Rebecca Gablé gehört seit den späten 1990er-Jahren zu den erfolgreichsten Autorinnen historischer Romane im deutschsprachigen Raum. Wer zum ersten Mal zu ihren Büchern greift, steht vor einem Regal voller dicker Bände, die alle nach Mittelalter und Königshöfen klingen, und fragt sich, wo der Anfang ist. Die Antwort ist entspannter, als die Zahl der Bücher vermuten lässt: Gablés große Romane verteilen sich auf drei voneinander unabhängige Reihen und einen Einzelroman. Zwischen den Reihen gibt es keine vorgeschriebene Reihenfolge. Und selbst innerhalb der Reihen erzählt jeder Band eine eigene, abgeschlossene Geschichte.
Trotzdem lohnt sich ein Plan, vor allem bei der Waringham-Saga. Dort hat Gablé zwei Vorgeschichten erst nachträglich veröffentlicht, sodass Erscheinungs- und Handlungsreihenfolge auseinanderfallen. Im Folgenden finden Sie alle Titel im Überblick und dazu eine Empfehlung, wie Sie sie am besten lesen.
Alle Romane von Rebecca Gablé auf einen Blick
Die Jahreszahlen nennen die Erstausgabe, die Seitenzahlen beziehen sich auf die hier verlinkten Ausgaben.
| Reihe | Titel | Erschienen | Handlung ab | Seiten |
|---|---|---|---|---|
| Waringham 1 | Das Lächeln der Fortuna | 1997 | 1360 | 1196 |
| Waringham 2 | Die Hüter der Rose | 2005 | 1413 | 1113 |
| Waringham 3 | Das Spiel der Könige | 2007 | 1455 | 1196 |
| Waringham 4 | Der dunkle Thron | 2011 | 1529 | 956 |
| Waringham 5 | Der Palast der Meere | 2015 | 1560 | 956 |
| Waringham 6 | Teufelskrone | 2019 | 1193 | 925 |
| Waringham 7 | Drachenbanner | 2022 | 1238 | 923 |
| Einzelroman | Der König der purpurnen Stadt | 2002 | 1330 | 960 |
| Helmsby 1 | Das zweite Königreich | 2000 | 1064 | 911 |
| Helmsby 2 | Hiobs Brüder | 2009 | 1147 | 907 |
| Helmsby 3 | Rabenthron | 2025 | 1013 | 892 |
| Otto 1 | Das Haupt der Welt | 2013 | 929 | 860 |
| Otto 2 | Die fremde Königin | 2017 | 951 | 762 |
Unsere Kurzempfehlung: Beginnen Sie mit „Das Lächeln der Fortuna“ und lesen Sie jede Reihe in der Reihenfolge, in der die Bände erschienen sind. Welche Reihe Sie zuerst lesen, ist Geschmackssache.
Die Waringham-Saga: sieben Generationen einer Adelsfamilie
Das Herzstück von Gablés Werk ist die Geschichte der fiktiven Familie Waringham, deren Mitglieder über mehr als drei Jahrhunderte englischer Geschichte immer wieder in die Nähe der Krone geraten. Jeder Band stellt eine andere Generation in den Mittelpunkt, die Romane lassen sich deshalb auch einzeln lesen. Wer die Reihe von vorn beginnt, hat aber mehr davon: Familiengeschichten, Konflikte und Schauplätze bekommen über die Bände hinweg ein Gedächtnis.
Erscheinungsreihenfolge oder Chronologie?
Für Einsteiger empfehlen wir klar die Erscheinungsreihenfolge, also mit „Das Lächeln der Fortuna“ zu beginnen. Mit diesem Roman hat Gablé die Saga 1997 eröffnet, und er führt am besten in Familie und Schauplatz ein. „Teufelskrone“ und „Drachenbanner“ sind dagegen Vorgeschichten, die zwar Jahrhunderte früher spielen, aber erst geschrieben wurden, als die Reihe längst etabliert war. Sie entfalten ihren Reiz besonders dann, wenn man die späteren Waringhams bereits kennt.
Wer die Saga zum zweiten Mal liest oder Geschichte gern in der richtigen Abfolge erlebt, kann chronologisch vorgehen:
- Teufelskrone (ab 1193)
- Drachenbanner (ab 1238)
- optional: Der König der purpurnen Stadt (ab 1330, kein Waringham-Band)
- Das Lächeln der Fortuna (ab 1360)
- Die Hüter der Rose (ab 1413)
- Das Spiel der Könige (ab 1455)
- Der dunkle Thron (ab 1529)
- Der Palast der Meere (ab 1560)
Band 1: Das Lächeln der Fortuna

Der Auftakt erzählt die Geschichte von Robin of Waringham und umspannt die Jahre von 1360 bis 1399, also das späte 14. Jahrhundert mit dem Hundertjährigen Krieg und den Machtkämpfen am englischen Hof. Mit fast 1.200 Seiten ist es zugleich einer der umfangreichsten Bände. Wer hier Gefallen an Gablés Mischung aus persönlichem Schicksal und großer Politik findet, wird mit dem Rest des Werks glücklich.
Band 2 und 3: Lancaster gegen York
Die Hüter der Rose springt ins Jahr 1413 und zur nächsten Generation. Der junge John of Waringham entzieht sich dem geistlichen Leben, das sein Vater für ihn vorgesehen hat, und landet am Hof von König Harry, also Heinrich V. Nach dessen frühem Tod steht England mit einem Säugling als Thronfolger da, und die Krise des Hauses Lancaster nimmt ihren Lauf.
Das Spiel der Könige führt mitten in die Rosenkriege. Ab 1455 ringen Lancaster und York um die Krone, und Julian of Waringham, der durch den Krieg sehr jung zum Earl wird, muss sich zwischen Loyalität und eigenen Interessen bewegen. Die Bände zwei und drei bilden thematisch eine Einheit, weil sie den Aufstieg und Fall des Hauses Lancaster aus der Sicht einer ihm verbundenen Familie zeigen.
Band 4 und 5: die Tudorzeit

Mit Der dunkle Thron erreicht die Saga das 16. Jahrhundert. Nick of Waringham wird 1529 als Vierzehnjähriger in den Konflikt um die Scheidung Henrys VIII. hineingezogen und verliert dabei seinen Vater. Im Hintergrund stehen die religiösen Spannungen der Reformationszeit, denn der Vater gerät in den Verdacht, Lutheraner zu sein.
Der Palast der Meere ist chronologisch der späteste Waringham-Roman. Er spielt ab 1560 unter Elizabeth I. und folgt zwei Geschwistern: Eleanor arbeitet als Spionin für die Krone, ihr jüngerer Bruder Isaac gerät auf See in die Welt der Freibeuter und des Sklavenhandels. Damit weitet sich die Saga erstmals über England hinaus bis in die Karibik.
Band 6 und 7: die Vorgeschichten

Teufelskrone kehrt ins späte 12. Jahrhundert zurück, in die Zeit des Streits zwischen Richard Löwenherz und seinem Bruder John, der später als John Ohneland König wird. Yvain of Waringham steht dabei auf Johns Seite, und der Roman zeichnet das Bild eines Herrschers, der als einer der unbeliebtesten Könige Englands gilt, aus nächster Nähe.
Drachenbanner schließt zeitlich an und beginnt 1238. Ungewöhnlich für die Reihe ist die doppelte Perspektive: Neben Adela of Waringham steht mit Bedric ein Leibeigener im Mittelpunkt, der vor der Willkür auf dem Gut flieht und in London auf den Reformer Simon de Montfort trifft. Der Roman schaut damit stärker als andere Bände auf jene, die unter der Herrschaft des Adels leben.
Der König der purpurnen Stadt: ein Einzelroman mit Nähe zur Saga

Der König der purpurnen Stadt wird oft im selben Atemzug mit den Waringham-Romanen genannt, gehört aber nicht zur Saga. Waringham-Figuren kommen darin nicht vor. Der Roman spielt ab 1330 in London unter Edward III., also kurz vor „Das Lächeln der Fortuna“, und erzählt vom jungen Tuchhändler Jonah Durham, der durch eine Begegnung mit dem Königspaar in der Gilde aufsteigt. Statt Schlachtfeldern stehen hier Handel, Zünfte und das Bürgertum der Stadt im Zentrum.
Sie können das Buch jederzeit lesen, ohne etwas zu verpassen. Wer chronologisch vorgeht, schiebt es vor „Das Lächeln der Fortuna“ ein, denn beide Romane teilen dieselbe Epoche.
Die Helmsby-Reihe: England zwischen Wikingern und Normannen
Die zweite England-Reihe führt weiter zurück ins Mittelalter, in die Zeit, in der das angelsächsische England zerbricht und ein neues entsteht. Im Mittelpunkt stehen jeweils Angehörige der Familie Helmsby. Die Bände sind voneinander unabhängig; die hier verlinkten Ausgaben sind alle 2025 erschienen.
Das zweite Königreich

Das zweite Königreich ist der empfohlene Einstieg. Cædmon of Helmsby, nach einer Verletzung in seiner Kindheit körperlich beeinträchtigt, wächst in der Normandie auf und kehrt mit dem Heer Wilhelms des Eroberers nach England zurück. Nach Hastings wird er zum Vermittler zwischen Siegern und Besiegten. Der Roman eignet sich gut für alle, die die Normannische Eroberung einmal aus der Perspektive eines Mannes erleben wollen, der beiden Seiten angehört.
Hiobs Brüder
Hiobs Brüder spielt 1147, Generationen später, in der Zeit des Bürgerkriegs, den die englische Geschichtsschreibung „die Anarchie“ nennt. Ausgangspunkt ist eine Gruppe von Ausgestoßenen, die eine Sturmflut aus einer Inselfestung befreit, darunter ein Mann ohne Gedächtnis. Der Roman ist eher Abenteuer- und Reisegeschichte als Hofroman und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.
Rabenthron
Rabenthron ist 2025 als jüngster Roman der Reihe erschienen, spielt aber am frühesten. 1013 bringt Ælfric of Helmsby einen dänischen Gefangenen nach London, mit dem ihn inzwischen eine Freundschaft verbindet, und gerät in den Kreis um Königin Emma, während das England König Ethelreds unter den Wikingerangriffen zusammenbricht. Auch hier gilt: Lesen Sie den Roman am besten als Dritten. Wer die Reihe chronologisch erleben will, beginnt mit „Rabenthron“, dann folgen „Das zweite Königreich“ und „Hiobs Brüder“.
Otto der Große: Gablés Ausflug ins ostfränkische Reich
Die dritte Reihe verlässt England. Sie spielt im 10. Jahrhundert im Reich der Ottonen und erzählt vom Aufstieg Ottos I. zur Kaiserwürde. Beide Romane haben nichts mit den England-Reihen zu tun und eignen sich daher auch als Einstieg in Gablés Werk, vor allem für Leser, die sich für deutsche Geschichte interessieren.
Das Haupt der Welt

Das Haupt der Welt beginnt 929 mit der Eroberung Brandenburgs durch das Heer Heinrichs I. Der slawische Fürstensohn Tugomir gerät in Gefangenschaft, wird nach Magdeburg gebracht und macht sich als Heiler einen Namen, bis er Otto das Leben rettet. Der Roman lebt von dieser Zwischenstellung: Tugomir ist Geisel und Vertrauter zugleich und blickt von außen auf das entstehende Reich.
Die fremde Königin
Die fremde Königin setzt die Reihe ab 951 fort. Der Panzerreiter Gaidemar soll Adelheid, die spätere Frau Ottos, aus ihrer Gefangenschaft in Garda befreien. Der Roman reicht bis zur Schlacht auf dem Lechfeld und zur Kaiserkrönung in Rom. Lesen Sie ihn nach „Das Haupt der Welt“, denn hier stimmen Erscheinungs- und Handlungsreihenfolge überein.
Was sonst noch von Rebecca Gablé erschienen ist
Neben den hier vorgestellten Romanen hat Gablé in den 1990er-Jahren einige Kriminalromane veröffentlicht, darunter „Jagdfieber“, „Die Farben des Chamäleons“, „Das letzte Allegretto“ und „Das Floriansprinzip“. Hinzu kommen der Einzelroman „Die Siedler von Catan“ von 2003 und das Sachbuch „Von Ratlosen und Löwenherzen“ über das englische Mittelalter. Für die Lesereihenfolge der historischen Reihen spielen diese Bücher keine Rolle.
Fazit: So steigen Sie bei Rebecca Gablé ein
Der klassische Weg führt über „Das Lächeln der Fortuna“ und dann der Reihe nach durch die Waringham-Saga bis „Drachenbanner“. „Der König der purpurnen Stadt“ passt jederzeit dazwischen. Danach – oder auch vorher – nehmen Sie sich die Helmsby-Reihe vor, beginnend mit „Das zweite Königreich“, und die beiden Otto-Romane. Wer Gablé bereits kennt und die Waringhams noch einmal lesen möchte, sollte die chronologische Reihenfolge ausprobieren: Mit „Teufelskrone“ am Anfang liest sich die Saga wie eine durchgehende Familienchronik vom Hochmittelalter bis ins elisabethanische Zeitalter.
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