Die besten historischen Weihnachtsromane – zehn Bücher für Advent und Festtage

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Weihnachten wirkt zeitlos, ist es aber nicht. Wie gefeiert wird, wer am Tisch sitzt, wer friert und wer fehlt – all das verändert sich von Jahrhundert zu Jahrhundert. Genau darin liegt der Reiz historischer Weihnachtsromane: Sie verbinden die vertraute Stimmung von Kerzen, Schnee und Heiligabend mit einem Blick in eine fremde Zeit. Mal dient das Fest als Kulisse für ein Verbrechen, mal als Prüfstein für das Gewissen einer Figur, mal als Fluchtpunkt mitten im Krieg.

Die folgende Auswahl reicht vom Mittelalter bis ins späte 20. Jahrhundert. Sie beginnt mit einem schmalen literarischen Meisterwerk, führt über Pfarrhaus, Hansestadt und Grandhotel zu Krimis und Thrillern aus den Kriegsjahren und endet bei zwei Büchern, die zeigen, woher unsere Vorstellung vom „historischen“ Weihnachten überhaupt stammt. Die meisten Titel sind kurz genug, um zwischen Plätzchenbacken und Feiertagsbesuch gelesen zu werden.

Still und ernst ist „Kleine Dinge wie diese“ von Claire Keegan. In den Wochen vor Weihnachten 1985 stößt der irische Kohlenhändler Bill Furlong bei einer Lieferung auf etwas, das er nicht mehr übersehen kann. Auf 109 Seiten fragt die Novelle knapp und ohne Pathos, was ein Mensch zu riskieren bereit ist.

Der literarische Maßstab

Claire Keegan: Kleine Dinge wie diese

Claire Keegan, Kleine Dinge wie diese

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Wer nur ein Buch aus dieser Liste lesen möchte, sollte zu Kleine Dinge wie diese (Steidl, 109 Seiten) greifen. Claire Keegan erzählt von Bill Furlong, einem Kohlenhändler in der irischen Kleinstadt New Ross, der in den Wochen vor Weihnachten 1985 seine Lieferungen fährt. Er ist ein anständiger, zurückhaltender Mann mit Frau und fünf Töchtern, der genug zu tun hat, um über die Runden zu kommen. Zu seinen Kunden gehört das örtliche Kloster, das eine Wäscherei betreibt und zuverlässig zahlt. Über die jungen Frauen, die dort arbeiten, wird in der Stadt geflüstert, aber niemand fragt nach.

Bei einer frühen Lieferung stößt Furlong auf etwas, das er nicht mehr übersehen kann. Von da an kreist die Novelle um eine einzige Frage: Was ist ein Mensch bereit zu riskieren, wenn das Richtige zu tun bedeutet, sich gegen die eigene Gemeinde zu stellen? Keegan beantwortet sie ohne Pathos. Ihre Sätze sind knapp, ihre Beobachtungen genau, und gerade die weihnachtlichen Details der Adventszeit lassen die Härte der Verhältnisse umso deutlicher hervortreten. Der historische Hintergrund sind die Magdalenen-Wäschereien, in denen in Irland über Jahrzehnte junge Frauen festgehalten wurden. Ein stilles, ernstes Buch, das lange nachwirkt.

Pfarrhaus und Hansestadt: Weihnachten im 18. und 19. Jahrhundert

Anne Perry: Der Weihnachtsmord

Anne Perry hat über viele Jahre hinweg kurze Weihnachtsromane veröffentlicht, die jeweils im viktorianischen England spielen und für viele Leser zum festen Adventsritual gehören. Der Weihnachtsmord (Heyne, 175 Seiten; im Original „A Christmas Secret“) führt in den Dezember 1890. Der Vikar Dominic Corde und seine Frau Clarice übernehmen über die Feiertage die Vertretung eines Pfarrers im Dorf Cottisham. Nach dem Trubel Londons scheint alles friedlich, doch Clarice bemerkt Ungereimtheiten rund um den abwesenden Geistlichen, die sich nicht wegerklären lassen – bis sie auf eine Leiche stößt.

Dominic und Clarice Corde kennen Stammleser als Nebenfiguren aus Perrys Reihe um Inspector Thomas Pitt; Vorwissen ist aber nicht nötig, das Buch steht für sich. Perry interessiert sich weniger für das raffinierte Rätsel als für die Frage, was Menschen in einer kleinen Gemeinschaft voreinander verbergen und warum. Wer viktorianische Atmosphäre in kompakter Form sucht, ist hier richtig.

Petra Oelker: Das Weihnachtskonzert

Petra Oelker, Das Weihnachtskonzert

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Ganz ohne Mord, dafür mit viel Musik kommt die Neuerscheinung Das Weihnachtskonzert (Rowohlt Wunderlich, 176 Seiten) aus. Petra Oelker, seit Langem eine feste Größe des historischen Romans in Deutschland, versetzt ihre Leser in das Hamburg des Jahres 1789. Der Glockengießer Kopper möchte seiner Mutter zu Heiligabend einen Herzenswunsch erfüllen: Sie soll noch einmal jene Weihnachtskantate hören, die sie als junge Frau in Leipzig erlebt hat – mit Pauken, Trompeten und dem Chor „Jauchzet, frohlocket!“. Das Problem: Die Noten, die im Nachlass von Carl Philipp Emanuel Bach liegen sollen, sind nicht aufzufinden.

Auf die Suche begibt sich die frühere Wanderkomödiantin Rosina Vinstedt, unterstützt von einer jungen Küchenmagd, die lieber singt als schrubbt. Daraus entsteht ein warmherziger, detailreicher Stadtroman, der die Adventszeit in der Hansestadt lebendig werden lässt und Musikliebhabern besondere Freude machen dürfte. Durch seine Kürze eignet er sich gut als Einstieg ins Genre oder als Geschenk.

Zwischen den Kriegen und im Kriegswinter

Beate Maly: Advent im Grandhotel

Beate Maly, Advent im Grandhotel

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Leichter und geselliger wird es in Advent im Grandhotel (Emons, 222 Seiten). Beate Maly schickt ihr Ermittlerpaar Ernestine und Anton im Advent 1926 an den Semmering, an den Ort ihres ersten gemeinsamen Falls. Im eleganten Südbahnhotel sollen eine Ausstellung und eine Kunstauktion stattfinden, doch ausgerechnet das wertvollste Gemälde verschwindet. Bald zeigt sich, dass mehrere Gäste knapp bei Kasse sind.

Hier geht es um einen Kunstraub, nicht um Mord, und der Ton ist entsprechend behaglich: Schnee in den Bergen, Hotelflair der Zwanzigerjahre, Wiener Charme. Das Buch ist als eigenständige Weihnachtsgeschichte zur Reihe angelegt. Ideal für alle, die einen gemütlichen Rätselkrimi für einen verschneiten Nachmittag suchen.

Nicola Upson: Wer stirbt an Weihnachten?

Eine reizvolle Idee steht im Zentrum von Wer stirbt an Weihnachten? (Kein & Aber, 208 Seiten): Ausgerechnet Anthony und Elva Pratt, das Ehepaar hinter dem Brettspiel Cluedo, geraten in einen echten Mordfall. An Heiligabend 1943 reisen sie in ein verschneites englisches Dorf, um in einem abgelegenen Hotel ein Krimispiel für die Gäste zu veranstalten. Als statt einer gespielten eine echte Leiche gefunden wird, fällt der Verdacht rasch auf die Anwesenden.

Nicola Upson verbindet die Mechanik des klassischen Whodunits mit der gedrückten Stimmung der Kriegsjahre. Der Roman ist dialogreich und kurz, das Vergnügen liegt im Mitraten – und darin, wie das Spiel und die Wirklichkeit ineinandergreifen.

William Martin: Dezember 41

William Martin, Dezember 41

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Für Leser, die es temporeich mögen, ist Dezember 41 (Hoffmann und Campe, 478 Seiten) der richtige Griff. Der Thriller setzt unmittelbar nach dem Angriff auf Pearl Harbor ein, als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten. In Los Angeles bereitet ein deutscher Agent einen Anschlag auf Präsident Franklin D. Roosevelt vor: Am Weihnachtsabend, wenn vor dem Weißen Haus der Baum erleuchtet wird, soll er sterben. Ein FBI-Agent, ein Mann aus Hollywood und eine Schauspielerin, die sich als Ehefrau des Attentäters ausgibt, geraten in eine Jagd quer durch das Land.

William Martin erzählt aus wechselnden Perspektiven und lässt die Fäden am Heiligabend in Washington zusammenlaufen, wo Roosevelt auch Winston Churchill als Gast empfängt. Nach Verlagsangaben beruht der Stoff auf einer wahren Begebenheit; vor allem aber ist er ein Spannungsroman vor einem gut gezeichneten Zeitpanorama. Mit fast 500 Seiten ist er der zweitlängste Titel dieser Liste.

Weit zurück: Advent im Mittelalter

Vlastimil Vondruška: Die siebte Leiche

Ein echter Geheimtipp kommt aus Tschechien. In Die siebte Leiche (Bastei Lübbe, 335 Seiten) gerät der königliche Prokurator Ulrich von Kulm im 13. Jahrhundert mitten im Winter in einen Schneesturm und findet Zuflucht auf einer abgelegenen Burg. Dort liegt ein düsteres Muster in der Luft: Jedes Jahr im Advent stirbt ein Mensch. Die Bewohner glauben an einen Fluch, Ulrich und sein Knappe Otto glauben an Täter.

Die eingeschneite Burg funktioniert als mittelalterliche Variante des abgeschnittenen Landhauses, und Vondruška nutzt sie für einen klassisch aufgebauten Rätselkrimi mit viel Zeitkolorit. Wer historische Krimis mag und einmal etwas abseits der englischen Schauplätze sucht, wird hier fündig.

Connie Willis: Die Jahre des Schwarzen Todes

Connie Willis, Die Jahre des Schwarzen Todes

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Der ungewöhnlichste Titel der Auswahl verbindet Geschichte mit Science-Fiction. In Die Jahre des Schwarzen Todes (Heyne, 784 Seiten) schickt die Universität Oxford im Jahr 2054 die junge Geschichtsstudentin Kivrin ins mittelalterliche England. Geplant ist ein Aufenthalt im Jahr 1320, doch bei der Übertragung geht etwas schief: Kivrin landet in der Weihnachtszeit des Jahres 1348, als die Pest das Land heimsucht. Zugleich verbringt das zukünftige Oxford die Feiertage im Ausnahmezustand, und eine Rückholung wird immer ungewisser.

Connie Willis wurde für diesen Roman mit mehreren der wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet. Der Zeitreise-Rahmen ist hier vor allem ein Mittel, um das Mittelalter aus der Sicht einer Frau zu erleben, die es zu kennen glaubte. Das Fest erscheint dabei in denkbar ernstem Licht: als Zeit der Gemeinschaft, die von Krankheit und Verlust bedroht wird. Ein langes, bewegendes Buch für die ruhigen Tage zwischen den Jahren.

Wo das Bild vom historischen Weihnachten herkommt

Charles Dickens: Der Weihnachtsabend

Charles Dickens, Der Weihnachtsabend

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Streng genommen gehört Der Weihnachtsabend nicht in diese Liste: Charles Dickens schrieb keinen historischen Roman, sondern eine Erzählung aus seiner eigenen Gegenwart. Gerade deshalb lohnt sie sich als Bezugspunkt. Das Bild vom viktorianischen Weihnachten – Schnee über London, das festliche Familienessen, Mildtätigkeit gegenüber den Armen – ist entscheidend durch diese Geschichte geprägt worden, und viele der oben vorgestellten Romane greifen bewusst oder unbewusst darauf zurück.

Die Handlung ist bekannt: Der hartherzige Geizhals Ebenezer Scrooge wird in einer Nacht von Geistern heimgesucht, die ihm Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Augen führen. Die Reclam-Ausgabe (192 Seiten) ergänzt den Text um Anmerkungen und eine Nachbemerkung. Damit eignet sie sich gut für alle, die den Klassiker einmal genauer lesen und die zeitgeschichtlichen Anspielungen besser verstehen möchten.

Jostein Gaarder: Das Weihnachtsgeheimnis

Zum Abschluss ein Buch für die ganze Familie. In Das Weihnachtsgeheimnis (dtv, 277 Seiten) findet der Junge Joachim einen alten, handgemachten Adventskalender. Hinter jedem Türchen steckt ein eng beschriebener Zettel, und Tag für Tag setzt sich daraus eine Reise zusammen, die immer weiter zurück durch die Zeit führt – bis nach Bethlehem zur Geburt Jesu. Wer die Zettel geschrieben hat, erfährt Joachim erst am 24. Dezember.

Die Rahmenhandlung spielt in der Gegenwart; historisch ist der Weg, den die Geschichte im Kalender zurücklegt. Jostein Gaarder, bekannt durch „Sofies Welt“, hat das Buch in 24 Kapiteln angelegt, sodass es sich wie ein Adventskalender lesen oder vorlesen lässt. Es richtet sich an Kinder, hat aber auch für Erwachsene genug Rätsel und Nachdenkliches zu bieten.

Alle Bücher im Überblick

BuchEpoche und SchauplatzArtSeitenGut für
Kleine Dinge wie dieseIrland 1985Literarische Novelle109Leser, die Tiefe in kurzer Form suchen
Der WeihnachtsmordEngland 1890Krimi175Freunde viktorianischer Atmosphäre
Das WeihnachtskonzertHamburg 1789Historischer Roman176Musikliebhaber, Einsteiger
Advent im GrandhotelSemmering 1926Kriminalgeschichte222gemütliche Lesestunden
Wer stirbt an Weihnachten?England 1943Krimi208Fans klassischer Whodunits
Dezember 41USA 1941Thriller478Spannungsleser
Die siebte LeicheBöhmen, 13. JahrhundertKrimi335Mittelalter-Krimi-Fans
Die Jahre des Schwarzen TodesEngland 1348 und 2054Zeitreiseroman784lange Feiertage
Der WeihnachtsabendLondon, 19. JahrhundertKlassische Erzählung192Wiederleser und Neugierige
Das WeihnachtsgeheimnisGegenwart mit Reise bis BethlehemAdventskalender-Roman277Familien, zum Vorlesen

Welcher historische Weihnachtsroman passt zu Ihnen?

Suchen Sie ein Buch, das Sie über die Feiertage hinaus beschäftigt, führt kein Weg an Claire Keegan vorbei. Wer lieber mitraten möchte, hat die Wahl zwischen dem viktorianischen Pfarrhaus bei Anne Perry, dem Hotel im Kriegswinter bei Nicola Upson und der verschneiten Burg bei Vlastimil Vondruška. Für eine warme, unblutige Lektüre bieten sich Petra Oelker und Beate Maly an, für einen Abend voller Spannung William Martin. Connie Willis ist die richtige Wahl, wenn Sie zwischen den Jahren viel Zeit und Lust auf ein großes, ernstes Buch haben. Und wer verstehen will, woher das Bild vom Weihnachten vergangener Zeiten stammt, liest Dickens – oder öffnet mit der Familie jeden Tag ein Türchen bei Jostein Gaarder.

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