Die besten weihnachtlichen Fantasy-Romane für Erwachsene: Zehn Bücher von Dickens bis Pratchett

Werbehinweis: Mit ↗ gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Bei einem Kauf entstehen Ihnen keine Mehrkosten. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

buchtipp.de Stimmungsbild für Buchempfehlungen

Weihnachten und das Übernatürliche gehören enger zusammen, als der Zuckerguss vermuten lässt. Lange bevor Lichterketten die Fenster schmückten, galten die dunklen Wochen um die Wintersonnenwende als Zeit, in der Geister umgehen und die Grenze zwischen den Welten dünn wird. Die Literatur hat das dankbar aufgegriffen: Bei Dickens rasseln Gespenster mit Ketten, bei Gogol stiehlt der Teufel den Mond, bei Pratchett steigt der Tod durch den Kamin.

Diese Liste versammelt zehn weihnachtliche Fantasy-Bücher für Erwachsene, die genau diese Seite des Fests zeigen – mal gemütlich, mal bitterböse, mal so leise, dass das Wunderbare nur am Rand aufscheint. Vorab ein ehrliches Wort zur Gattung: Nicht alles hier ist ein Roman im strengen Sinn. Dickens, Hoffmann und Gogol haben Erzählungen und Märchen geschrieben, Tolkiens Beitrag besteht aus Briefen. Weil die phantastische Weihnachtsgeschichte aber genau dort entstanden ist, gehören diese Texte in eine solche Auswahl. Eine Übersichtstabelle am Ende hilft Ihnen, das passende Buch für den eigenen Geschmack oder als Geschenk zu finden.

Viel Situationskomik und eine erstaunlich ernste Frage verbindet „Schweinsgalopp“ von Terry Pratchett. Der Schneevater ist verschwunden, also übernimmt ausgerechnet Tod die Bescherung. Vorkenntnisse aus der Scheibenwelt braucht es dafür nicht.

Die Klassiker: Wo die phantastische Weihnachtsgeschichte herkommt

Charles Dickens: Alle Weihnachtserzählungen

Charles Dickens, Alle Weihnachtserzählungen

Leseprobe und Preis bei Amazon

Am Anfang steht ein Geizhals, dem in einer einzigen Nacht mehrere Geister erscheinen. Mit Ebenezer Scrooge hat Charles Dickens die Vorlage geschaffen, an der sich bis heute fast jede Weihnachtsgeschichte mit übernatürlichem Einschlag abarbeitet – auch einige weiter unten in dieser Liste. Der Band Alle Weihnachtserzählungen aus dem Aufbau Verlag geht aber deutlich über die Scrooge-Geschichte hinaus und versammelt auf gut 600 Seiten die großen Weihnachtsbücher des Autors.

Darin begegnen Ihnen nicht nur Gespenster, sondern auch Kobolde und Feen. In „Das Heimchen am Herd“ etwa wird ein Fuhrmann von Zweifeln an seiner Ehe gequält, während unsichtbare Wesen um ihn herum ihr Spiel treiben. Typisch für Dickens ist der ständige Wechsel zwischen Zauberwelt und Alltag: Das Phantastische dient ihm als Spiegel für das Leben der kleinen Leute im viktorianischen London, für Armut, Hartherzigkeit und die Chance auf Besserung. Wer nur die Verfilmungen kennt, entdeckt hier einen bissigen, oft sehr komischen Erzähler. Weil die Texte für sich stehen, lässt sich der Band gut über den ganzen Advent verteilt lesen.

E. T. A. Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig

Die meisten kennen den Stoff aus Tschaikowskys Ballett, doch das Original ist ein Kunstmärchen der deutschen Romantik – und ein deutlich seltsameres Stück Literatur, als die Bühnenfassung ahnen lässt. In Nussknacker und Mausekönig findet die kleine Marie am Weihnachtsabend einen Nussknacker unter dem Gabentisch und nimmt sich seiner an. Was dann folgt, verschiebt die Grenze zwischen Kinderzimmer und Zauberreich immer weiter, bis man als Leser nicht mehr sicher ist, was Traum und was Wirklichkeit sein soll.

Hoffmann schrieb das Märchen für die Tochter seines Freundes Eduard Hitzig, später fand es Eingang in seinen Erzählzyklus „Die Serapionsbrüder“. Gerade Erwachsene lesen es mit Gewinn, denn hinter der Spielzeugwelt liegt jene Doppelbödigkeit, für die Hoffmann berühmt ist. Die Insel-Ausgabe bringt den ungekürzten Text auf rund 120 Seiten und verbindet ihn mit den Illustrationen von Lisbeth Zwerger – eine schöne Wahl auch zum Verschenken.

Nikolai Gogol: Die Nacht vor Weihnachten

Nikolai Gogol, Die Nacht vor Weihnachten

Leseprobe und Preis bei Amazon

Während bei Dickens die Gespenster moralische Lektionen erteilen, geht es bei Gogol deftiger zu. Die Nacht vor Weihnachten spielt in einem verschneiten ukrainischen Dorf, über dem eine Hexe kreist, kurz bevor der Mond verschwindet. Dahinter steckt der Teufel, der eine Rechnung mit dem Schmied Wakula offen hat: Der hat ihn nämlich an die Kirchenwand gemalt, wie er aus der Hölle gejagt wird. Wakula hat derweil ganz andere Sorgen, denn die schöne und eitle Oxana verlangt als Liebesbeweis die Schuhe der Zarin. Für diese aussichtslose Aufgabe muss er sich ausgerechnet mit dem Teufel einlassen.

Diese Erzählung ist eine schöne Gegenstimme zu Dickens: volkstümlich, derb und voller Humor, mit einem Spuk, der eher an Dorfschwank als an Gruselstunde erinnert. Mit rund 120 Seiten in der Insel-Ausgabe passt sie bequem in einen Winterabend.

Moderne Weihnachts-Fantasy mit Humor

Terry Pratchett: Schweinsgalopp

Terry Pratchett, Schweinsgalopp

Leseprobe und Preis bei Amazon

Wenn es einen modernen Klassiker der weihnachtlichen Fantasy gibt, dann ist es Schweinsgalopp. Auf der Scheibenwelt ist der Schneevater verschwunden, jene bärtige Gestalt, die alljährlich mit einem Schlitten voller Geschenke durch die Lüfte saust. Damit die Bescherung nicht ausfällt, übernimmt ausgerechnet Tod den Job, während seine Enkelin Susanne herauszufinden versucht, was mit dem Verschollenen geschehen ist.

Formal ist das Buch der zwanzigste Band der Scheibenwelt-Reihe. Abschrecken lassen müssen Sie sich davon nicht: Es gehört zu den Romanen rund um Tod und lässt sich ohne Vorkenntnisse lesen. Pratchett nutzt die absurde Ausgangslage für viel Situationskomik, stellt aber nebenbei eine erstaunlich ernste Frage – nämlich wozu Menschen Geschichten und Mythen überhaupt brauchen.

Walter Moers: Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Wer Zamonien kennt, weiß, dass Walter Moers gern so tut, als sei er nur Übersetzer und Herausgeber der Werke von Hildegunst von Mythenmetz. In Weihnachten auf der Lindwurmfeste oder: Warum ich Hamoulimepp hasse hat er angeblich einen Brief des Lindwurms an seinen Briefpartner Hachmed Ben Kibitzer ausgegraben. Darin beschreibt Mythenmetz das dreitägige Fest Hamoulimepp mit seinen beiden Hauptfiguren Hamouli und Mepp, die verdächtig an Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht erinnern. Hinzu kommen ungesundes Essen, eine Bücher-Entrümpelung und ein Feuerwerk ohne Feuer.

Das Ergebnis ist eine liebevolle Satire auf unsere eigenen Festbräuche, geschrieben aus der Sicht eines bekennenden Weihnachtsmuffels. Mit gut 100 Seiten ist das Buch schnell gelesen und eignet sich auch als Einstieg in Zamonien, denn die großen Romane müssen Sie dafür nicht kennen.

Christopher Moore: Der törichte Engel

Christopher Moore, Der törichte Engel

Leseprobe und Preis bei Amazon

Besinnlich ist hier nichts. Am Anfang von Der törichte Engel erschlägt Lena Marquez im Streit um Weihnachtsbäume ihren Exmann Dale – der dabei gerade ein Santa-Claus-Kostüm trägt. Der kleine Josh beobachtet die Szene und ist überzeugt, den Tod des Weihnachtsmanns erlebt zu haben. Sein inständiges Gebet um Wiederauferstehung erreicht den Erzengel Raziel, der es prompt erhört. Leider nicht nur für Dale: Auch die übrigen Toten auf dem Friedhof von Pine Cove stehen wieder auf.

Christopher Moore macht daraus eine respektlose, temporeiche Komödie mit reichlich schwarzem Humor und einem untoten Ensemble. Das ist kein Buch für die Familienbescherung, aber ein Vergnügen für alle, die vom Festtagsfrieden schon im Dezember genug haben.

Die dunkle Seite des Fests

Brom: Krampus

Brom, Krampus

Leseprobe und Preis bei Amazon

Den schärfsten Kontrast zu den gemütlichen Titeln dieser Liste bildet Krampus. Der Roman nimmt sich der Schreckgestalt an, die im Alpenraum bis heute an der Seite des Nikolaus auftritt, und erzählt ihre Geschichte als Machtkampf. Krampus, einst Herr des alten Julfests, wurde vor über 500 Jahren vom Nikolaus gestürzt, in die Neue Welt verbannt und in einer finsteren Höhle angekettet. Sein Rivale hat seitdem das Weihnachtsfest zum Höhepunkt des Dezembers gemacht. Nun kommt Krampus frei, und sein Ziel ist eindeutig: Der Nikolaus soll sterben.

Der Autor Brom ist vor allem als Fantasy-Illustrator bekannt, und sein bildhafter Blick prägt auch diesen über 500 Seiten langen Roman. Erwarten Sie Dark Fantasy mit Gewalt und Rachemotiven, durchsetzt von grimmigem Witz – und eine Erinnerung daran, dass die Wurzeln des Winterfests älter und wilder sind als Zimtsterne und Krippenspiel.

Leise Wunder und neue Blicke auf alte Stoffe

Marco Presta: Scrooge sucht den Superstar

Wie lebendig Dickens’ Erzählmuster bis heute ist, zeigt Scrooge sucht den Superstar des Italieners Marco Presta. Aurelio Scrocchia wollte einmal Musiker werden, ist stattdessen Produzent geworden und verachtet insgeheim die Sängerinnen und Sänger, die er vermarktet. Ausgerechnet die junge Salomè, die auf der Bühne nur dank technischer Hilfsmittel besteht, soll in einer pompösen Fernsehshow an Heiligabend „Adeste fideles“ singen, begleitet von einem Bischof an der Orgel. Dann schluckt Aurelio versehentlich eine halluzinogene Pille – und begegnet drei Geistern, die ihm seine Fehler und verratenen Ideale vorhalten.

Ob diese Geister wirklich erscheinen oder nur dem Rausch entspringen, lässt die Geschichte offen; wer handfeste Magie sucht, ist hier also nicht ganz richtig. Gerade dieses Schweben zwischen Trip und Heimsuchung macht aber den Reiz der Neuerzählung aus, die mit 144 Seiten (Edition Blau im Rotpunktverlag) angenehm knapp bleibt und dem Musikbetrieb einen satirischen Spiegel vorhält.

Ingvild Hedemann Rishøi: Andere Sterne

Ingvild Hedemann Rishøi, Andere Sterne

Leseprobe und Preis bei Amazon

Das stillste Buch dieser Auswahl ist zugleich eines der eindringlichsten. Andere Sterne erzählt aus der Sicht der jungen Ronja, die mit ihrer älteren Schwester Melissa und dem Vater in einem Osloer Arbeiterviertel lebt. Geld ist knapp, der Vater trinkt, und den Job auf dem Weihnachtsbaummarkt, den Ronja ihm verschafft hat, droht er wieder zu verlieren. Also springt Melissa ein, und Ronja hilft ihr bei harter Arbeit, eisigem Wetter und einem strengen Chef.

Das Phantastische taucht hier nur am Rand auf: drei weise Männer, ein Stern, ein Wald, der mehr zu sein scheint als eine Ansammlung verkaufsfertiger Tannen. Die norwegische Autorin verbindet nüchternen Sozialrealismus mit diesen Momenten des Wunderbaren und kommt dabei ohne jeden Kitsch aus. Wer magischen Realismus mag, sollte diese knapp 160 Seiten nicht verpassen.

J. R. R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann

J. R. R. Tolkien, Briefe vom Weihnachtsmann

Leseprobe und Preis bei Amazon

Zum Schluss ein Buch, das streng genommen gar keine Erzählung ist. Briefe vom Weihnachtsmann versammelt die Briefe, die Tolkiens Kinder jedes Jahr im Dezember mit Nordpol-Briefmarke erhielten – handgeschrieben, mit farbigen Zeichnungen und Skizzen, angeblich vom Weihnachtsmann persönlich. Darin wird vom turbulenten Leben am Nordpol berichtet: von Rentieren, die sich losreißen, vom Polarbären, der beim Bergen einer Zipfelmütze durchs Dach ins Esszimmer kracht, und von Gefechten mit den Kobolden, die in den Höhlen unter dem Haus hausen.

Von Brief zu Brief entsteht so eine kleine, fortlaufende Weihnachtswelt, und man kann dem späteren Schöpfer von Mittelerde beim Erfinden zusehen. Die Ausgabe von Klett-Cotta umfasst knapp 200 Seiten und eignet sich für Tolkien-Fans ebenso wie zum Vorlesen mit Kindern.

Alle weihnachtlichen Fantasy-Bücher im Überblick

TitelAutorFormSeitenPasst, wenn Sie …
Alle WeihnachtserzählungenCharles DickensErzählungen606den Ursprung der Geister-Weihnacht vollständig lesen wollen
Nussknacker und MausekönigE. T. A. HoffmannKunstmärchen123das Original hinter dem Ballett kennenlernen möchten
Die Nacht vor WeihnachtenNikolai GogolErzählung118volkstümlichen Spuk mit Humor mögen
SchweinsgaloppTerry PratchettRoman413komische Fantasy mit Tiefgang suchen
Weihnachten auf der LindwurmfesteWalter MoersBrief-Erzählung110eine kurze Satire auf Festbräuche wünschen
Der törichte EngelChristopher MooreRoman254schwarzen Humor und Untote vertragen
KrampusBromRoman512Dark Fantasy statt Kerzenschein bevorzugen
Scrooge sucht den SuperstarMarco PrestaErzählung144Dickens in der Gegenwart erleben wollen
Andere SterneIngvild Hedemann RishøiErzählung157leisen magischen Realismus schätzen
Briefe vom WeihnachtsmannJ. R. R. TolkienBriefe mit Illustrationen191Tolkien von seiner verspielten Seite sehen möchten

Welches Buch für welchen Leseabend?

Wenn Sie nur einen Abend Zeit haben, greifen Sie zu den kurzen Titeln: Gogol, Hoffmann, Moers und Rishøi lesen sich jeweils in wenigen Stunden. Für die ruhigen Tage zwischen den Jahren eignen sich dagegen „Schweinsgalopp“ und „Krampus“, in denen Sie länger versinken können, sowie der Dickens-Band, den Sie Erzählung für Erzählung genießen können.

Auch als Geschenk lässt sich die Liste gut nutzen. Wer gern lacht, ist mit Pratchett, Moers oder – bei robustem Humor – Christopher Moore gut bedient. Für Liebhaber schöner Ausgaben bieten sich Hoffmanns illustriertes Märchen und Tolkiens Briefe an, für literarisch Interessierte „Andere Sterne“. Und wer Weihnachten insgeheim für überbewertet hält, wird bei Brom feststellen, dass das Fest auch eine finstere Seite hat, die erzählt werden will.

Bewerten Sie diesen Beitrag

Weiterlesen

Kommentar verfassen