„The Peppermint Hot Chocolate Dilemma“ von Kyra Groh: Rezension der Winter-Romance

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Winter-Romances leben von einem Versprechen: Es wird kalt draußen, warm drinnen, und am Ende sitzen zwei Menschen unter derselben Decke. Kyra Grohs The Peppermint Hot Chocolate Dilemma hält dieses Versprechen ein – interessanter ist allerdings, womit der Roman beginnt. Nicht mit einem Kennenlernen, sondern mit dem Ende einer Ehe, einer Hypothek und einer Frau, die lieber den Schein wahrt, als zuzugeben, dass ihr Leben aus den Fugen geraten ist.

Kyra Groh: The Peppermint Hot Chocolate Dilemma

Worum es geht

Olive ist 25 und hat vor gut einem Jahr erfahren, dass ihr Mann Tony sie betrügt. Inzwischen ist er ausgezogen, die Scheidung steht bevor – und das Haus, das sie mit so viel Sorgfalt zum perfekten Zuhause gemacht hat, kann sie allein nicht finanzieren. Es braucht einen Untermieter.

Der kommt in Gestalt von Casey O’Leary: Ire, 35, alleinerziehend, Verfasser erfolgreicher Liebesromane und seit geraumer Zeit ohne zündende Idee. Er reist mit seiner zwölfjährigen Tochter Shae an und hofft, dass das englische Dorf Lower Whilby ihm den Stoff für sein nächstes Weihnachtsbuch liefert. Pikant daran: Olive kann seine Romane nicht ausstehen. Und während sich die beiden zwischen Ordnungsliebe und Chaos aneinander reiben, wächst Caseys Manuskript – mit einer Heldin, die Olive bemerkenswert ähnlich ist.

Mehr muss man vorab nicht wissen. Wohin das führt, ahnt man ohnehin; dazu gleich mehr.

Der dritte Band der Lower-Whilby-Reihe

The Peppermint Hot Chocolate Dilemma ist der dritte Band der Reihe um das fiktive Lower Whilby, die bei Forever, einem Imprint von Ullstein, erscheint. Jeder Band spielt in einer anderen Jahreszeit und erzählt die Geschichte eines anderen Paares. Den Auftakt bildete im Herbst The Pumpkin Spice Latte Disaster mit Jude, die widerwillig in ihr Heimatdorf zurückkehrt, und dem grummeligen Barista James. Im Frühjahr folgte The Iced Caramel Coffee Agreement um Eleanore und den ausgebrannten Musiker Dex.

Kyra Groh: The Pumpkin Spice Latte Disaster
Kyra Groh: The Iced Caramel Coffee Agreement

Olive ist Judes Schwester und damit keine Unbekannte. Wer die Vorgänger kennt, begegnet ihr hier erstmals als Hauptfigur, und auch die Paare der früheren Bände tauchen wieder auf. Das Buch lässt sich trotzdem ohne Vorkenntnisse lesen: Die Liebesgeschichte ist in sich abgeschlossen, und was man über das Dorf und seine Bewohner wissen muss, erschließt sich unterwegs. Der Reiz der Wiederbegegnungen geht Quereinsteigern allerdings verloren, und Olives Entwicklung wirkt stärker, wenn man weiß, wie sie zuvor auftrat. Wer die Wahl hat, beginnt also mit dem ersten Band. In Leserkreisen wird der Winterband zudem als Abschluss der Reihe gesehen – auch das spricht dafür, ihn nicht als Erstes zu lesen.

Was den Roman auszeichnet

Eine Heldin, die nicht sofort gefallen will

Die stärkste Entscheidung des Romans ist seine Hauptfigur. Olive ist keine tollpatschige Sympathieträgerin, sondern eine kontrollierte, auf Tradition und Fassade bedachte junge Frau, die ihr Scheitern vor allem vor sich selbst verbergen will. Das macht sie anfangs sperrig – mehrere Leserinnen merken an, dass man mit ihr erst warm werden muss, und dass sie für ihr Alter eher reif als jung wirkt. Genau darin liegt aber das Potenzial: Der Weg von der perfekten Fassade zu einem Leben, das unordentlich sein darf, ist ein echter Entwicklungsbogen und nicht bloß Kulisse für die Romanze. Dass eine Romance mit einer Trennung und den ganz praktischen Folgen einer gescheiterten Ehe einsetzt, gibt ihr außerdem mehr Bodenhaftung, als das Genre oft hat.

Ein Mitbewohner mit Familienanhang

Casey ist als Gegenentwurf angelegt: zerstreut, chaotisch, im Verlagsmarketing als „Golden Retriever“ zu Olives „Black Cat“ etikettiert. Interessanter als dieses Etikett ist, dass er nicht allein kommt. Mit Shae zieht eine zweite Beziehungsebene ins Haus, und das Verhältnis zwischen Vater und Tochter gehört nach übereinstimmenden Stimmen zu den gelungenen Seiten des Buches. Die Konstellation erweitert die Romance um eine Frage, die über das Verlieben hinausgeht: ob aus drei Fremden unter einem Dach so etwas wie eine Familie werden kann.

Das Buch im Buch

Reizvoll ist die Grundidee, dass Casey über eine Frau schreibt, die er gerade erst kennenlernt – und dass ausgerechnet Olive ihn als Autor verachtet. Darin steckt ein selbstironischer Kommentar auf das eigene Genre: Ein Liebesromanautor sucht in einer Kleinstadt nach Weihnachtsromantik und findet sie, wie es sich gehört, vor der eigenen Haustür. Erzählt wird abwechselnd aus Olives und Caseys Ich-Perspektive, sodass man beiden beim Missverstehen und Annähern zusieht.

Ton und Atmosphäre

Groh, die seit Jahren romantische Komödien und Jugendromane schreibt, setzt auf schnelle, schlagfertige Dialoge, Popkultur und Humor, der auch ernstere Themen wie Einsamkeit und Selbstzweifel trägt. Die Eindrücke zur Leseprobe und die bisherigen Leserstimmen deuten in diese Richtung: Gelobt werden vor allem die Wortgefechte, in denen Olive Casey nichts schenkt, und die vorweihnachtliche Gemütlichkeit des Dorfes.

Wo die Schwächen liegen

Vorhersehbar mit Ansage

Das größte Problem ist zugleich ein Merkmal des Genres: Wer den Klappentext gelesen hat, kennt den Bogen. Mitbewohner, Altersunterschied, alleinerziehender Vater, gegensätzliche Temperamente – der Roman wird von seinen Tropes nicht nur getragen, er wird mit ihnen beworben. Überraschungen darf man kaum erwarten, und die Grenze zum Kitsch streift das Buch dabei bewusst. Wer genau das sucht, wird bestens bedient; wer sich von einer Romance mehr erzählerisches Risiko wünscht, eher nicht.

Tempo am Ende, Leerstellen in der Mitte

Die Annäherung der beiden ist über weite Strecken als Slow Burn angelegt. Umso auffälliger ist, dass einzelne Rezensionen das letzte Drittel als zu gedrängt empfinden – die Entwicklung, die vorher sorgfältig aufgebaut wird, löse sich dort zu rasch auf. Auch die Beziehung zwischen Olive und Shae bleibt offenbar hinter ihren Möglichkeiten zurück. Gerade weil die Patchwork-Frage den Roman von gewöhnlichen Mitbewohner-Romances abhebt, hätte sie mehr Raum verdient.

Der Altersunterschied

Zehn Jahre zwischen den Hauptfiguren sind kein Tabu, aber der Roman nutzt den Abstand eher als Trope denn als Thema. Dass Olive älter wirkt, als sie ist, entschärft den Unterschied – und nimmt ihm zugleich das Konfliktpotenzial, das eine 25-Jährige neben einem 35-jährigen alleinerziehenden Vater eigentlich hätte.

Kein „Clean Romance“

Der Verlag bewirbt das Buch als „romantisch-spicy“. Wer eine reine Wohlfühlgeschichte ohne erotische Szenen erwartet, sollte das wissen; entsprechend richtet sich der Roman an Erwachsene.

Fazit: Für wen lohnt sich „The Peppermint Hot Chocolate Dilemma“?

The Peppermint Hot Chocolate Dilemma ist eine handwerklich solide, warmherzige Winter-Romance, die mehr kann, als ihr bonbonfarbener Titel verspricht. Die Ausgangslage nach einer gescheiterten Ehe, eine Heldin mit Ecken und die Idee des Romans im Roman heben das Buch über den Durchschnitt des saisonalen Angebots. Zum großen Wurf fehlt ihm der Mut, sich von seinen Tropes zu lösen und den Nebenfiguren mehr Raum zu geben.

Lohnend ist die Lektüre vor allem für drei Gruppen: für Leserinnen und Leser der ersten beiden Lower-Whilby-Bände, die Olive als Hauptfigur erleben und das Dorf noch einmal im Schnee sehen wollen; für Fans humorvoller Small-Town-Romances im Stil von Gilmore Girls, die Wortgefechte und Gemütlichkeit wichtiger finden als Spannung; und für alle, die zur Adventszeit eine Liebesgeschichte suchen, die mit einem Neuanfang statt mit einem Meet-Cute beginnt. Wer dagegen überraschende Wendungen, literarische Ambitionen oder eine Romance ohne Spice sucht, greift besser zu etwas anderem.


The Peppermint Hot Chocolate Dilemma ist am 15. Oktober 2026 bei Forever als Paperback mit Klappenbroschur erschienen, 432 Seiten. Daneben gibt es eine E-Book-Ausgabe und ein Hörbuch bei Hörbuch Hamburg.

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