Tana French in der richtigen Reihenfolge: Mordkommission Dublin, Einzelroman und Cal-Hooper-Trilogie

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buchtipp.de Stimmungsbild für Reihenfolgen

Tana French gilt als eine der Autorinnen, bei denen die Grenze zwischen Kriminalroman und Literatur kaum noch zu ziehen ist. Die in Dublin lebende Schriftstellerin arbeitete zunächst als Schauspielerin, bevor sie 2007 mit ihrem ersten Roman debütierte – und dafür in den USA gleich den Edgar Award für das beste Erstlingswerk erhielt. Seither sind zehn Romane entstanden, die auf Deutsch alle bei Fischer vorliegen.

Wer sich fragt, in welcher Reihenfolge man Tana French lesen sollte, hat es mit drei Teilen zu tun: der sechsbändigen Reihe „Mordkommission Dublin“ (im Original „Dublin Murder Squad“, 2007–2016), einem eigenständigen Roman von 2018 und der Trilogie um den Ex-Polizisten Cal Hooper (2020–2026). Die drei Teile hängen nicht zusammen. Innerhalb der Reihen gelten aber unterschiedliche Regeln, und genau darum geht es in dieser Übersicht.

Alle Bücher von Tana French im Überblick

Die Jahreszahlen nennen jeweils die englische Erstausgabe. Die deutschen Ausgaben sind meist ein bis zwei Jahre später erschienen.

Nr.Deutscher TitelOriginaltitelJahrReihe
1GrabesgrünIn the Woods2007Mordkommission Dublin
2TotengleichThe Likeness2008Mordkommission Dublin
3SterbenskaltFaithful Place2010Mordkommission Dublin
4SchattenstillBroken Harbour2012Mordkommission Dublin
5Geheimer OrtThe Secret Place2014Mordkommission Dublin
6Gefrorener SchreiThe Trespasser2016Mordkommission Dublin
–Der dunkle GartenThe Witch Elm2018Einzelroman
1Der SucherThe Searcher2020Cal Hooper
2FeuerjagdThe Hunter2024Cal Hooper
3Wie ein Fluss in der NachtThe Keeper2026Cal Hooper

Die Reihe „Mordkommission Dublin“

Der Name führt ein wenig in die Irre. Anders als in den meisten Krimireihen gibt es hier kein festes Ermittlerteam, das von Fall zu Fall weiterarbeitet. Stattdessen wechselt mit jedem Band die Hauptfigur, die ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt. Meist ist es jemand, der im Vorgängerband am Rand aufgetaucht ist. So entsteht eine Art Staffellauf durch die Dubliner Polizei.

Jeder Fall ist in sich abgeschlossen, und Sie können grundsätzlich mit jedem Band beginnen. Trotzdem lohnt sich die Veröffentlichungsreihenfolge: Wer die Figuren schon einmal von außen gesehen hat, liest ihre eigene Erzählung mit anderen Augen. Eine Ausnahme von der freien Wahl gibt es, dazu gleich mehr.

Band 1: Grabesgrün

Tana French: Grabesgrün

Mit Grabesgrün beginnt alles. Auf dem Gelände einer archäologischen Grabung in Knocknaree, einem Ort am Rand von Dublin, liegt ein totes Mädchen auf einem Steinaltar. Den Fall übernehmen Detective Rob Ryan und seine Partnerin Cassie Maddox. Was kaum jemand weiß: Ryan ist in Knocknaree aufgewachsen und war als Kind in ein Verbrechen verwickelt, das nie aufgeklärt wurde. Zwei Freunde verschwanden damals im Wald, er selbst wurde gefunden und kann sich an nichts erinnern.

Das Buch ist ebenso Psychogramm eines Ermittlers, der sich selbst nicht trauen kann, wie Kriminalroman. Eines sollten Sie vorher wissen: Den aktuellen Mordfall klärt der Roman auf, beim alten Verbrechen bleibt das Ende bewusst offen. Manche Leser lieben das, andere ärgern sich darüber.

Band 2: Totengleich

Totengleich ist der einzige Band, der seinen Vorgänger wirklich voraussetzt. Erzählerin ist nun Cassie Maddox, und der Roman knüpft an das an, was ihr in „Grabesgrün“ widerfahren ist. Die Ausgangslage klingt nach einem Gedankenspiel: In einem verfallenen Cottage außerhalb Dublins wird eine Frau erstochen, die Cassie zum Verwechseln ähnlich sieht. Weil niemand außerhalb der Polizei vom Tod der Frau erfährt, schlüpft Cassie in deren Rolle und zieht zu den vier Mitbewohnern der Toten, um herauszufinden, wer sie umgebracht hat.

Eingefädelt wird das Manöver von Frank Mackey, dem Chef der verdeckten Ermittler – eine Figur, die im nächsten Band die Hauptrolle übernimmt. Wer „Grabesgrün“ ausgelassen hat, versteht den Fall zwar, aber nicht, warum Cassie sich auf ein so riskantes Spiel einlässt.

Band 3: Sterbenskalt

Tana French: Sterbenskalt

In Sterbenskalt erzählt Frank Mackey seine eigene Geschichte, und die ist vor allem eine Familiengeschichte. Als junger Mann wollte er mit seiner Freundin Rosie aus Faithful Place fliehen, einer armen Straße im Dublin der Achtzigerjahre. Rosie kam nie zum Treffpunkt, und Frank ging allein. Mehr als zwei Jahrzehnte später taucht ihr Koffer in einem leer stehenden Haus seiner alten Straße auf, und Frank muss zurück zu der Familie, die er hinter sich gelassen hat.

Der Roman ist weitgehend unabhängig von den beiden ersten Bänden und deshalb ein guter alternativer Einstieg in die Reihe – zumal der Fall hier ein klares Ende hat. Nebenbei führt er drei Figuren ein, die später wichtig werden: Franks Tochter Holly, den jungen Polizisten Stephen Moran und den Ermittler Kennedy, den alle nur „Scorcher“ nennen.

Band 4: Schattenstill

Eben dieser Kennedy erzählt Schattenstill, und er ist eine ganz andere Stimme als Frank: ein Ermittler, der auf Regeln und Methode setzt und von sich überzeugt ist. Der Fall führt ihn mit einem jungen Partner nach Broken Harbour, einen Küstenort unweit von Dublin, an dem eine Neubausiedlung entstehen sollte. Nach dem Platzen der irischen Immobilienblase stehen dort halb fertige, leere Häuser. In einem der wenigen bewohnten wird eine Familie ermordet aufgefunden, und in den Wänden finden sich Löcher, die niemand erklären kann.

„Schattenstill“ ist auch ein Roman über die Wirtschaftskrise, die Irland nach 2008 schwer getroffen hat. Der Band lässt sich ohne Vorkenntnisse lesen.

Band 5: Geheimer Ort

Tana French: Geheimer Ort

Mit Geheimer Ort wechselt der Schauplatz in ein Mädcheninternat. Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines Jungen auf dem Gelände von St. Kilda hängt ein Foto von ihm an einer Pinnwand, darauf der Satz, man wisse, wer ihn getötet habe. Holly Mackey, inzwischen Schülerin dort, bringt die Karte zu Stephen Moran, den sie aus „Sterbenskalt“ kennt. Er überzeugt die zuständige Ermittlerin Antoinette Conway, ihn mitzunehmen, und beide haben nur einen Tag, um acht Mädchen aus zwei verfeindeten Cliquen zu befragen.

Neben der Ermittlung erzählt der Roman vom Schuljahr vor der Tat aus Sicht der Mädchen. Das ist langsamer als ein gewöhnlicher Internatskrimi, dafür ein genaues Bild davon, wie Freundschaft, Loyalität und Gruppendruck unter Jugendlichen funktionieren. Wer Holly und Stephen schon kennt, hat einen Vorteil, nötig ist es nicht.

Band 6: Gefrorener Schrei

Der bislang letzte Band der Reihe, Gefrorener Schrei, macht etwas, das es vorher nicht gab: Er setzt ein Ermittlerduo fort. Antoinette Conway erzählt, Stephen Moran ist wieder ihr Partner. Conway wird von ihren Kollegen in der Mordkommission offen geschnitten, und als eine junge Frau tot in ihrer Wohnung liegt, scheint der Fall schnell klar – zu schnell. Dazu kommt, dass Conway das Opfer irgendwo schon einmal gesehen hat.

Ein großer Teil des Romans spielt in Vernehmungsräumen, und das Buch lebt von seinen Dialogen und vom Misstrauen innerhalb der eigenen Behörde. Nach „Geheimer Ort“ gelesen, entfaltet es mehr Wirkung, weil man die Dynamik zwischen den beiden schon kennt.

Der Einzelroman: Der dunkle Garten

Tana French: Der dunkle Garten

Der dunkle Garten gehört zu keiner Reihe und lässt sich jederzeit lesen. Diesmal erzählt kein Polizist, sondern ein Opfer: Toby Hennessy, Ende zwanzig, ein Mann, dem bisher fast alles leichtgefallen ist. Nach einem Einbruch in seine Wohnung, bei dem er schwer verletzt wird, sind sein Gedächtnis und sein Selbstbild beschädigt. Er zieht sich in das alte Haus seiner Familie zurück, um seinen todkranken Onkel Hugo zu pflegen – und dort, im Garten, kommt ein Fund ans Licht, der die Polizei ins Haus bringt.

Der Roman fragt, was jemand über sich selbst weiß, wenn er sich auf seine Erinnerung nicht mehr verlassen kann, und wie sehr ein bequemes Leben vom eigenen Glück abhängt. Wer die Dublin-Reihe mochte, weil sie mehr Charakterstudie als Krimi ist, wird hier gut bedient.

Die Cal-Hooper-Trilogie

Mit der Trilogie um Cal Hooper verlässt Tana French Dublin und die Polizei. Cal hat lange als Polizist in Chicago gearbeitet und sucht nach einer Scheidung Ruhe im ländlichen Westen Irlands, im fiktiven Dorf Ardnakelty. Die Bücher sind ruhiger erzählt als die Dublin-Romane, mit viel Landschaft und einem genauen Blick auf eine Dorfgemeinschaft, in der jeder alles weiß und wenig davon ausspricht.

Anders als bei der Dublin-Reihe gilt hier: Lesen Sie die Bände unbedingt der Reihe nach. Die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln sich von Buch zu Buch, und die späteren Bände setzen voraus, was vorher geschehen ist.

Band 1: Der Sucher

Tana French: Der Sucher

In Der Sucher renoviert Cal ein heruntergekommenes Haus und gewöhnt sich an das Dorfleben, als er merkt, dass ihn jemand beobachtet. Es ist Trey Reddy, ein verschlossenes Kind aus einer Familie mit schlechtem Ruf. Trey will, dass Cal herausfindet, was mit ihrem älteren Bruder geschehen ist, der verschwunden ist. Cal lässt sich darauf ein und merkt bald, dass manche Leute in Ardnakelty kein Interesse an Antworten haben. Gleichzeitig sterben auf den umliegenden Höfen auf merkwürdige Weise Tiere.

Der Roman braucht keine Vorkenntnisse und ist auch für Leser geeignet, die mit klassischen Ermittlerkrimis wenig anfangen können.

Band 2: Feuerjagd

Feuerjagd spielt in einem ungewöhnlich heißen, trockenen Sommer, der die Bauern nervös macht. Dann kehrt Treys Vater nach Ardnakelty zurück, der die Familie vor Jahren verlassen hat, und er hat einen Plan, der Geld verspricht und das halbe Dorf in Versuchung führt. Cal, der für Trey inzwischen so etwas wie ein Vater geworden ist, will sie schützen. Trey aber will keinen Schutz, sondern Rache für das, was ihrer Familie angetan wurde. Ohne „Der Sucher“ bleibt vieles davon unverständlich.

Band 3: Wie ein Fluss in der Nacht

Tana French: Wie ein Fluss in der Nacht

Den Abschluss bildet Wie ein Fluss in der Nacht. Rachel Holohan, eine junge Frau aus dem Dorf, die sich mit dem Sohn des größten Grundbesitzers verloben wollte, wird tot im Fluss gefunden. Alles spricht für einen Suizid, doch alte Feindschaften zwischen den Familien brechen auf. Cal steht zwischen der Loyalität zu Freunden im Ort und dem Wunsch, die Wahrheit herauszufinden, und auch seine Verlobte Lena und Trey geraten in den Konflikt. Der Roman setzt beide Vorgänger voraus und führt die Linien der Trilogie zusammen.

Wo sollten Sie mit Tana French anfangen?

Für die meisten Leser ist die Veröffentlichungsreihenfolge der beste Weg: Mit „Grabesgrün“ beginnen und die Dublin-Reihe durchlesen, danach den Einzelroman und zum Schluss die Trilogie. So erleben Sie, wie die Erzähler auseinander hervorgehen, und haben bei „Totengleich“ das nötige Vorwissen.

Es gibt aber gute Gründe, anders vorzugehen:

  • Sie mögen keine offenen Enden? Dann beginnen Sie mit „Sterbenskalt“. Der Band ist weitgehend eigenständig, und „Grabesgrün“ und „Totengleich“ können Sie später nachholen – nur bitte in dieser Reihenfolge.
  • Sie möchten es lieber ruhiger angehen? „Der Sucher“ ist ein zugänglicher, atmosphärischer Einstieg und braucht keinerlei Kenntnis der Dublin-Bücher. Bleiben Sie danach in der Trilogie bei der Reihenfolge.
  • Sie wollen nur ein einzelnes Buch lesen? „Der dunkle Garten“ steht ganz für sich, ebenso lassen sich „Schattenstill“ und „Geheimer Ort“ ohne Vorwissen lesen.
  • Eine feste Regel gibt es in der Dublin-Reihe nur einmal: „Totengleich“ nach „Grabesgrün“ lesen, nie davor.

Gleich, wo Sie einsteigen: Tana French schreibt Kriminalromane, in denen die Frage nach dem Täter oft weniger wichtig ist als die nach den Menschen, die ermitteln. Wer sich darauf einlässt, findet in diesen zehn Büchern einige der eindringlichsten Krimis der letzten Jahrzehnte.

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