Franziska Gänsler: Alle Romane im Überblick – womit anfangen?

Werbehinweis: Mit ↗ gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Bei einem Kauf entstehen Ihnen keine Mehrkosten. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

buchtipp.de Stimmungsbild für Reihenfolgen

Spätestens seit ihr dritter Roman „Orca“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2026 stand, fragen sich viele Leser, was Franziska Gänsler sonst noch geschrieben hat – und ob man ihre Bücher in einer bestimmten Reihenfolge lesen sollte. Die kurze Antwort: Es gibt keine Reihe, sondern drei eigenständige Romane, alle beim Zürcher Verlag Kein & Aber erschienen. Welches Buch sich für den Einstieg am besten eignet und was die drei verbindet, erfahren Sie hier.

Gibt es bei Franziska Gänsler eine Lesereihenfolge?

Nein, zumindest keine, die sich aus der Handlung ergibt. Jeder Roman erzählt eine abgeschlossene Geschichte mit eigenem Personal und eigenem Schauplatz. Figuren aus einem Buch tauchen im nächsten nicht wieder auf, und Vorwissen brauchen Sie für keines davon. Sie können also mit jedem Titel beginnen.

Trotzdem lohnt es sich, die Bücher in der Reihenfolge ihres Erscheinens zu lesen. Gänsler kehrt zu bestimmten Motiven immer wieder zurück, und es ist reizvoll zu verfolgen, wie sie diese von Buch zu Buch weiterentwickelt. Die beiden ersten Romane sind zudem mit jeweils gut 200 Seiten schnell gelesen, während „Orca“ deutlich umfangreicher ausfällt.

Alle Romane auf einen Blick

Nr.TitelErstausgabeSeitenSchauplatzGut für
1Ewig Sommer2022204ehemaliger Kurort in einer Waldbrandregionden Einstieg
2Wie Inseln im Licht2024205französische AtlantikküsteLeser von Familiengeschichten
3Orca2026368ein Sommer zwischen Supermarkt, See und Aktivistenszenealle, die mit dem aktuellen Buch beginnen wollen

Die Seitenzahlen beziehen sich auf die hier verlinkten Ausgaben.

Was die drei Romane verbindet

Wer Gänsler liest, merkt schnell, dass ihre Bücher eine gemeinsame Handschrift tragen. Vier Elemente kehren immer wieder:

  • Hitze und Sommer: Die Geschichten spielen in Zeiten, in denen etwas in der Luft liegt. Im Debüt ist es der Rauch der Waldbrände, in „Orca“ ein flirrender Sommer, der alles in Bewegung bringt.
  • Frauen im Mittelpunkt: Im Zentrum stehen Frauen und ihre Beziehungen zueinander – als Fremde, die sich annähern, als Schwestern und Töchter, als Freundinnen.
  • Was nicht ausgesprochen wird: Jeder Roman kreist um eine Wahrheit, die verborgen oder verdrängt ist. Die Spannung entsteht weniger aus äußerer Action als aus der Frage, was wirklich geschehen ist oder geschehen wird.
  • Atmosphäre statt Tempo: Gänsler erzählt genau beobachtend und mit dichter Stimmung. Das Unbehagen baut sich langsam auf und hält dann über die ganze Lektüre an.

Wer psychologisch grundierte Gegenwartsliteratur mit einem Hauch Thriller mag, wird bei allen drei Büchern fündig. Wer dagegen eine klassische Kriminalhandlung mit Ermittlern und Auflösung erwartet, sollte die Erwartungen anpassen.

Die Romane in der Reihenfolge ihres Erscheinens

1. „Ewig Sommer“ (2022): der beste Einstieg

Franziska Gänsler: Ewig Sommer

Gänslers Debüt spielt in einem Kurort, der seine besten Tage hinter sich hat. Seit in den Wäldern ringsum die Brände wüten, kommen keine Gäste mehr. Iris führt dort ein Hotel, das praktisch leer steht – bis eines Tages eine junge Frau mit ihrer kleinen Tochter eintrifft. Die Abwechslung ist willkommen, doch Iris wird das Gefühl nicht los, dass mit der Besucherin etwas nicht stimmt. Flieht die Fremde vor jemandem? Kümmert sie sich ausreichend um ihr Kind? Und auf wessen Seite sollte Iris eigentlich stehen?

Aus diesen Fragen entwickelt der Roman eine leise, aber stetig wachsende Spannung. Die beiden Frauen kommen sich näher, und mit der Nähe treten auch die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit hervor. Über allem liegt die Bedrohung durch das Feuer, das nie ganz verschwindet. Der Klimawandel ist hier keine Kulisse für Belehrungen, sondern ein spürbarer Druck, der die Stimmung des ganzen Buches prägt. Erzählt wird in der Ich-Form, was das Misstrauen und die Unsicherheit besonders nahe heranrückt.

Warum hier anfangen? Mit rund 200 Seiten ist „Ewig Sommer“ kompakt, und es enthält bereits alles, was Gänslers Schreiben ausmacht: die drückende Hitze, eine unheimliche Atmosphäre, zwei Frauen, die einander umkreisen, und ein Geheimnis, das sich erst nach und nach zeigt. Wenn Ihnen dieses Buch gefällt, werden Sie auch an den beiden anderen Freude haben.

2. „Wie Inseln im Licht“ (2024): Erinnerung als Rätsel

Franziska Gänsler: Wie Inseln im Licht

Der zweite Roman erzählt eine völlig neue Geschichte. Zoey war selbst noch ein Kind, als ihre jüngere Schwester verschwand. Zwanzig Jahre sind seither vergangen, und was Zoey von damals weiß, passt nicht zusammen: Ihre Erinnerungen sind lückenhaft und widersprechen sich. Vor allem eine Frage lässt sie nicht los – warum hat niemand nach der Schwester gesucht? Nach dem Tod der Mutter fährt Zoey an die französische Atlantikküste, wo die drei einst zusammen gelebt haben, bis eine einzige Nacht alles veränderte.

Wo das Debüt in der Gegenwart eine Bedrohung aufbaut, schaut dieser Roman zurück. Die Spannung liegt in der Rekonstruktion: Zoey muss ihre eigenen Bilder der Vergangenheit prüfen und neu ordnen, ohne zu wissen, welchen sie trauen kann. Der Titel greift dieses Bild auf – einzelne Erinnerungen ragen hervor wie Inseln, deren Verbindung unter der Oberfläche verborgen liegt. Im Zentrum steht wieder eine Konstellation aus Frauen, diesmal eine Mutter und ihre beiden Töchter. Der Ton ist melancholischer und nachdenklicher als im Debüt.

Für wen? Für alle, die nach „Ewig Sommer“ mehr von Gänsler lesen möchten, und für Leser, die Familiengeschichten mit einem ungelösten Rätsel im Kern schätzen. Wer Bücher über Trauer, Verlust und das Unzuverlässige des Erinnerns mag, ist hier richtig.

3. „Orca“ (2026): das umfangreichste und bekannteste Buch

Franziska Gänsler: Orca

Mit „Orca“ hat Gänsler ihren bislang längsten Roman vorgelegt, und es ist das Buch, mit dem sie die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2026 erreicht hat. Die Hauptfigur Cora arbeitet tagsüber an der Fleischtheke eines Supermarkts, die Nächte verbringt sie in Stille. Dieses gleichförmige Leben gerät ins Wanken, als ihre Freundin aus Kindertagen, Olympia, verhaftet wird. Damit kehrt ein Sommer zurück, den Cora lieber vergessen hätte – oder vielleicht gerade nicht.

In jenem Sommer haben sich die beiden wiedergefunden. Cora fühlt sich von Olympia so gesehen wie von niemandem sonst, die beiden verbringen lange Tage in einem großen, leeren Haus. Doch nach einer illegalen Party, auf der sie erstmals eine Grenze überschreiten, verändert sich die Beziehung: Olympia wendet sich einer Aktivistengruppe um eine Figur namens Ariel zu, und Cora fürchtet, den Anschluss zu verlieren – in der Schule wie bei der Freundin. Als eine radikale Idee Gestalt annimmt, verstrickt sie sich in ein Netz aus Lügen, aus dem es kaum noch einen Ausweg zu geben scheint.

„Orca“ verbindet die Motive der früheren Bücher – Sommer, eine enge Beziehung zwischen Frauen, eine verschwiegene Wahrheit – mit neuen Themen. Es geht um Loyalität, um den Wunsch dazuzugehören und um politisches Engagement, das in etwas Gefährliches kippen kann. Der Roman erzählt von einer Freundschaft, zugleich aber auch von den Hoffnungen und Zweifeln einer jungen Generation.

Für wen? Für alle, die Gänsler gleich mit ihrem aktuellen und meistdiskutierten Werk kennenlernen möchten. Da „Orca“ von den anderen Romanen unabhängig ist, spricht nichts dagegen, hier einzusteigen. Wer Geschichten über intensive Jugendfreundschaften und Gruppendynamik mag, wird besonders angesprochen.

Womit sollten Sie anfangen?

Das hängt davon ab, was Sie suchen.

Sie möchten Gänsler erst einmal kennenlernen? Dann greifen Sie zu „Ewig Sommer“. Das Debüt ist kurz, zugänglich und zeigt auf knappem Raum, wie die Autorin Spannung und Atmosphäre verbindet. Danach können Sie entscheiden, ob Sie weiterlesen wollen.

Sie interessieren sich vor allem für das Buchpreis-Buch? Dann beginnen Sie mit „Orca“. Sie verpassen nichts, wenn Sie die beiden früheren Romane erst danach lesen. Gerade wer von „Orca“ begeistert ist, dürfte in „Ewig Sommer“ und „Wie Inseln im Licht“ viel Vertrautes entdecken.

Sie mögen Familiengeheimnisse und Geschichten über Erinnerung? Dann ist „Wie Inseln im Licht“ ein guter Einstieg, auch wenn es das mittlere Buch ist.

Wer alle drei Romane lesen will, folgt am besten der Reihenfolge des Erscheinens: „Ewig Sommer“, „Wie Inseln im Licht“, „Orca“. So lässt sich beobachten, wie Gänsler ihre Themen von Buch zu Buch weiterspinnt und ihre Geschichten zugleich größer anlegt.

Fazit

Franziska Gänsler hat in wenigen Jahren ein kleines, aber bemerkenswert geschlossenes Werk geschaffen. Ihre drei Romane sind unabhängig voneinander lesbar und teilen doch eine unverwechselbare Stimmung: heiße Sommer, Frauen, die einander nahe kommen und misstrauen, und Wahrheiten, die lange im Verborgenen bleiben. Für den Einstieg empfehlen wir „Ewig Sommer“. Wer lieber direkt beim neuesten Buch beginnt, ist mit „Orca“ ebenso gut beraten.

Bewerten Sie diesen Beitrag

Weiterlesen

Kommentar verfassen