Die besten Weihnachtskrimis – zehn spannende Krimis für Advent und Festtage

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Weihnachten und Verbrechen passen besser zusammen, als man denkt. Die Familie sitzt dicht beieinander, alte Rechnungen sind offen, draußen liegt Schnee, und niemand kann so einfach abreisen. Die Krimiliteratur hat diese Konstellation früh entdeckt: Das abgeschnittene Landhaus, das Erbe, das am Festtag geregelt werden soll, und die Leiche unter dem geschmückten Dach gehören zu den beliebtesten Schauplätzen des Genres.

Diese Auswahl stellt zehn Weihnachtskrimis vor, die sich für die Adventszeit und die Feiertage eignen. Am Anfang stehen britische Klassiker und ihre modernen Nachfahren, dann geht es nach Schweden und Bayern, schließlich zu einem Psychothriller, einer Krimikomödie und einem Adventskalender in Buchform. So findet sich für jede Stimmung etwas, vom gemütlichen Rätselraten bis zur schlaflosen Nacht.

Die Klassiker: Mord unterm Mistelzweig

Agatha Christie: Hercule Poirots Weihnachten

Agatha Christie, Hercule Poirots Weihnachten

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Wer einen einzigen Weihnachtskrimi lesen will, landet fast zwangsläufig hier. In Hercule Poirots Weihnachten (Atlantik, 266 Seiten) versammelt der alte Simeon Lee seine erwachsenen Kinder samt Anhang über die Feiertage in seinem Haus. Freundlich ist das nicht gemeint: Lee genießt es, seine Angehörigen gegeneinander auszuspielen und zu kränken. Kurz darauf wird er mit durchschnittener Kehle in seinem Zimmer gefunden, und Poirot muss feststellen, dass praktisch jeder im Haus Grund hatte, ihn zu hassen.

Christie nutzt das Fest als Druckkammer. Die Familie kann sich nicht aus dem Weg gehen, die Verdächtigen sind überschaubar, und doch gelingt ihr eine Lösung, die man selten kommen sieht. Formal ist das Buch der 17. Band der Poirot-Reihe, Vorkenntnisse braucht es aber nicht. Wer danach mehr will, findet hier den Einstieg in eines der umfangreichsten Ermittler-Werke der Krimigeschichte.

Gladys Mitchell: Geheimnis am Weihnachtsabend

Weniger bekannt, aber für Liebhaber des Golden Age eine Entdeckung ist Geheimnis am Weihnachtsabend (Klett-Cotta, 432 Seiten). Gladys Mitchell gehört zu den Zeitgenossinnen Christies, deren Bücher hierzulande lange kaum greifbar waren; Klett-Cotta legt sie in einer Reihe weihnachtlicher Kriminalgeschichten neu auf. Ihre Ermittlerin ist Mrs. Bradley, eine exzentrische Amateurdetektivin, die über die Feiertage bei ihrem Neffen in Oxfordshire zu Gast ist.

An Heiligabend stirbt dort der Anwalt des Ortes. Zunächst denkt niemand an ein Verbrechen. Erst eine überlieferte Spukgeschichte macht Mrs. Bradley misstrauisch. Diese Mischung aus Dorfkrimi und leichtem Schauer gibt dem Roman seinen eigenen Ton, der sich deutlich von Christies Nüchternheit unterscheidet. Mit über 400 Seiten ist er zudem der umfangreichste Titel dieser Liste – gut für mehrere lange Abende.

C. H. B. Kitchin: Das Geheimnis der Weihnachtstage

C. H. B. Kitchin, Das Geheimnis der Weihnachtstage

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Ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen und ein echter Geheimtipp ist Das Geheimnis der Weihnachtstage (328 Seiten) des Briten C. H. B. Kitchin. Der Börsenmakler Malcolm Warren folgt der Einladung eines Klienten in dessen Haus im Londoner Stadtteil Hampstead. Man feiert, man spielt Gesellschaftsspiele, die Familie des Gastgebers ist nicht ganz unkompliziert. Am Weihnachtsmorgen entdeckt Warren eine Tote. Weil die Frau schlafwandelte, spricht zunächst manches für ein Unglück, doch dann gibt es ein zweites Opfer.

Der besondere Reiz liegt in der Perspektive: Warren ist kein Profi, sondern selbst ins Visier geraten und muss ermitteln, um sich zu entlasten. Das bringt eine persönliche Dringlichkeit in den Roman, die vielen Detektivgeschichten der Zeit fehlt. Wer Christie bereits kennt und nach weiteren britischen Weihnachtskrimis sucht, findet hier eine lohnende Ergänzung.

Moderne Hommagen an den Rätselkrimi

Nicola Upson: Wer stirbt an Weihnachten?

Nicola Upson, Wer stirbt an Weihnachten?

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Was passiert, wenn die Erfinder eines Mordspiels in einen echten Mordfall geraten? Nicola Upson, bekannt für ihre Kriminalromane um die Schriftstellerin Josephine Tey, spielt diese Idee in Wer stirbt an Weihnachten? (Kein & Aber, 208 Seiten) durch. Im Mittelpunkt stehen Anthony und Elva Pratt, das Ehepaar, das sich das Brettspiel Cluedo ausgedacht hat. Heiligabend 1943 reisen sie in ein verschneites englisches Dorf, um in einem abgelegenen Hotel einen inszenierten Kriminalfall für die Gäste auszurichten.

Mit Hotelplan und Requisiten soll die Gesellschaft von Zimmer zu Zimmer einem erfundenen Verbrechen nachspüren. Dann liegt plötzlich ein Gast tot da, und aus dem Spiel wird Ernst. Der Roman ist kurz, dialogfreudig und voller Anspielungen auf die Mechanik des klassischen Whodunits. Besonders viel Freude haben Leserinnen und Leser, die Cluedo selbst schon gespielt haben – ein Krimi über das Krimirätseln an sich.

Alexandra Benedict: Der Christmas Killer

Noch einen Schritt weiter in Richtung Mitmachen geht Der Christmas Killer (Klett-Cotta, 288 Seiten). Alexandra Benedict, deren „Mord im Christmas Express“ bereits viele Fans gefunden hat, schickt die pensionierte Rätselexpertin Edie O’Sullivan in ein eingeschneites Hotel in den schottischen Highlands. Statt ruhiger Tage mit der Familie warten dort ein toter Gast und eine rätselhafte Weihnachtsbotschaft.

Edie muss eine Reihe kniffliger Aufgaben knacken, um dem Täter auf die Spur zu kommen, und das Buch lädt dazu ein, mitzurätseln: Die Ausgabe enthält Rätsel, an denen sich Leser selbst versuchen können. Wer Kreuzworträtsel, Anagramme und Escape Rooms mag, wird hier besonders gut bedient. Das Buch eignet sich zudem als Geschenk für Menschen, die lieber knobeln als nur zuschauen.

Nordische Kälte und bayerische Winternacht

Camilla Läckberg: Schneesturm und Mandelduft

Camilla Läckberg, Schneesturm und Mandelduft

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Mit nur 138 Seiten ist Schneesturm und Mandelduft (List) der kürzeste Titel dieser Auswahl und ideal für einen einzigen Nachmittag. Camilla Läckberg verlegt den klassischen Inselkrimi in ihren Fjällbacka-Kosmos: Martin Molin, aus ihren Romanen um Patrik Hedström als Kollege bekannt, fährt mit seiner Freundin zu deren Familie auf die kleine Insel Valö. Der greise Patriarch Ruben will über sein Erbe sprechen.

Ein Schneesturm schneidet die Insel vom Festland ab, und beim Weihnachtsessen bricht Ruben tot zusammen. Molin bleibt nichts anderes übrig, als im Kreis der Verwandten zu ermitteln. Läckberg spielt mit der Christie-Formel, gibt ihr aber eine schwedische Färbung. Kenntnisse der Reihe sind nicht nötig, weshalb sich das Buch gut für ein erstes Kennenlernen der Autorin eignet.

Marcel Häußler: Kant und der sechste Winter

Wer statt Landhausrätsel echte Polizeiarbeit möchte, ist bei Kant und der sechste Winter (Heyne, 317 Seiten) richtig. Der Roman wurde für den Glauser-Preis 2022 nominiert, einen der wichtigsten Preise für deutschsprachige Kriminalliteratur. Am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags wird Hauptkommissar Kant nach Obermenzing im Münchner Westen gerufen, wo ein Mann tot im Schnee liegt.

Ein Glätteunfall, könnte man meinen. Doch eine Nachbarin hat beobachtet, wie der Fahrer ausstieg und den Verletzten erst dann tötete. Die Ermittlungen der Münchner Mordkommission führen in ein Dorf am Ammersee, in dem offenbar mehrere Geheimnisse gehütet werden. Ein guter Tipp für alle, die deutsche Ermittlerkrimis schätzen.

Für starke Nerven und für gute Laune

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

Sebastian Fitzek, Der Seelenbrecher

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Den düstersten Kontrapunkt setzt Der Seelenbrecher (Knaur, 360 Seiten), ein früher Psychothriller von Sebastian Fitzek aus dem Jahr 2008. Ein Täter, den die Presse „Seelenbrecher“ getauft hat, hat bereits mehrere junge Frauen in seine Gewalt gebracht; sie kehren zwar zurück, sind aber seelisch zerstört. Kurz vor Weihnachten schlägt er erneut zu, diesmal in einer psychiatrischen Privatklinik.

Ein Schneesturm hat das Gebäude von der Außenwelt getrennt, und unter den Eingeschlossenen befindet sich der Täter. Es folgt eine Nacht, in der Ärzte und Patienten einander nicht mehr trauen können. Fitzek baut auf Tempo, Wendungen und eine beklemmende Enge. Besinnlich ist daran nichts, aber für Leser, denen Cosy Crime zu harmlos ist, wird das Buch zum Pageturner für die Feiertage. Es ist ein Einzelband und ohne Vorwissen lesbar.

Dora Heldt: Geld oder Lebkuchen

Völlig anders, nämlich heiter, ist Geld oder Lebkuchen (dtv, 269 Seiten). Schon der Untertitel „Fast ein Krimi“ verrät, dass Dora Heldt das Genre mit einem Augenzwinkern behandelt. Im Advent ist Sylt leer und dunkel, und Rentner Ernst Mannsen langweilt sich, während seine Frau Gudrun die Feiertage plant. Dann verschwindet der Leiter der örtlichen Bankfiliale – und mit ihm das gesammelte Geld für bedürftige Kinder.

Ernst beschließt, als eine Art Robin Hood der Insel einzuspringen, schart Mitstreiter um sich und plant einen Coup, der natürlich nicht nach Plan läuft. Das Ergebnis ist eine warmherzige Krimikomödie mit viel Dialogwitz und Inselkolorit. Für alle, die in der Adventszeit lieber schmunzeln als schaudern wollen, ist dies der passende Titel.

Jeden Tag ein Fall: der Krimi-Adventskalender

Miriam Gramoschke (Hrsg.): Myrrhe, Mord und Marzipan

Miriam Gramoschke, Myrrhe, Mord und Marzipan

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Zum Abschluss ein Buch, das sich über den ganzen Dezember verteilen lässt. Myrrhe, Mord und Marzipan (Knaur, 412 Seiten), herausgegeben von Miriam Gramoschke, versammelt 24 Kurzkrimis von ebenso vielen Autorinnen, Autoren und Autorenduos – für jeden Tag bis Heiligabend einen. Der Untertitel „Von Hohwacht bis St. Moritz“ deutet die Spannweite der Schauplätze an, die sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz verteilen.

Unter den Beteiligten sind bekannte Namen wie Markus Heitz, Gisa Pauly, Iny Lorentz, Eva Völler und Andreas Winkelmann. Entsprechend vielfältig fallen die Geschichten aus: mal blutig, mal komisch, mal unheimlich. Wer nicht weiß, welche Art Weihnachtskrimi ihm liegt, kann sich hier durch die Spielarten lesen und nebenbei neue Autoren entdecken. Die Ausgabe ist für das Weihnachtsfest 2024 erschienen, die Geschichten selbst sind aber nicht an ein Jahr gebunden.

Die Weihnachtskrimis im Überblick

BuchAutorArtSchauplatzSeiten
Hercule Poirots WeihnachtenAgatha ChristieKlassischer RätselkrimiEnglisches Landhaus266
Geheimnis am WeihnachtsabendGladys MitchellGolden-Age-KrimiOxfordshire432
Das Geheimnis der WeihnachtstageC. H. B. KitchinGolden-Age-KrimiLondon-Hampstead328
Wer stirbt an Weihnachten?Nicola UpsonHistorischer RätselkrimiEnglisches Hotel, 1943208
Der Christmas KillerAlexandra BenedictRätselkrimi zum MitmachenSchottische Highlands288
Schneesturm und MandelduftCamilla LäckbergKurzkrimiInsel bei Fjällbacka138
Kant und der sechste WinterMarcel HäußlerErmittlerkrimiMünchen und Ammersee317
Der SeelenbrecherSebastian FitzekPsychothrillerPsychiatrische Klinik360
Geld oder LebkuchenDora HeldtKrimikomödieSylt269
Myrrhe, Mord und MarzipanMiriam Gramoschke (Hrsg.)24 KurzkrimisDeutschland, Österreich, Schweiz412

Welcher Weihnachtskrimi passt zu Ihnen?

  • Für Puristen: Beginnen Sie mit Christie und lesen Sie danach Mitchell und Kitchin, um zu sehen, wie unterschiedlich das Golden Age mit dem Weihnachtsmord umging.
  • Für Rätselfreunde: Benedict bietet Aufgaben zum Selbstlösen, Upson ein augenzwinkerndes Spiel mit den Regeln des Whodunits.
  • Für wenig Lesezeit: Läckberg schafft man an einem Nachmittag, der Adventskalender liefert täglich eine kurze Geschichte.
  • Für Fans deutscher Polizeiarbeit: Häußler, mit realistischem Ermittlungsalltag statt Landhauskulisse.
  • Für schlaflose Nächte: Fitzek, der einzige echte Thriller der Auswahl.
  • Für gute Laune unterm Baum: Heldt, bei der der Coup und nicht die Leiche im Mittelpunkt steht.

Ob Familientyrann, eingeschneites Hotel oder Inselgemeinschaft: Die besten Weihnachtskrimis leben vom Kontrast zwischen festlicher Fassade und dem, was darunter brodelt. Gerade deshalb lesen sie sich zwischen Plätzchen und Kerzenlicht so gut.

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