Nele Neuhaus ist vor allem eines: die Autorin der Taunus-Krimis um Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff. Zwölf Fälle sind seit 2006 erschienen, der jüngste 2026. Daneben hat sie eine dreibändige Romanreihe um die junge Amerikanerin Sheridan Grant geschrieben und mit „Unter Haien“ einen Thriller aus der New Yorker Finanzwelt, ihr Debüt. Wer mit Nele Neuhaus anfangen will, fragt sich deshalb zweierlei: In welcher Reihenfolge lese ich die Krimis? Und wie passen die anderen Bücher dazu?
Die kurze Antwort: Die Krimis lesen Sie am besten in der Folge der Bandnummern, die Sheridan-Grant-Bände zwingend von 1 bis 3, und „Unter Haien“ wann immer Sie mögen. Die längere Antwort steht hier.
Die Taunus-Krimis: Was Sie vor dem Start wissen sollten
Die Reihenfolge ist bei Bodenstein und Kirchhoff eindeutig. Die Bandnummern entsprechen der Erscheinungsfolge, und eine davon abweichende Chronologie der Handlung gibt es nicht. Ermittelt wird beim K11 in Hofheim am Taunus, die Fälle führen in Dörfer und Kleinstädte der Region, gelegentlich auch nach Frankfurt.
Jeder Fall ist in sich abgeschlossen. Sie können also mit einem beliebigen Band einsteigen, und viele Leser haben genau das getan – meist mit „Schneewittchen muss sterben“, dem vierten Band, der die Reihe 2010 bekannt gemacht hat. Trotzdem spricht einiges dafür, vorn zu beginnen. Denn neben den Fällen erzählt Neuhaus auch vom Leben ihrer Ermittler: Bodensteins Ehe gerät in eine Krise und zerbricht, Pias Beziehung zu Christoph Sander entwickelt sich über mehrere Bände, bis die beiden zu Beginn von Band 7 heiraten. Ab da heißt die Kommissarin Pia Sander. Wer quer einsteigt, versteht die Fälle trotzdem, verpasst aber diese zweite Ebene.
Zur Entstehung: Die ersten beiden Bände brachte Nele Neuhaus 2006 und 2007 im Selbstverlag heraus. Ab 2009 erschien die Reihe bei Ullstein. Die hier verlinkten Ausgaben von Band 1 und 2 sind die ungekürzten Originalfassungen, die Ullstein 2019 und 2020 mit einem Nachwort der Autorin neu aufgelegt hat. Das ZDF hat die Reihe unter dem Titel „Der Taunuskrimi“ verfilmt.
Alle Bodenstein-Kirchhoff-Krimis in der Übersicht
Die Jahreszahlen nennen jeweils die Erstausgabe, nicht das Erscheinungsjahr der verlinkten Ausgabe.
| Nr. | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| 1 | Eine unbeliebte Frau | 2006 |
| 2 | Mordsfreunde | 2007 |
| 3 | Tiefe Wunden | 2009 |
| 4 | Schneewittchen muss sterben | 2010 |
| 5 | Wer Wind sät | 2011 |
| 6 | Böser Wolf | 2012 |
| 7 | Die Lebenden und die Toten | 2014 |
| 8 | Im Wald | 2016 |
| 9 | Muttertag | 2018 |
| 10 | In ewiger Freundschaft | 2021 |
| 11 | Monster | 2023 |
| 12 | Alles wird Asche | 2026 |
Die ersten Fälle: Band 1 bis 3

Der Auftakt Eine unbeliebte Frau beginnt mit gleich zwei Toten. Ein Frankfurter Oberstaatsanwalt stirbt durch einen Schuss aus seiner eigenen Jagdwaffe, und unterhalb eines Aussichtsturms im Taunus liegt eine junge Frau, deren Verletzungen nicht zu einem Sturz passen wollen. Bodenstein und Pia, die gerade neu im Team ist, halten das eine für Selbstmord, das andere für Mord – und finden im Umfeld beider mehr Verdächtige, als ihnen lieb ist. Der Band stellt das Duo und die Region vor und ist der natürliche Startpunkt.
In Mordsfreunde wird im Opel-Zoo eine menschliche Hand gefunden, ausgerechnet im Gehege der Elefanten. Der Tote ist ein Lehrer, der sich lautstark für die Umwelt eingesetzt hat: Bei seinen Schülern war er beliebt, bei manchen Bürgern verhasst. Für die Figurenkonstellation der Reihe ist dieser zweite Band wichtig, weil er Pia mehr Raum gibt als der erste.
Tiefe Wunden war 2009 der erste Band bei Ullstein und markiert einen Sprung in Tiefe und Ton. Ein 92-jähriger Holocaust-Überlebender wird in seinem Haus im Taunus erschossen, und bei der Obduktion stößt der Arzt auf eine Tätowierung, wie sie Angehörige der SS trugen. Zwei weitere Morde folgen, und die Spur reicht zurück bis nach Ostpreußen im Januar 1945. Hier zeigt sich zum ersten Mal deutlich, was viele spätere Bände prägt: Verbrechen der Gegenwart, deren Ursachen weit zurückliegen.
Der Durchbruch: „Schneewittchen muss sterben“

Mit Schneewittchen muss sterben wurde Nele Neuhaus 2010 einem großen Publikum bekannt. Ein Mann kehrt nach Altenhain zurück, ein Dorf im Taunus, in dem vor Jahren zwei Mädchen verschwunden sind. Er war damals in einem Indizienprozess verurteilt worden. Als nun wieder ein Mädchen vermisst wird, schlägt die Stimmung im Ort in offene Feindseligkeit um. Der Roman lebt von der Enge des Dorfes, vom Schweigen der Nachbarn und von der Frage, ob die Justiz damals den Richtigen getroffen hat.
Wenn Sie nur ein Buch der Reihe probieren möchten, ist dieser Band eine gute Wahl. Wenn Sie ohnehin vorhaben, dranzubleiben, lohnt es sich, die ersten drei vorher zu lesen.
Gesellschaft unter Druck: Band 5 bis 7
In Wer Wind sät liegt ein Nachtwächter tagelang tot in einem Firmengebäude. Die Ermittlungen führen zu einer Bürgerinitiative gegen einen geplanten Windpark und zu einem Grundstück, das plötzlich ein Vermögen wert ist. Neuhaus nimmt hier einen Konflikt auf, wie er in vielen Gemeinden geführt wird, und macht daraus einen Krimi über Geld, Einfluss und Überzeugungen.

Böser Wolf gehört zu den härtesten Bänden der Reihe. An einem heißen Junitag wird bei Eddersheim die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main gezogen, und niemand scheint sie zu vermissen. Es geht um Missbrauch und um Netzwerke, die sich hinter bürgerlicher Fassade verbergen – und irgendwann wird der Fall für die Ermittler persönlich. Wer empfindlich auf das Thema reagiert, sollte das wissen.
Mit Die Lebenden und die Toten beginnt ein neuer Abschnitt im Privatleben der Kommissarin: Pia hat gerade geheiratet und will in die Flitterwochen, als bei Eschborn eine ältere Frau aus dem Hinterhalt erschossen wird. Kurz darauf trifft es eine zweite Frau, durch ihr Küchenfenster. Die Opfer hatten keine erkennbaren Feinde, der Täter scheint wahllos vorzugehen. Ein Krimi mit hohem Tempo, der hinter der Mordserie eine sehr menschliche Geschichte freilegt.
Bodensteins Vergangenheit und lange Schatten: Band 8 bis 10

Im Wald ist der persönlichste Fall für Bodenstein. Bei Ruppertshain brennt nachts ein Wohnwagen, darin eine Leiche. Bald darauf wird in einem Hospiz eine todkranke Frau ermordet, die Bodenstein seit seiner Kindheit kannte. Die Ermittlungen führen in den Sommer 1972, als sein bester Freund Artur spurlos verschwand. Für Leser, die Bodenstein über mehrere Bände begleitet haben, bekommt die Figur hier eine neue Tiefe.
Muttertag beginnt auf dem Gelände einer stillgelegten Fabrik: Der frühere Betreiber liegt tot in seinem Haus, und im Hundezwinger finden sich menschliche Knochen. Die identifizierten Opfer sind Frauen, die alle an einem Sonntag im Mai verschwanden – und der Mai steht kurz bevor. Ein Serienmörder-Krimi mit Bezügen zu Pflegekindern und einer der umfangreichsten Bände der Reihe.
Nach drei Jahren Pause erschien 2021 In ewiger Freundschaft. In Bad Soden ist eine Frau verschwunden, in ihrer Küche finden sich Blutspuren. Sie war Programmleiterin eines Frankfurter Literaturverlags, wurde nach Jahrzehnten entlassen und hat danach einen ihrer Autoren des Plagiats bezichtigt. Wer gern Krimis aus der Buchbranche liest, kommt hier auf seine Kosten.
Die neuesten Fälle: Band 11 und 12

Monster stieg auf Platz 1 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Nele Neuhaus hat sich dafür von realen Kriminalfällen anregen lassen. Ein 16-jähriges Mädchen wird erdrosselt aufgefunden, unter Verdacht gerät ein abgelehnter Asylbewerber, der untertaucht. Parallel stirbt auf einer Landstraße ein Mann mit Bisswunden, der früher bei einem illegalen Autorennen eine schwangere Frau getötet hatte. Der Roman kreist um Schuld, Strafe und die Frage, was geschieht, wenn Menschen das Recht in die eigene Hand nehmen.

Der aktuelle zwölfte Fall heißt Alles wird Asche und ist 2026 erschienen. Eine Frau verbrennt in ihrer Villa im Taunus, ein Bauunternehmer erstickt im Rohbau eines Frankfurter Hochhauses. Was wie zwei Unglücke aussieht, entpuppt sich als Teil einer geplanten Mordserie. Alle Spuren führen in das Umfeld eines tödlich verunglückten Tech-Milliardärs, der einen KI-Chatbot entwickelt hat – zu seiner Firma und zu seiner Familie. Damit ist die Reihe ganz in der Gegenwart angekommen.
Abseits der Krimis: die Sheridan-Grant-Trilogie
Wer Nele Neuhaus nur als Krimiautorin kennt, wird von dieser Trilogie überrascht. Erzählt wird von Sheridan Grant, die Anfang der 1990er-Jahre bei einer Adoptivfamilie in Nebraska aufwächst. Die ersten beiden Bände erschienen 2014 und 2015 unter dem Pseudonym Nele Löwenberg, der dritte 2020 unter ihrem eigenen Namen. Die hier verlinkten Ullstein-Taschenbücher tragen alle den Namen Nele Neuhaus.
Anders als die Krimis ist die Trilogie eine durchgehende Geschichte. Lesen Sie sie unbedingt in der richtigen Reihenfolge:
| Nr. | Titel | Jahr |
|---|---|---|
| 1 | Sommer der Wahrheit | 2014 |
| 2 | Straße nach Nirgendwo | 2015 |
| 3 | Zeiten des Sturms | 2020 |

In Sommer der Wahrheit lebt Sheridan auf einer Farm zwischen Maisfeldern, unter der strengen Hand ihrer Adoptivmutter. Halt geben ihr eine Tante und die Musik. Drei junge Männer werben um sie, und sie entdeckt die Tagebücher einer Frau, die vor langer Zeit verschwunden ist. Dann geschieht in einer Halloween-Nacht etwas, das alles verändert. Ein Coming-of-Age-Roman mit Familiengeheimnis, der einen Hauch Spannung aus Neuhaus’ Krimis mitbringt.
Straße nach Nirgendwo setzt unmittelbar an: Die 17-jährige Sheridan ist nach New York gegangen, um Sängerin zu werden. Eine Gewalttat ihres Bruders macht ihre Pläne zunichte, und sie flieht vor Presse und Vorwürfen quer durch die USA, während in Nebraska ein alter Familienfall vor Gericht kommt. Ohne Band 1 fehlt hier die Grundlage.
Den Abschluss bildet Zeiten des Sturms. Sheridan will neu anfangen und steht kurz vor der Hochzeit, doch Zweifel treiben sie zurück nach Nebraska, wo sich eine Chance auftut, ihren großen Traum zu verwirklichen. Ihre Vergangenheit holt sie dennoch ein. Der Band rundet die Geschichte ab und ist nur nach den ersten beiden sinnvoll.
Der besondere Tipp: „Unter Haien“

Bevor es Bodenstein und Kirchhoff gab, schrieb Nele Neuhaus einen Thriller über die Hochfinanz. Unter Haien erschien zuerst 2005 im Selbstverlag, verlinkt ist die Taschenbuchausgabe von Ullstein aus dem Jahr 2012. Die Handlung spielt 1998 in New York: Die Investmentbankerin Alex Sontheim hat sich ganz nach oben gearbeitet und beginnt eine Affäre mit einem steinreichen Geschäftsmann. Warnungen schlägt sie in den Wind, bis eine Entdeckung sie in Lebensgefahr bringt.
Der Roman hat mit keiner der beiden Reihen etwas zu tun und lässt sich jederzeit lesen. Interessant ist er für alle, die sehen möchten, wie die Autorin vor ihrem Durchbruch erzählt hat, und für Leser, die Wirtschaftsthriller mögen.
Ausblick: Kinder- und Jugendbücher
Auch für junge Leser hat Nele Neuhaus Bücher verfasst, darunter die beiden Pferdereihen „Elena – Ein Leben für Pferde“ und „Charlottes Traumpferd“. Sie richten sich an ein anderes Publikum als die Krimis und stehen ganz für sich.
Kurz zusammengefasst: So lesen Sie Nele Neuhaus
- Taunus-Krimis: am besten von Band 1 („Eine unbeliebte Frau“) bis Band 12 („Alles wird Asche“) in der Erscheinungsfolge. Jeder Fall ist abgeschlossen, das Privatleben der Ermittler entwickelt sich aber fort.
- Quereinstieg: „Schneewittchen muss sterben“ (Band 4) ist der bekannteste Band und funktioniert auch ohne Vorwissen.
- Sheridan Grant: unabhängig von den Krimis, aber zwingend in der Reihenfolge 1 bis 3.
- „Unter Haien“: eigenständiger Thriller, jederzeit lesbar.
- Aktueller Stand: „Alles wird Asche“ von 2026 ist der neueste Fall für Bodenstein und Pia Sander.
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