Homers Odyssee gehört zu den großen Abenteuergeschichten der Weltliteratur – allerdings ist das mehr als 2.500 Jahre alte Original für Kinder alles andere als leichte Kost. Zum Glück gibt es inzwischen zahlreiche kindgerechte Nacherzählungen, die Odysseus‘ Reise mit Zyklopen, Sirenen, Göttern und Ungeheuern spannend und verständlich erzählen.
Welche Ausgabe am besten passt, hängt vor allem vom Alter ab. Manche Bücher eignen sich bereits zum gemeinsamen Lesen mit jüngeren Kindern, andere erzählen die Geschichte ausführlicher für Schulkinder und Jugendliche. Wir stellen vier empfehlenswerte Ausgaben der Odyssee für Kinder vor.
Der Kinder-Homer: Ilias und Odyssee in spannender Nacherzählung
Wer schon jüngeren Kindern die Geschichten von Homer näherbringen möchte, findet im „Kinder-Homer“ einen besonders zugänglichen Einstieg. Jona Tomke erzählt sowohl die Ilias als auch die Odyssee in heutiger Sprache nach und richtet sich ausdrücklich an Kinder und ihre Eltern.
Dabei geht es nicht nur um Odysseus‘ Irrfahrt: Kinder lernen zunächst auch die Vorgeschichte rund um Troja kennen und können die anschließenden Abenteuer dadurch besser einordnen. Mit 270 Seiten ist das Buch umfangreicher als viele kurze Sagensammlungen und eignet sich deshalb gut zum gemeinsamen Lesen und Vorlesen über einen längeren Zeitraum. Empfohlen wird die Ausgabe ungefähr für Kinder im Grundschulalter.
Die Abenteuer des Odysseus von Bernard Evslin
Für Kinder ab etwa zehn Jahren ist Bernard Evslins „Die Abenteuer des Odysseus“ eine besonders schöne Nacherzählung. Statt Homers antiken Text lediglich zu vereinfachen, erzählt Evslin daraus eine lebendige Abenteuergeschichte in moderner Sprache.
Und an Abenteuern mangelt es wahrlich nicht: Odysseus begegnet dem menschenfressenden Kyklopen Polyphem, der Zauberin Kirke, den Sirenen und zahlreichen weiteren Gefahren. Gerade diese fantastischen Elemente machen verständlich, warum die Odyssee auch nach Jahrtausenden noch funktioniert. Die Ausgabe umfasst rund 190 Seiten und ist damit überschaubar genug für junge Leser, ohne die Geschichte auf wenige Episoden zusammenzukürzen.
Die Odyssee als Graphic Novel
Eine besonders moderne Möglichkeit, Homers Geschichte kennenzulernen, ist die Graphic-Novel-Ausgabe von Nicolás Schuff und Illustratorin Mariana Ruíz Johnson. Auf knapp 200 Seiten werden Odysseus‘ berühmteste Abenteuer als Kombination aus Text und Bildern erzählt.
Gerade Kinder und Jugendliche, denen ein klassisches Sagenbuch zu trocken erscheint, bekommen dadurch einen ganz anderen Zugang zur griechischen Mythologie. Kyklopen, Monster, Götter und die gefährliche Seereise lassen sich schließlich hervorragend in Bildern erzählen. Das Buch wird für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen und ist auch optisch eine der interessantesten aktuellen Odyssee-Ausgaben.
Die Abenteuer des Odysseus von Auguste Lechner
Auguste Lechners Nacherzählung ist längst selbst ein Klassiker unter den Jugendbüchern zur griechischen Mythologie. Die Autorin erzählt Odysseus‘ Irrfahrten ausführlich und nah am traditionellen Sagenstoff, zugleich aber deutlich zugänglicher als Homers Original.
Mit knapp 300 Seiten ist diese Ausgabe etwas anspruchsvoller und eignet sich besonders für Jugendliche ab etwa zwölf Jahren, die nicht nur einzelne Abenteuer von Odysseus kennenlernen, sondern seine gesamte Reise verfolgen möchten. Eine gute Wahl für junge Leser, die nach einer kindlichen Kurzfassung den nächsten Schritt machen wollen.
Welche Odyssee eignet sich für welches Alter?
Für jüngere Kinder würden wir zunächst zu einer kindgerechten Nacherzählung wie dem „Kinder-Homer“ greifen. Ab etwa zehn Jahren ist Bernard Evslins Version ein sehr guter Einstieg, weil sie spannend erzählt wird und trotzdem einen großen Teil der Odyssee abdeckt.
Ab etwa zwölf Jahren kommen sowohl die Graphic Novel als auch die ausführlichere Nacherzählung von Auguste Lechner infrage. Wer danach neugierig auf das Original geworden ist, kann sich schließlich an eine vollständige Übersetzung von Homers Odyssee wagen.
Warum die Odyssee auch für Kinder spannend ist
Die Odyssee mag aus der Antike stammen, viele ihrer Geschichten wirken aber erstaunlich modern: Ein Held muss nach einem langen Krieg nach Hause finden, gerät von einem Abenteuer ins nächste und muss sich dabei nicht nur mit Monstern, sondern auch mit den Launen der griechischen Götter herumschlagen.
Der Kyklop Polyphem, die Sirenen, Kirke oder Skylla und Charybdis gehören bis heute zu den bekanntesten Figuren der griechischen Mythologie. Eine gute Kinderfassung macht daraus keine trockene Schullektüre, sondern das, was die Odyssee im Kern ist: eine große Abenteuergeschichte.
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