Wer Mutter wird, bekommt Kurse, Hebammentermine und ein ganzes Regal voller Literatur angeboten. Wer Vater wird, steht oft etwas daneben: Der Körper verändert sich nicht, die Vorsorgetermine gelten der Partnerin, und im Geburtsvorbereitungskurs gibt es vielleicht einen einzigen Abend, der sich ausdrücklich an Männer richtet. Dabei sind die Fragen nicht kleiner – wie hilft man bei der Geburt wirklich, wie teilt man sich später Arbeit und Kind, und was für ein Vater will man eigentlich sein?
Die zehn Bücher in dieser Auswahl beantworten diese Fragen auf sehr unterschiedliche Weise. Am Anfang stehen die Praxisratgeber, die durch Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr führen. Danach folgen zwei leichte Titel für Männer, die keinen dicken Ratgeber lesen wollen, ein Paarbuch über gerechte Aufteilung und schließlich drei Bücher über die Vaterrolle selbst – aus Sicht der Forschung, der Familientherapie und des eigenen Alltags. Den Schluss bildet ein literarisches Buch, das mit Ratschlägen gar nichts im Sinn hat.
Die Grundausstattung: Ratgeber für Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr
Das Nachschlagewerk für alle Phasen

Wenn es nur ein Buch sein soll, dann ist es Das Papa-Handbuch von Robert Richter und Eberhard Schäfer (GU, 240 Seiten). Der Titel gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten Väterratgebern im deutschsprachigen Raum; die hier empfohlene Ausgabe ist 2020 erschienen. Die beiden Autoren sind selbst Väter und beschäftigen sich beruflich mit Männer- und Väterthemen.
Das Buch folgt der zeitlichen Abfolge: zuerst die Schwangerschaft und die Frage, wie man die Partnerin in dieser Zeit sinnvoll unterstützt, dann die Geburt, dann das erste Jahr mit Baby. Für diese Phase gibt es Spiele und Anregungen, mit denen man früh eine enge Beziehung zum Kind aufbauen kann. Ein eigenes Thema ist die Paarbeziehung: Wie bleibt man ein Liebespaar, wenn man plötzlich Eltern ist? Gerade dieser Teil fehlt in vielen anderen Ratgebern. Das Handbuch eignet sich weniger zum Durchlesen am Stück als zum Nachschlagen, wenn eine neue Phase beginnt.
Geburtsvorbereitung ohne Hechelkurs

Vater werden. Dein Weg zum Kind von Nicola Schmidt und Klaus Althoff (GU, 2021, 240 Seiten) setzt dort an, wo viele Männer aussteigen: beim klassischen Geburtsvorbereitungskurs. Das Buch versteht sich als Ersatz für genau diesen Kurs – als Vorbereitung, die sich ausschließlich an den werdenden Vater richtet.
Im Unterschied zum „Papa-Handbuch“ geht es hier nicht nur darum, was passiert, sondern auch darum, wer man selbst in dieser Situation ist. Neben dem Wissen über Schwangerschaft und Geburt fordert das Buch zur Selbstreflexion auf: Welche Vorstellungen vom Vatersein bringt man mit, und woher stammen sie? Im Mittelpunkt steht die sichere Bindung zum Kind, die schon vor der Geburt beginnt. Wer eher persönlich als enzyklopädisch angesprochen werden möchte, ist hier besser aufgehoben.
Der Spezialist für den Kreißsaal

Vor keinem Moment haben werdende Väter so viel Respekt wie vor der Geburt selbst. Vater werden mit „Brian the Birth Guy“ von Brian W. Salmon und Kirsten Brunner (Kösel, 2021, 237 Seiten) konzentriert sich genau darauf. Salmon arbeitet als Geburtsbegleiter, als Doula, und damit in einem Beruf, den weltweit nur wenige Männer ausüben.
Aus dieser Erfahrung erklärt er, was vor, während und nach der Geburt geschieht und was der Partner konkret tun kann – statt nur hilflos danebenzustehen. Dazu gehört auch der Umgang mit den eigenen Erwartungen und Ängsten, und die Frage, wie gemeinsame Vorbereitung die Beziehung stärkt. Das Buch ist aus dem Englischen übersetzt, spricht die Leser direkt mit „du“ an und passt gut als Ergänzung zu einem der beiden Allround-Ratgeber.
Für Lesemuffel und als Geschenk
Der Schnellkurs von Vater zu Vater

Nicht jeder Mann möchte sich mit Fachbüchern auf die Vaterschaft vorbereiten. Für sie gibt es Papa to go – Schnellkurs für werdende Väter von Christian Busemann (Goldmann, 2010, 287 Seiten). Busemann schreibt als Vater für Väter, in kurzen Abschnitten und mit viel Humor, und begleitet durch Schwangerschaft, Geburt und die ersten Monate mit Baby.
Das erklärte Ziel ist, „Kinder, Kicker, Karriere“ gemeinsam mit der Partnerin in Einklang zu bringen. Das klingt nach Stammtisch, ist aber ernst gemeint: Busemann nimmt die Unsicherheit ernst, die viele Männer in dieser Zeit erleben, und bietet neben praktischen Hinweisen auch Ermutigung. Das Buch ist schon einige Jahre alt, was man bei Detailfragen etwa zu Elternzeit und Elterngeld beachten sollte; als lockerer Einstieg und Mitbringsel für den Freund, der gerade Vater wird, funktioniert es weiterhin.
Die Bedienungsanleitung fürs Baby

Baby – Betriebsanleitung von Louis und Joe Borgenicht (Mosaik, 2014, 245 Seiten) treibt die Idee des Gebrauchshandbuchs auf die Spitze. Das Neugeborene wird darin behandelt wie ein technisches Gerät, das leider ohne Anleitung geliefert wurde: Es gibt Kapitel zur Inbetriebnahme, zur Fehlersuche bei akustischen Signalen, zur Programmierung der Fütterung und zur Aktivierung des Schlafmodus – illustriert mit Schaubildern, wie man sie aus echten Handbüchern kennt.
Der Witz trägt, weil unter der Verpackung handfeste Informationen zum ersten Lebensjahr stecken, von der Pflege bis zur Sicherheit. Das Buch erreicht damit auch Männer, die sonst eher zur Montageanleitung als zum Ratgeber greifen. Als Geschenk zur Schwangerschaftsverkündung liegt man damit selten falsch.
Wie wollen wir es machen? Die Perspektive des Paares

Spätestens nach dem Mutterschutz stellt sich eine Frage, die viele Paare zu lange aufschieben: Wer macht was? Papa kann auch stillen von Stefanie Lohaus und Tobias Scholz (Goldmann, 2015, 220 Seiten) ist kein Ratgeber im engeren Sinn, sondern ein Erfahrungsbericht. Das Paar hat sich entschieden, Kinderbetreuung und Hausarbeit gleich zu verteilen und dabei beide nahezu Vollzeit zu arbeiten.
Das Buch verschweigt nicht, dass dieses Modell Konflikte auslöst – mit Verwandten, Bekannten und Arbeitgebern, die andere Erwartungen haben. Es erzählt aber auch davon, was diese Aufteilung dem Familienleben bringt. Der Wert für werdende Väter liegt darin, dass hier beide Partner zu Wort kommen. Wer das Buch gemeinsam vor der Geburt liest, hat eine gute Grundlage für ein Gespräch, das ohnehin geführt werden muss.
Was Väter ausmacht: Forschung, Haltung und Rolle
Die Wissenschaft hinter dem Engagement

Warum lohnt sich der ganze Aufwand? Diese Frage beantwortet Auf die Väter kommt es an von Lieselotte Ahnert (Ullstein, 2023, 284 Seiten). Die Entwicklungspsychologin stellt Ergebnisse aus ihrer eigenen Forschung und aus internationalen Studien zur Vater-Kind-Beziehung vor.
Ahnert untersucht, worin sich Väter im Umgang mit Kindern von Müttern unterscheiden und welche Folgen das hat. Ein Ergebnis: Väter beeinflussen deutlich, wie Kinder mit Stress umgehen und wie sich ihre Neugier entwickelt. Ihr Fazit ist ausgewogen – Väter sind nicht wichtiger als Mütter, aber ihr Beitrag ist eigenständig und wertvoll. Das Buch ist das wissenschaftlich fundierteste in dieser Auswahl und eine gute Ergänzung zu den Praxisratgebern, weil es erklärt, warum deren Tipps überhaupt sinnvoll sind.
Die innere Seite des Vaterwerdens

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul ist mit seinen Büchern über Familie und Erziehung auch hierzulande vielen Eltern ein Begriff. In Mann und Vater sein (Herder, 199 Seiten; hier die Ausgabe von 2022) geht es nicht um Windeln und Fläschchen, sondern um das, was im Mann selbst vorgeht, wenn er Vater wird: um widersprüchliche Gefühle, um die Veränderung durch die Beziehung zum Kind und um die Frage, wie er seine Rolle ausfüllen will.
Juul betont, dass Männer andere Fähigkeiten in die Beziehung zum Kind einbringen als Frauen und dass sie diese aktiv nutzen sollten. Davon profitieren seiner Ansicht nach nicht nur die Kinder, sondern auch die Mütter und die Väter selbst. Das Buch gilt längst als Standardwerk zur Vaterrolle und wird auch von Müttern gelesen.
Ein Plädoyer für neue Väter

Über Väter wird oft im Modus der Kritik gesprochen: zu wenig präsent, zu wenig engagiert, zu sehr in alten Rollenmustern. Vatersein. Warum wir mehr denn je neue Väter brauchen von Tillmann Prüfer (Kindler, 2022, 206 Seiten) dreht die Perspektive um und fragt, wie man es als Vater richtig machen kann.
Prüfer, selbst Vater von vier Töchtern, verbindet Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Szenen aus dem eigenen Familienleben. Dabei kommt er zu einem ermutigenden Befund: Kinder profitieren nachweislich von einer väterlichen Bezugsperson, und Väter können emotionale Nähe ebenso gut geben wie Mütter. Das Buch ist angenehm zu lesen und liefert den gesellschaftlichen Hintergrund zu dem, was die Ratgeber praktisch anleiten.
Zum Schluss: Ein Buch für die Wartezeit

Die ungewöhnlichste Empfehlung steht am Ende. Im Herbst von Karl Ove Knausgård (Luchterhand, 2017, 283 Seiten, aus dem Norwegischen) enthält keinen einzigen praktischen Hinweis. Der Autor schreibt Briefe und kurze Texte an seine Tochter, die noch nicht geboren ist. Er will ihr die Welt beschreiben, in die sie bald kommt – Alltägliches wie die Sonne, einen Dachs oder eine Thermoskanne, aber auch Einsamkeit.
Dabei zeigt sich, dass das Schreiben für das Kind auch den Schreibenden verändert: Wer einem Menschen die Welt erklären will, der sie noch nie gesehen hat, muss selbst wieder genau hinsehen. Das Buch ist der erste Band von Knausgårds Jahreszeiten-Quartett, lässt sich aber unabhängig lesen. Für die Monate vor der Geburt, in denen vieles vorbereitet ist und doch nichts zu tun bleibt als zu warten, ist es ein passender Begleiter.
Alle zehn Bücher auf einen Blick
| Titel | Autor/Autorin | Verlag, Jahr | Seiten | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Das Papa-Handbuch | Robert Richter, Eberhard Schäfer | GU, 2020 | 240 | Nachschlagen von der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag |
| Vater werden | Nicola Schmidt, Klaus Althoff | GU, 2021 | 240 | Geburtsvorbereitung mit Blick auf die eigene Rolle |
| Vater werden mit „Brian the Birth Guy“ | Brian W. Salmon, Kirsten Brunner | Kösel, 2021 | 237 | Gezielte Vorbereitung auf die Geburt |
| Papa to go | Christian Busemann | Goldmann, 2010 | 287 | Lockerer Einstieg, Geschenk |
| Baby – Betriebsanleitung | Louis Borgenicht, Joe Borgenicht | Mosaik, 2014 | 245 | Humorvolles Geschenk, erstes Lebensjahr |
| Papa kann auch stillen | Stefanie Lohaus, Tobias Scholz | Goldmann, 2015 | 220 | Paare, die Arbeit und Kind fair teilen wollen |
| Auf die Väter kommt es an | Lieselotte Ahnert | Ullstein, 2023 | 284 | Wissenschaftlicher Hintergrund |
| Mann und Vater sein | Jesper Juul | Herder, 2022 | 199 | Nachdenken über die Vaterrolle |
| Vatersein | Tillmann Prüfer | Kindler, 2022 | 206 | Gesellschaftlicher Blick, Motivation |
| Im Herbst | Karl Ove Knausgård | Luchterhand, 2017 | 283 | Literarische Lektüre für die Wartezeit |
Welches Buch passt zu wem?
Wer sich gründlich vorbereiten will, kombiniert am besten einen der beiden Allround-Ratgeber – das „Papa-Handbuch“ zum Nachschlagen oder „Vater werden“ für eine persönlichere Vorbereitung – mit Brian Salmons Buch für die Geburt. Wer wenig Zeit hat oder ein Geschenk sucht, greift zu Busemann oder zur „Betriebsanleitung“. Paare, die schon vor der Geburt über die Aufteilung reden wollen, finden bei Lohaus und Scholz einen guten Anstoß. Und wer wissen möchte, was Vaterschaft jenseits der Handgriffe bedeutet, liest Ahnert, Juul oder Prüfer – oder in den stillen Stunden vor der Geburt Knausgård.
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