Die besten Lucky-Luke-Comics: 10 Abenteuer, mit denen sich der Einstieg lohnt

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Wer zum ersten Mal vor dem Lucky-Luke-Regal steht, sieht eine lange Nummernreihe und stellt sich die naheliegende Frage: Muss man bei Band 1 anfangen? Muss man nicht. Die Alben sind in sich geschlossen, Sie können also überall einsteigen. Schwieriger ist eher die Auswahl, denn die Reihe läuft seit 1946 und ist durch die Hände mehrerer Autoren und Zeichner gegangen.

Die folgenden zehn Alben sind eine redaktionelle Auswahl und keine Rangliste. Die Reihenfolge führt von zwei leicht zugänglichen Geschichten über die Figuren und Großprojekte der Goscinny-Jahre bis zur heutigen Hauptreihe und zu zwei freien Neudeutungen. Sie können ihr folgen oder dort beginnen, wo Sie die Geschichte am meisten reizt.

Mit welchem Lucky-Luke-Comic anfangen? Drei Dinge vorab

Die Bandnummer verrät wenig über das Alter. Die deutsche Zählung folgt nicht der Entstehungsreihenfolge. In dieser Auswahl stammt Band 79 im Original von 1957, Band 18 dagegen von 1977. Wer sich chronologisch durch die Serie lesen möchte, kommt mit den Nummern also nicht weit. Die Übersichtstabelle am Ende nennt deshalb beide Angaben.

Die Autoren prägen die Phasen der Serie. Morris zeichnete die Reihe ab 1946 und schrieb die Texte bis 1955 selbst. Dann übernahm René Goscinny (1926–1977) und blieb bis zu seinem Tod. Diese Phase gilt als „Goldenes Zeitalter“ der Serie, und aus ihr stammen sieben der zehn Alben hier. Später schrieben andere, heute sind Achdé und Jul für die Hauptreihe zuständig.

Daneben gibt es die Hommage-Bände. In dieser eigenen Reihe deuten einzelne Künstler die Figur auf ihre Weise. Das sind keine Fortsetzungen im Stil der Hauptreihe, und vermutlich haben Sie mehr davon, wenn Sie das Original schon ein wenig kennen.

Zwei Alben für den ersten Griff

Die Daltons in Mexiko

Morris und René Goscinny, Tortillas für die Daltons

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Tortillas für die Daltons (Band 28, Original 1967) bringt die bekannten Gauner in eine dankbare Lage. Bei einer Verlegung ins nächste Gefängnis fällt der Transport dem mexikanischen Banditen Emilio Espuelas in die Hände, der in dem stark gesicherten Wagen Reichtümer erwartet und stattdessen die Daltons erbeutet. Die wollen nun unbedingt bei ihm mitmachen, während Lucky Luke den Auftrag erhält, sie über die Grenze zurückzuholen, bevor daraus ein Fall für die Diplomatie wird.

Die Ausgangslage versteht man sofort, auch ohne ein anderes Dalton-Abenteuer zu kennen. Weil dies das einzige Dalton-Album der Auswahl ist, eignet es sich zugleich als Probe: Wer hier lacht, wird mit diesen wiederkehrenden Gegenspielern der Serie seinen Spaß haben.

Einmal quer durch den Westen

Morris und René Goscinny, Die Postkutsche

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Die Postkutsche (Band 15, Original 1968) hat die einfachste Anlage dieser Liste: ein Start, ein Ziel und eine Ladung, die Begehrlichkeiten weckt. Nach einer Reihe von Überfällen braucht Wells Fargo einen öffentlichen Beweis der eigenen Zuverlässigkeit und schickt deshalb Gold von Denver nach San Francisco. Lucky Luke soll die Fahrt absichern, an seiner Seite Kutscher Hank Bully.

Für Einsteiger hat diese Reiseform einen Vorteil: Sie müssen sich keine Vorgeschichte merken und können dem Album ohne Vorwissen folgen. Wer gemeinsam mit jüngeren Lesern in die Serie hineinfinden möchte, ist mit einer so klar gebauten Geschichte gut bedient.

Der Adlige und die Saloonbesitzerin: zwei starke Gegenüber

Die nächsten beiden Bände leben von den Menschen, die Lucky Luke begegnen. Beide Male steht eine Figur im Mittelpunkt, nach der sich die ganze Geschichte richtet.

Ein englischer Adliger tritt sein Erbe an

Morris und René Goscinny, Das Greenhorn

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In Das Greenhorn (Band 16, Original 1968) reist der englische Aristokrat Waldo Badmington mit seinem Butler Jasper in den Westen, um dort die Hinterlassenschaft eines Verwandten zu übernehmen. Dort schlägt dem Neuankömmling Argwohn entgegen, und nicht jeder meint es ehrlich mit ihm. Lucky Luke steht ihm zur Seite.

Das Album lebt vom Zusammenprall zweier Welten, doch Badmington bleibt keine bloße Witzfigur, er wächst an seiner neuen Umgebung. Wikipedia nennt die Filmkomödie „Ruggles of Red Gap“ als mögliche Anregung. Für die Lektüre müssen Sie den Film nicht kennen.

Calamity Jane gewinnt einen Saloon

Morris und René Goscinny, Calamity Jane

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Mit Calamity Jane (Band 22, Original 1967) bekommt Lucky Luke eine historische Figur als Gegenüber, und zwar eine Frau, die sich durchzusetzen weiß. In El Plomo holt sie sich beim Armdrücken einen Saloon. Dummerweise dient das Haus heimlich als Waffenlager, und so hat Lucky Luke bald damit zu tun, ihr neues Eigentum mit ihr gegen Gangster zu verteidigen.

Wer in klassischen Westerncomics eine kräftige Frauenfigur sucht, findet sie hier als Titelheldin. Damit setzt dieses Album einen deutlichen Akzent in der Auswahl.

Eisenbahn und Telegraf: die Klammer der Goscinny-Jahre

Zwei Alben dieser Auswahl gehören zusammen, obwohl ihre Bandnummern weit auseinanderliegen. Beide handeln von der Erschließung des Kontinents, und zwischen ihren Originalen liegen zwanzig Jahre.

Der Anfang einer Zusammenarbeit

Morris und René Goscinny, Die Eisenbahn durch die Prärie

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Die hohe Nummer von Die Eisenbahn durch die Prärie (Band 79, Original 1957) täuscht: Dies ist ein frühes Album und die erste Zusammenarbeit von Morris und Goscinny, der 1955 als Autor einstieg; als Album lag die Geschichte zwei Jahre später vor. Es erzählt vom Bau der transkontinentalen Bahn. Der Fortschritt bedroht das Geschäft eines Postkutschenunternehmers, und der antwortet mit Sabotage, sodass die Arbeiten ins Stocken geraten.

Für die Seriengeschichte ist dieser Band interessant, weil sich hier nachlesen lässt, wie das Gespann begann. Zugleich zeigt er ein Rezept, das auch andere Alben dieser Auswahl nutzen: Ein Kapitel amerikanischer Geschichte wird zur Bühne für Komik und Abenteuer.

Ein spätes Goscinny-Abenteuer

Morris und René Goscinny, Der singende Draht

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Der singende Draht (Band 18, Original 1977) gehört zu den letzten Lucky-Luke-Alben aus Goscinnys Feder; er starb im selben Jahr. Die Handlung spielt 1861: Eine Telegrafenleitung soll Carson City und Omaha verbinden und damit den Westen an den Osten anschließen. Saboteure und schlechtes Wetter stellen sich dem Vorhaben entgegen, und mit Abraham Lincoln und Buffalo Bill treten auch historische Größen auf.

Das Album wirkt wie ein Spiegelbild des Eisenbahn-Bandes, und der Vergleich lohnt sich: Die Rezension in The Slings and Arrows hält die Sabotagen hier für einfallsreicher. Lesen Sie beide direkt nacheinander, dann sehen Sie, was aus einem ähnlichen Grundmotiv nach zwei Jahrzehnten geworden ist.

Abseits der Dalton-Pfade: die Satire vom falschen Kaiser

Morris und René Goscinny, Der Kaiser von Amerika

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Unser besonderer Tipp aus der Goscinny-Zeit ist Der Kaiser von Amerika (Band 57, Original 1976). Dean Smith hat im Goldrausch ein Vermögen gemacht und hält sich seither für den Kaiser der Vereinigten Staaten. Als Vorbild nennt Wikipedia den historischen Joshua Norton.

Das Album schöpft viel aus seiner satirischen Grundidee. Solange nur ein reicher Sonderling Hof hält, lässt sich darüber schmunzeln. Heikel wird es, als der Gangster Buck Ritchie in Smiths Privatarmee ein Werkzeug für Banküberfälle erkennt. Wenn Sie zwei oder drei der übrigen Geschichten kennen und wissen möchten, wie viel Spott in der Serie steckt, sind Sie hier richtig.

Die Hauptreihe heute: Achdé und Jul

Achdé und Jul, Ein Cowboy in Paris

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Wie die Hauptreihe nach Morris aussieht, zeigt Ein Cowboy in Paris (Band 97, 2018). Achdé zeichnet, Jul schreibt, und die Reise führt über den Atlantik: Bartholdi und Eiffel arbeiten an der Freiheitsstatue, und Lucky Luke soll ihren Weg nach Amerika begleiten. In Rouen und Paris trifft er auf Streiks, Impressionisten und die Rennbahn von Longchamp, während ein amerikanischer Saboteur dem Projekt nachstellt.

Die Kritik fällt unterschiedlich aus. Die taz nennt das Album vergnüglich und frei im Umgang mit der Geschichte und sieht darin eine Anspielung auf die Trump-Ära. Pipeline Comics urteilt verhaltener: gut, aber nicht herausragend. Das ergibt eine brauchbare Erwartung: ein unterhaltsamer Abstecher nach Europa, über dessen Rang sich die Rezensenten nicht einig sind.

Zwei Hommagen: ganz ernst und ganz heiter

Der ernste Gegenentwurf

Matthieu Bonhomme, Der Mann, der Lucky Luke erschoss

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Zum 70. Jubiläum der Figur erschien 2016 Der Mann, der Lucky Luke erschoss, der erste Band der Hommage-Reihe. Matthieu Bonhomme zeichnet realistischer und erzählt ernster als die Hauptreihe. Englischsprachigen Verlagstexten zufolge kommt Lucky Luke in einer Gewitternacht nach Froggy Town und ermittelt dort mit Doc Wednesday gegen die Brüder Bones. Nebenbei klärt das Album eine Frage, die Kenner beschäftigen dürfte: wie aus der Zigarette der Grashalm wurde.

Für den allerersten Kontakt mit der Figur ist dieser Band nichts. Seine Wirkung entsteht aus dem Kontrast zu den vertrauten, komischen Alben. Lesen Sie ihn also besser, nachdem Sie einige davon kennen.

Lucky Luke auf dem Fahrrad

Mawil, Lucky Luke sattelt um

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Den heiteren Abschluss bildet Lucky Luke sattelt um (Hommage-Reihe Band 3, 2019). Laut Tagesspiegel ist der Berliner Mawil der erste deutsche Zeichner einer Lucky-Luke-Ausgabe. Seine Idee ist so schlicht wie komisch: Der Cowboy durchquert den Kontinent auf dem Fahrrad, und Jolly Jumper nimmt das seinem Reiter gründlich übel.

Zeichnerisch geht Mawil eigene Wege. Das macht den Band zum passenden Schlusspunkt für alle, die nach den Klassikern noch einmal einen anderen Blick auf die Figur werfen möchten, ohne dafür den leichten Ton aufzugeben.

Die zehn Alben im Überblick

Die Jahre beziehen sich auf die Originalveröffentlichung, nicht auf spätere deutsche Ausgaben.

AlbumDeutsche ZählungOriginalZeichnung und TextPasst, wenn Sie …
Tortillas für die DaltonsBand 281967Morris, Goscinnydie Daltons kennenlernen möchten
Die PostkutscheBand 151968Morris, Goscinnyeine geradlinige Reisegeschichte suchen
Das GreenhornBand 161968Morris, GoscinnyKomik aus dem Zusammenprall zweier Welten mögen
Calamity JaneBand 221967Morris, Goscinnyeine starke Frauenfigur erleben möchten
Die Eisenbahn durch die PrärieBand 791957Morris, Goscinnysich für die Anfänge des Gespanns interessieren
Der singende DrahtBand 181977Morris, GoscinnyLincoln und Buffalo Bill begegnen möchten
Der Kaiser von AmerikaBand 571976Morris, GoscinnySatire suchen
Ein Cowboy in ParisBand 972018Achdé, Juldie heutige Hauptreihe testen möchten
Der Mann, der Lucky Luke erschossHommage 12016Matthieu Bonhommedie Figur ernst und realistisch erleben möchten
Lucky Luke sattelt umHommage 32019Mawileinen heiteren eigenen Blick auf die Figur suchen

Wenn Sie sich nicht entscheiden können, greifen Sie zu den beiden Alben vom Anfang dieser Liste: einmal die Daltons, einmal die Fahrt nach San Francisco. Danach wissen Sie, ob Ihnen eher die Gaunerkomödie oder das Reiseabenteuer liegt.

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