Der Österreicher Andreas Gruber hat sich mit Thrillern einen Namen gemacht, in denen Ermittler Serienmördern quer durch Deutschland, Österreich und halb Europa hinterherjagen. Wer neu einsteigt, steht vor vier Reihen: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, Walter Pulaski, Peter Hogart und die jüngere Herz-Reihe um Elena Gerink. Dazu kommen einige Horror- und Science-Fiction-Bücher aus seiner frühen Zeit.
Die gute Nachricht vorweg: Die Reihen sind voneinander unabhängig. Sie können mit jeder beginnen. Innerhalb einer Reihe sollten Sie aber der Reihenfolge der Erstveröffentlichung folgen, denn sie entspricht auch der Chronologie der Handlung. Es gibt genau eine Stelle, an der sich zwei Reihen berühren – dazu weiter unten mehr.
Wo Sie am besten anfangen
Unsere Empfehlung ist Todesfrist, der erste Fall für Sneijder und Nemez. Es ist Grubers erfolgreichste Reihe, die Figuren werden hier sauber eingeführt, und der Fall ist in sich abgeschlossen. Wenn Ihnen der Ton gefällt, haben Sie neun weitere Bände vor sich.
Wer lieber mit einem Ermittlerduo aus Leipzig und Wien beginnen möchte, greift zu „Rachesommer“ aus der Pulaski-Reihe. Und wer erst einmal ausprobieren möchte, ob Gruber überhaupt etwas für ihn ist, findet in „Die schwarze Dame“ einen der schmalsten Thriller dieser Übersicht.
Die Reihenfolge auf einen Blick
Die Jahreszahlen nennen die Erstausgabe. Verlinkt sind die aktuellen Goldmann-Ausgaben, die teils Neuausgaben aus späteren Jahren sind.
| Nr. | Titel | Reihe | Erstausgabe |
|---|---|---|---|
| 1 | Todesfrist | Sneijder und Nemez 1 | 2012/13 |
| 2 | Todesurteil | Sneijder und Nemez 2 | 2015 |
| 3 | Todesmärchen | Sneijder und Nemez 3 | 2016 |
| 4 | Todesreigen | Sneijder und Nemez 4 | 2017 |
| 5 | Todesmal | Sneijder und Nemez 5 | 2019 |
| 6 | Todesschmerz | Sneijder und Nemez 6 | 2021 |
| 7 | Todesrache | Sneijder und Nemez 7 | 2022 |
| 8 | Todesspur | Sneijder und Nemez 8 | 2024 |
| 9 | Todesspiel – Teil 1 | Sneijder und Nemez 9 | angekündigt für Februar 2027 |
| 10 | Todesspiel – Teil 2 | Sneijder und Nemez 10 | angekündigt für April 2027 |
| 1 | Rachesommer | Walter Pulaski 1 | 2011 |
| 2 | Racheherbst | Walter Pulaski 2 | 2015 |
| 3 | Rachewinter | Walter Pulaski 3 | 2018 |
| 4 | Rachefrühling | Walter Pulaski 4 | 2023 |
| 1 | Die schwarze Dame | Peter Hogart 1 | 2007 |
| 2 | Die Engelsmühle | Peter Hogart 2 | 2008 |
| 3 | Die Knochennadel | Peter Hogart 3 | 2020 |
| 1 | Herzgrab | Herz-Reihe 1 | 2013 |
| 2 | Herzfluch | Herz-Reihe 2 | 2025 |
Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez

Die Reihe um den niederländischen Profiler und die deutsche Ermittlerin umfasst zehn Bände, das zweiteilige Finale mitgezählt. Die ersten fünf Bücher erzählen jeweils einen abgeschlossenen Fall, sodass man notfalls auch quer einsteigen könnte. Wir raten trotzdem davon ab: Sabine Nemez entwickelt sich von Band zu Band weiter, und das Verhältnis der beiden Hauptfiguren ist ein guter Teil des Reizes. Ab dem sechsten Band wird die Reihe dann zur fortlaufenden Geschichte.
Band 1 bis 5: einzelne Fälle, wachsende Figuren
In Todesfrist ist Sabine Nemez noch Kommissarin in München. Ein Täter stellt ihr ein Ultimatum von 48 Stunden, und seine Morde folgen einer Vorlage, auf die man nicht gefasst ist: einem alten Kinderbuch. Erst mit Sneijders Hilfe erkennt sie das Muster.
Todesurteil zeigt die beiden in neuer Rollenverteilung. Sneijder unterrichtet an der Akademie des BKA, Nemez gehört zu seinen Studenten. Beim Durchgehen ungelöster Altfälle stößt sie auf Verbindungen, die nach Wien führen, wo ein Mädchen mit Motiven aus Dantes „Inferno“ auf dem Rücken wieder aufgetaucht ist.
Mit Todesmärchen rückt Sneijders eigene Vergangenheit näher. Während in Bern inszenierte Frauenleichen gefunden werden, interessiert sich eine Psychologin in einer norddeutschen Haftanstalt auffällig für einen Gefangenen, den Sneijder einst überführt hat.
Todesreigen führt ins Innere des BKA. Mehrere Kollegen haben sich auf brutale Weise das Leben genommen, und Nemez, inzwischen selbst Ausbilderin, glaubt nicht an Zufall. Sneijder ist suspendiert und will mit dem Fall nichts zu tun haben, bis Nemez verschwindet.
In Todesmal erscheint eine Nonne in der Wiesbadener BKA-Zentrale, kündigt sieben Morde in sieben Tagen an und will nur mit Sneijder reden. Der hat gerade gekündigt.
Band 6 und 7: unbedingt am Stück

Ab Todesschmerz sollten Sie keine Bände mehr auslassen. Sneijders Team ermittelt gegen einen Verräter in den eigenen Reihen, wird aber nach Norwegen abkommandiert, wo die deutsche Botschafterin ermordet wurde. Das Ende dieses Bandes ist der Ausgangspunkt des nächsten.
Todesrache setzt unmittelbar danach ein. Sneijder hat knapp überlebt, fast sein ganzes Team ist tot, darunter offenbar auch Sabine Nemez – bis ein Hinweis auftaucht, dass sie noch leben könnte. Für die Suche stellt er ein neues Team zusammen, und eine Schlüsselrolle spielt dabei ein alter Bekannter aus einer anderen Reihe: Walter Pulaski, Kriminalbeamter aus Leipzig.
Das Crossover mit Walter Pulaski
„Todesrache“ ist die einzige belegte Stelle, an der zwei von Grubers Reihen zusammenlaufen. Sie müssen die Pulaski-Bücher nicht kennen, um dem Roman zu folgen. Wer aber ohnehin beide Reihen lesen möchte, hat mehr davon, wenn er Pulaski vorher kennengelernt hat. Sinnvoll ist es, mindestens die ersten drei Pulaski-Bände vor „Todesrache“ einzuschieben, also etwa nach „Todesschmerz“ – was allerdings den direkten Anschluss zwischen Band 6 und 7 unterbricht. Wir empfehlen deshalb, die Pulaski-Reihe schon früher zu lesen, zum Beispiel nach „Todesmal“.
Band 8 bis 10: auf dem Weg zum Finale
Todesspur ist der achte Band und zugleich der letzte vor dem Abschluss. Sneijder und Nemez sind hinter einem Mann her, der eine neue Generation der RAF mit aufbauen und eine Anschlagsserie planen soll. Als er entkommt, kreuzt eine Frau namens Lea Fuchs Sneijders Weg, die eigene Pläne verfolgt.

Das Finale ist noch nicht erschienen. Todesspiel – Teil 1 ist für Februar 2027 angekündigt, Todesspiel – Teil 2 für April 2027. Goldmann kündigt die beiden Bücher als Finale der Reihe an. Ausgangslage laut Verlag: Binnen weniger Wochen brechen mehrere gefürchtete Serienmörder aus verschiedenen deutschen Hochsicherheitsgefängnissen aus, und bald stirbt ein Kollege von Sneijder. Der zweite Teil setzt drei Monate später ein und erzählt dieselbe Geschichte weiter. Lesen Sie die beiden Bände deshalb wie einen einzigen Roman – und nicht Teil 2 ohne Teil 1.
Walter Pulaski und Evelyn Meyers

Die Reihe wird meist nach dem Leipziger Kommissar benannt, ist aber eigentlich ein Duo. In allen vier Bänden ermittelt die Wiener Anwältin Evelyn Meyers mit, und die Fälle entstehen oft daraus, dass ihre Arbeit in Wien und seine in Leipzig sich überkreuzen. Weil sich die Beziehung der beiden über die Bücher entwickelt, sollten Sie sie in der Reihenfolge lesen.
Rachesommer ist der Einstieg. In Wien sterben vier wohlhabende Männer auf ähnliche Weise, in Leipzig sollen sich mehrere Jugendliche aus psychiatrischen Kliniken umgebracht haben. Pulaski und Meyers stoßen bei ihren getrennten Recherchen aufeinander, die gemeinsame Spur endet an der Nordsee.
In Racheherbst wird unter einer Leipziger Brücke die Leiche einer jungen Frau angespült. Weil die Kollegen sich kaum für den Fall interessieren, ermittelt Pulaski auf eigene Faust, begleitet von der Mutter des Opfers. Die Spur führt über Prag und Passau nach Wien, wo Evelyn Meyers gerade ihren ersten Fall als Strafverteidigerin angenommen hat.
Rachewinter dreht sich um eine Mordserie an vermögenden Männern in verschiedenen Städten, die alle kurz vor ihrem Tod eine unbekannte dunkelhaarige Frau getroffen haben. Hier arbeiten die beiden enger zusammen als zuvor, weil sie merken, dass keiner den Fall allein lösen kann.
Rachefrühling erschien erst nach „Todesrache“. Ein True-Crime-Podcaster, der schon mehreren zu Unrecht Verurteilten zur Freiheit verholfen hat, steht nun selbst unter Mordverdacht. Meyers übernimmt seine Verteidigung und bittet Pulaski, der gerade in Wien Urlaub macht, unauffällig mitzuermitteln.
Peter Hogart

Mit dem Wiener Privatermittler Peter Hogart hat Gruber seine erste Thrillerreihe begonnen. Die beiden ersten Bände erschienen 2007 und 2008 zunächst beim Festa Verlag, Goldmann hat sie später neu herausgebracht. In den aktuellen Ausgaben sind sie mit knapp 400 Seiten deutlich schmaler als die späteren Thriller.
In Die schwarze Dame soll Hogart in Prag eine verschwundene Kollegin finden. Nach kurzer Zeit hat er sich mit zwielichtigen Gestalten und der örtlichen Kripo angelegt; Verbündete findet er in der Privatdetektivin Ivona Markovic, die an einer Serie von Verstümmelungsmorden arbeitet.
Die Engelsmühle spielt in und um Wien. Ein pensionierter Arzt wird in seiner Villa zu Tode gefoltert, nachdem er noch ein Video verstecken konnte. Hogart findet die Aufnahme vor dem Mörder – und mit ihr eine Spur zu einer verlassenen Mühle.
Zwölf Jahre später kehrte Gruber zu seiner Figur zurück. In Die Knochennadel will Hogart eigentlich nur ein paar Tage in Paris verbringen, doch bei einer Auktion in der Opéra Garnier verschwinden seine Freundin Elisabeth und ein kostbares mittelalterliches Artefakt. Sie können diesen Band zur Not auch allein lesen, die beiden Vorgänger machen Hogart aber vertrauter.
Die Herz-Reihe um Elena Gerink

Herzgrab galt von 2013 an lange als Einzelroman. Die Wiener Privatdetektivin Elena Gerink sucht einen weltberühmten Maler, dessen letztes Bild sie in die Toskana führt. In Florenz trifft sie auf ihren Ex-Mann Peter Gerink, Spezialist des Bundeskriminalamts, der dort nach einer vermissten Österreicherin sucht – und die beiden Fälle hängen zusammen.
Erst 2025 folgte mit Herzfluch ein zweiter Band, seitdem ist aus dem Einzelroman eine Reihe geworden. Elena verfolgt einen Mann, der vor fünfzehn Jahren trotz eines Mordes freigesprochen wurde, und landet in Griechenland. Dort suchen auch Peter und sein Kollege Dino Scatozza nach einer verschwundenen Urlauberin, bis sich die Spuren auf einer Privatinsel treffen. Weil das Buch an die Beziehung der beiden Gerinks aus dem ersten Band anknüpft, lohnt es sich, „Herzgrab“ vorher zu lesen.
Einzelwerke: Horror und Science-Fiction

Bevor Gruber mit Thrillern bekannt wurde, schrieb er Phantastik. Drei dieser Bücher liegen inzwischen in Neuausgaben bei Goldmann vor. Sie haben mit keiner der Reihen zu tun und untereinander keine Reihenfolge – Sie können sie jederzeit lesen.
Der Judas-Schrein erschien zuerst 2005 und wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Ein Wiener Kommissar kehrt in das Gebirgsdorf zurück, aus dem er als Jugendlicher geflohen ist, um eine grausame Mordserie aufzuklären, während Hochwasser den Ort von der Außenwelt abschneidet. Der Aufbau erinnert an einen Krimi, der Roman ist aber als Horror angelegt.
Das Eulentor aus dem Jahr 2008 erhielt den Vincent Preis. Der Roman verschränkt zwei Zeitebenen: 1911 entdeckt eine Expedition auf Spitzbergen einen senkrechten Schacht, der allen physikalischen Gesetzen zu trotzen scheint, mehr als hundert Jahre später folgt eine junge Frau den Spuren der Verschollenen.
Apocalypse Marseille versammelt 13 Science-Fiction-Erzählungen in überarbeiteter Fassung. Die Schauplätze reichen von einer verwüsteten Côte d’Azur über Maya-Tempel bis zu einem Steampunk-Wien um 1900. Wer nur die Thriller kennt, entdeckt hier eine ganz andere Seite des Autors.
Was hier fehlt
Gruber hat außerdem Jugendbücher geschrieben, etwa die Reihen „Code Genesis“ (cbj, 2019–2020) und „Last Line of Defense“ (Ravensburger, 2024–2025), sowie weitere Sammlungen mit Kurzgeschichten. Sie stehen nicht in Verbindung mit den hier vorgestellten Reihen und sind deshalb nicht Teil dieser Übersicht.
Häufige Fragen
Muss man die Gruber-Reihen in einer bestimmten Reihenfolge lesen?
Untereinander nicht. Innerhalb jeder Reihe ja: Lesen Sie die Bücher so, wie sie erschienen sind. Bei Sneijder und Nemez ist das ab Band 6 zwingend, vorher sehr zu empfehlen.
Wann sollte man die Pulaski-Reihe lesen?
Wenn Sie beide großen Reihen lesen wollen, am besten vor „Todesrache“, zumindest bis „Rachewinter“. Notwendig ist das nicht, der Roman funktioniert auch ohne Vorwissen.
Ist die Sneijder-Reihe abgeschlossen?
Noch nicht. Mit den beiden Teilen von „Todesspiel“, angekündigt für Februar und April 2027, soll sie enden. Bis dahin ist „Todesspur“ der aktuelle Band.
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