dem sich am Basgiath War College entscheidet, welche Kadetten ein Drache als Reiter annimmt und welche er verbrennt.

Threshing Day – Flammengeküsst

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Die deutsche Ausgabe von Threshing Day – Flammengeküsst ist Ende September 2026 bei dtv erschienen, am selben Tag wie das amerikanische Original, übersetzt von Michelle Gyo, die schon an den Hauptbänden beteiligt war. Das Hardcover hat 240 Seiten, einen Farbschnitt und sechzehn farbige Drachenillustrationen von Joe Requeza. Die Frage, die sich viele stellen werden, ist schlicht: Ist das ein Buch oder ein Sammlerstück?

Worum es geht

Dreizehn Figuren aus dem Umfeld der Hauptreihe erzählen jeweils von ihrem eigenen Dreschen, jede in einer eigenen Geschichte und aus der Ich-Perspektive. Die Sammlung beginnt bei den Älteren – Brennan und Mira Sorrengail, dann Xaden – und reicht über Garrick, Dain, Bodhi, Imogen, Rhiannon, Sawyer, Ridoc, Liam und Sloane bis zu Aaric. Jede Geschichte läuft auf denselben Moment zu: den Augenblick, in dem ein Drache wählt. Dazwischen liegen Rivalitäten unter den Kadetten, Familienerwartungen, Angst und gelegentlich offene Gewalt.

Violet selbst erzählt keine der Geschichten. Wer sie und Xaden als Paar sucht, wird enttäuscht: Die Handlung der Hauptreihe rückt nicht voran, und die Romantik beschränkt sich nach übereinstimmenden Besprechungen auf leichte Spannungen und Andeutungen. Explizite Szenen, wie sie zu den Romanen gehören, gibt es nicht.

Was die Sammlung auszeichnet

Die Drachen bekommen eine Stimme

Die größte Stärke des Bandes liegt bei den Drachen. In den Romanen sieht man sie überwiegend durch Violets Augen, und neben Tairn, Andarna und Sgaeyl bleiben die meisten eher Kulisse. Hier tritt jeder Drache als eigene Persönlichkeit auf: mal streng und kalt, mal spöttisch, mal überraschend fürsorglich. Gerade weil das Bindungsritual in allen dreizehn Geschichten gleich angelegt ist, fällt auf, wie unterschiedlich die Paare zueinander finden – manche Drachen gleichen ihren Reiter aus, andere wirken, als wären sie für ihn gemacht. Für Leser, die die Reihe wegen ihrer Drachen lieben, ist das der eigentliche Gewinn.

Nebenfiguren mit Vorgeschichte

Die zweite Stärke: Figuren, die in der Hauptreihe vor allem Funktionen erfüllen – der Freund, der Rivale, der Stellvertreter –, bekommen eine Innensicht. Das verändert rückwirkend den Blick auf manche von ihnen, besonders auf Figuren, deren Rolle in den Romanen nicht eindeutig sympathisch ist. Dain etwa erscheint hier in einem anderen Licht als in Fourth Wing. Dass die Tonlage zwischen den Geschichten wechselt, tut der Sammlung gut: Ridocs Kapitel lebt vom Witz, andere sind von Beklemmung geprägt, wieder andere leise und traurig, weil Leser wissen, was den Erzählenden später bevorsteht.

Ein Rahmen, der zur Reihe passt

Klug ist auch die Anlage als Zusammenstellung von Berichten, die innerhalb der Welt des Empyrean selbst entstanden sein sollen. In einer Reihe, in der die offizielle Geschichtsschreibung von Beginn an im Verdacht steht, Wahrheiten zu unterdrücken, ist das mehr als Dekoration. Einzelne Details – etwa zu Herkunft und Alter mancher Drachen – widersprechen dem, was die Figuren bisher zu wissen glaubten, und laden zum Spekulieren über den kommenden vierten Band ein. Wer die Reihe auch als Rätsel liest, wird hier fündig.

Wo der Band an Grenzen stößt

Spannung ohne Risiko

Das Grundproblem der Sammlung liegt in ihrer Idee. Am Tag des Dreschens gilt nur eine Regel – nicht zu sterben –, doch Leser der Reihe wissen von vornherein, dass alle dreizehn Erzählenden überleben und gebunden werden. Die Dramaturgie, die in Fourth Wing aus echter Lebensgefahr entstand, ersetzt Yarros hier durch die Frage nach dem Wie. Das trägt bei den stärkeren Geschichten, wirkt bei den schwächeren aber wie ein Ritual, das abgearbeitet wird. Rhiannons Kapitel etwa gilt in Besprechungen als das am wenigsten ergiebige: nicht schlecht, aber ohne viel Neues über sie, ihren Drachen oder die Welt.

Wenig Raum, ungleiche Ausbeute

Dreizehn Geschichten auf 240 Seiten, von denen ein Teil den Illustrationen gehört, bedeuten im Schnitt deutlich unter zwanzig Seiten pro Figur. Das reicht für eine Szene und eine Stimmung, selten für eine Entwicklung. Die Geschichten stehen zudem weitgehend für sich und fügen sich nicht zu einer übergreifenden Handlung; wer das erwartet, liest eher eine Galerie als einen Roman. Auch inhaltlich ist die Ausbeute ungleich verteilt: Einige Kapitel liefern Hintergründe, die für die Reihe Gewicht haben könnten, andere bestätigen vor allem, was man über die Figur ohnehin wusste.

Preis und Ausstattung

Zum Erscheinen kostete das Hardcover 28 Euro, das E-Book 21,99 Euro. Für vergleichsweise wenig Text ist das viel Geld – das Hardcover rechtfertigt den Preis eher über Farbschnitt und Illustrationen als über den Umfang. Wer vor allem lesen will, ist mit dem E-Book günstiger dran, verzichtet aber auf einen Teil dessen, was diese Ausgabe ausmacht.

Lesereihenfolge: Wann man Threshing Day lesen sollte

Rebecca Yarros’ Empyrean-Reihe erscheint auf Deutsch unter dem Reihentitel „Flammengeküsst“. Threshing Day ist kein Teil der nummerierten Romanfolge, sondern ein Begleitband; international wird er zwischen dem dritten und dem noch ausstehenden vierten Band eingeordnet.

Onyx Storm

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Der Verlag hält den Band zwar ausdrücklich auch als Einstieg für möglich, empfiehlt aber, ihn nach Onyx Storm zu lesen, um der Handlung nicht vorzugreifen. Diese Empfehlung sollte man ernst nehmen – eher noch strenger, als sie formuliert ist. Schon die Auswahl der dreizehn Erzählenden verrät Lesern, die erst bei Fourth Wing oder Iron Flame stehen, Dinge, die die Romane bewusst erst später enthüllen. Hinzu kommt: Die Wirkung vieler Geschichten beruht darauf, dass man weiß, was aus den Figuren wird. Ohne dieses Wissen bleibt ein Großteil der Anspielungen leer, und die Figuren sind kaum mehr als Namen. Als Einstieg in die Welt des Empyrean taugt deshalb nur der erste Roman, nicht diese Sammlung.

Fazit: Für wen lohnt sich Threshing Day?

Threshing Day – Flammengeküsst ist genau das, was es zu sein vorgibt: ein liebevoll ausgestattetes Zusatzbuch für eine bestehende Leserschaft. Es vertieft die Welt dort, wo die Romane aus Violets Perspektive zwangsläufig blind bleiben, und gibt den Drachen und dem Nebenpersonal ein Profil, das sie bisher nicht hatten. Was ihm fehlt, sind echte Fallhöhe und erzählerischer Atem; dafür sind die Geschichten zu kurz und ihr Ausgang zu bekannt.

Lohnend ist der Band für Fans, die alle drei Romane gelesen haben, beim Warten auf den vierten Band in die Welt zurückkehren wollen und vor allem an den Drachen, an den Nebenfiguren und an Hinweisen auf das Kommende interessiert sind. Wer die Bücher auch gern im Regal stehen hat, bekommt mit dem Hardcover eine schöne Ausgabe.

Verzichten können alle, denen an der Reihe in erster Linie die Liebesgeschichte und die Wendungen der Haupthandlung gefallen haben, sowie Leser, die die Romane noch nicht kennen. Ihnen bietet Threshing Day zu wenig von dem, was Fourth Wing ausmacht – und verrät zugleich zu viel.

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