Irgendwann ist der letzte Band von Gregs Tagebuch ausgelesen, und dann kommt die Frage, die viele Eltern kennen: „Gibt es noch was wie Greg?“ Die gute Nachricht lautet: ja, sogar reichlich. Jeff Kinneys Erfolg hat ein ganzes Genre groß gemacht – den Comic-Roman mit Ich-Erzähler, kurzen Einträgen, vielen Zeichnungen und einem Helden, der sich selbst deutlich großartiger findet, als er ist.
Was Kinder an Greg fesselt, ist allerdings nicht nur die Form. Es ist die Mischung aus Schulalltag, Familienchaos und Peinlichkeit, erzählt von jemandem, der nie ganz merkt, wie komisch er wirkt. Die folgenden zehn Bücher treffen diese Mischung unterschiedlich genau. Einige sind nahe Verwandte, andere wechseln das Thema, eines führt behutsam zu mehr Text, und am Ende steht der Klassiker, bei dem alles angefangen hat. Bei Reihen ist jeweils der erste Band genannt; wer Gefallen findet, kann also weiterlesen.
Die nächsten Verwandten: Comic-Tagebücher aus der Schule
Liz Pichon: Tom Gates

Wer genau das sucht, was Greg ausmacht, landet zuerst bei Tom Gates. Tom stiftet Unruhe, wo er auftaucht, und die Leidtragenden sind vor allem seine Lehrer und seine ältere Schwester Delia. Böswillig ist er dabei nie – seine Pläne entwickeln sich nur regelmäßig in eine andere Richtung als gedacht.
Die britische Autorin Liz Pichon treibt die Bildseite noch weiter als Kinney: Handschrift, Kritzeleien und Zeichnungen sind hier über jede Seite verteilt, sodass das Buch wirklich wie ein vollgemaltes Schulheft wirkt. Der Humor ist etwas gutmütiger als bei Greg, der gerne andere für seine Missgeschicke büßen lässt. Die verlinkte Ausgabe von Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein (Schneiderbuch) enthält laut Verlag zusätzlich eine rund hundertseitige, zuvor unveröffentlichte Geschichte, was die 331 Seiten erklärt.
Für wen: für alle Greg-Fans, die möglichst nahtlos weiterlesen möchten. Tom Gates ist die naheliegendste Empfehlung dieser Liste.
Rachel Renée Russell: Dork Diaries
Nikki Maxwell ist neu an ihrer Schule und hofft inständig, dass dort niemand von ihrer peinlichen Familie erfährt – etwa von dem Vater, der mit einer riesigen Kakerlake auf dem Wagendach herumfährt. Statt des ersehnten Smartphones bekommt sie von ihrer Mutter zum Schulstart ausgerechnet ein Tagebuch. Das findet sie zunächst lächerlich und füllt es dann doch.
Nikkis (nicht ganz so) fabelhafte Welt ergänzt Greg um das, was ihm fehlt: die Perspektive eines Mädchens. Die Form ist ähnlich – illustriertes Tagebuch, kurze Episoden –, die Themen sind etwas älter. Es geht um Beliebtheit, Cliquen und die Frage, wer man sein möchte, wenn alle zuschauen.
Für wen: für Leserinnen und Leser ab etwa zehn Jahren, die Greg mochten, aber nicht noch einmal eine Jungengeschichte suchen.
Alice Pantermüller: Mein Lotta-Leben

Die deutsche Antwort auf Greg kommt von Alice Pantermüller. Lotta hält sich für ein ganz normales Mädchen, doch seit sie von ihrer Mutter eine indische Blockflöte geschenkt bekommen hat, passieren ihr seltsame Dinge: An der Tafel tauchen peinliche Sätze auf, das Lieblingsessen schmeckt plötzlich nach Rosenkohl. Dabei hat sie eigentlich ganz andere Sorgen – sie möchte endlich ein eigenes Haustier.
Alles voller Kaninchen ist mit 184 Seiten kürzer als die meisten Titel dieser Liste und spielt ganz im vertrauten Umfeld von Schule, Familie und Freundschaft. Ein Hauch von Magie sorgt für zusätzlichen Schwung, ohne den Alltag zu verdrängen.
Für wen: für jüngere Leserinnen und Leser ab etwa acht oder neun Jahren und für alle, die eine Reihe mit deutschem Schulalltag suchen. Der erste Band erschien 2012, inzwischen gibt es zahlreiche Fortsetzungen.
Aus Gregs eigener Welt: Ruperts Tagebuch

Wer sich von Greg noch nicht trennen mag, dem bietet Jeff Kinney selbst einen Ausweg. In Ruperts Tagebuch – zu nett für diese Welt! soll Gregs bester Freund eigentlich dessen „Biografie“ schreiben, denn Greg rechnet fest damit, eines Tages berühmt zu werden. Rupert aber verliert den Auftrag immer wieder aus den Augen und erzählt lieber von sich.
Genau darin liegt der Reiz: Dieselbe Welt, dieselben Figuren, aber ein Erzähler, der in allem das Gegenteil von Greg ist – arglos, freundlich, ohne jedes Kalkül. Viele Szenen, die man aus Gregs Sicht kennt, bekommen dadurch einen neuen Dreh, und Gregs Eitelkeit wirkt durch Ruperts naiven Blick noch komischer.
Für wen: für alle, die jeden Greg-Band kennen und einen sanften Übergang suchen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab zehn Jahren.
Neues Thema, gleicher Ton
Die nächsten vier Bücher übernehmen den Greg-Rhythmus aus Text und Bild, erzählen aber von etwas anderem: von Regelbrüchen, Detektivarbeit, Fußball und dem Traum von der Schulkarriere.
James Patterson: School Survival
Rafe kann mit der Schule nichts anfangen. Um die fünfte Klasse zu überstehen, macht er sich ein Spiel daraus, sämtliche Regeln zu brechen, und vergibt sich dafür Punkte – für Kaugummi im Unterricht ein paar, für einen ausgelösten Feueralarm sehr viele. Ob die Lehrer da lange zusehen, ist eine andere Frage.
Die schlimmsten Jahre meines Lebens hat James Patterson zusammen mit Chris Tebbetts geschrieben, die Illustrationen stammen von Laura Park. Das Buch ist temporeich und oft sehr witzig, hat aber einen ernsteren Unterton als die meisten anderen Titel hier. Hinter Rafes Punktejagd steckt mehr, als er anfangs zugibt, und das Buch nimmt sich Zeit dafür.
Für wen: für Kinder, denen Greg manchmal zu harmlos war, und für Leser, die neben dem Lachen auch etwas mitnehmen möchten.
Stephan Pastis: Timmy Flop

Timmy Flop ist nach eigener Auskunft Gründer, Geschäftsführer und Präsident seiner eigenen Detektei. Sein Partner ist ein Eisbär namens Super, nicht eben der geschickteste Mitarbeiter. Die Fälle, die die beiden lösen wollen, hat Timmy nicht selten selbst verursacht – etwa das Verschwinden seines geliebten „Floppomobils“, hinter dem er natürlich seine Erzrivalin Corrina Corrina vermutet.
Timmy Flop – der allerbeste verdeckte Ermittler der Welt stammt von Stephan Pastis, dem Zeichner des Comicstrips „Pearls Before Swine“, und das merkt man: Der Humor ist trockener und absurder als bei Kinney. Mit Greg verbindet Timmy vor allem die grenzenlose Selbstüberschätzung – nur dass er sie in eine Detektivparodie trägt.
Für wen: für Kinder, die Wortwitz und schräge Situationen mögen, und für Krimifans, die noch nicht zu echten Kinderkrimis greifen möchten.
Ocke Bandixen: Tims geheimes Fußball-Tagebuch
In Tims Leben dreht sich alles um Fußball – und er ist nicht nur Fan, sondern Trainer seines Teams, des SC Hegenwald. Der nächste Gegner hat einen gefürchteten Stürmer, den „Pudding-Bomber“, und Tim braucht dringend eine Taktik gegen ihn. Seine Tricks und Überlegungen hält er in seinem geheimen Tagebuch fest.
Elf Freunde und ich! ist mit 173 Seiten kurz, locker erzählt und von Dominik Rupp illustriert. Das Buch ist in Loewes „Wow!“-Programm erschienen, das sich ausdrücklich an Kinder richtet, die sonst eher ungern lesen.
Für wen: für fußballbegeisterte Kinder ab etwa neun Jahren, die über ihr Lieblingsthema zum Lesen finden – und für Greg-Fans, die lieber auf dem Platz stehen als im Klassenzimmer sitzen.
Brian Gordon: Dante N. Ferno

Die jüngste Reihe dieser Liste ist 2026 bei Fischer Sauerländer gestartet. Dante hat vor versammelter Schule eine Blamage erlebt, bei der eine Unterhose eine unrühmliche Rolle spielte. Dass er deshalb ein Verlierer sein soll, sieht er allerdings überhaupt nicht ein. Stattdessen schmiedet er einen Plan, mit dem er die Schule erobern und zur Legende werden will.
Schon der Ton von Dante N. Ferno – Höllisch peinlich! ist erkennbar Greg-verwandt: ein Ich-Erzähler mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und ein Plan, der erkennbar schiefgehen wird. Der Name des Helden und der Titel spielen mit der Hölle, und laut Verlag warten explodierende Toiletten und fiese Einhörner – der Alltag wird hier also deutlich fantastischer überzeichnet als bei Kinney. Der Verlag nennt das Buch einen Comic-Roman für Kinder ab neun Jahren, mit vielen Bildern und einfachen Texten.
Für wen: für alle, die etwas ganz Neues suchen, das noch nicht jeder in der Klasse gelesen hat.
Der nächste Schritt – und der Ursprung
Luc Blanvillain: Tagebuch eines Möchtegern-Versagers
Nils ist zwölf und hochbegabt, doch davon hat er vor allem Nachteile: Statt fernzusehen oder Fußball zu spielen, soll er ständig lernen. Also beschließt er, ab sofort schlechte Noten zu schreiben. Der Plan zieht bald Lügen nach sich, die Nils nicht mehr im Griff hat – und ausgerechnet ein kluger Kopf wie er muss nun einen Ausweg finden.
Tagebuch eines Möchtegern-Versagers des französischen Autors Luc Blanvillain wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. Es ist ein Einzelband und setzt deutlich stärker auf den Text als die übrigen Titel dieser Liste. Die Tagebuchform und der komische Ich-Erzähler bleiben, der Humor wird feiner und literarischer.
Für wen: für ältere Greg-Leser, die mehr Text vertragen und bereit sind für ein Buch, das eher schmunzeln als laut lachen lässt. Mit 154 Seiten ist der Umstieg gut zu schaffen.
René Goscinny und Jean-Jacques Sempé: Der kleine Nick

Lange vor Greg gab es einen Jungen, der aus seiner kindlichen Sicht vom Schulhof, von Streichen und seinen Freunden erzählte: den kleinen Nick. René Goscinny, bekannt als Texter von „Asterix“, schrieb die Geschichten, Jean-Jacques Sempé zeichnete dazu. In Frankreich erschienen sie ab Ende der 1950er Jahre.
Der kleine Nick ist kein Tagebuch, sondern eine Sammlung von achtzehn kurzen Geschichten, die für sich stehen. Doch das Prinzip, das Greg später perfektioniert hat, ist hier schon vollständig angelegt: Der Erzähler berichtet treuherzig, und die Leser verstehen mehr als er selbst. Sempés leichte, luftige Zeichnungen sind zudem ein schöner Gegenpol zu den plakativen Figuren vieler moderner Comic-Romane.
Für wen: zum gemeinsamen Vorlesen in der Familie, für jüngere Geschwister von Greg-Fans und für Erwachsene, die wissen möchten, woher dieser Humor kommt. Bei Diogenes sind zahlreiche weitere Bände erschienen.
Alle zehn Bücher im Überblick
| Buch | Autor | Reihe | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Wo ich bin, ist Chaos – aber ich kann nicht überall sein | Liz Pichon | Tom Gates | den nahtlosen Anschluss an Greg |
| Nikkis (nicht ganz so) fabelhafte Welt | Rachel Renée Russell | Dork Diaries | die Perspektive eines Mädchens, ab etwa 10 |
| Alles voller Kaninchen | Alice Pantermüller | Mein Lotta-Leben | jüngere Leser, deutscher Schulalltag |
| Ruperts Tagebuch – zu nett für diese Welt! | Jeff Kinney | – | Greg-Fans, die in der vertrauten Welt bleiben wollen |
| Die schlimmsten Jahre meines Lebens | James Patterson | School Survival | Komik mit ernstem Unterton |
| Timmy Flop – der allerbeste verdeckte Ermittler der Welt | Stephan Pastis | Timmy Flop | absurden Humor und Detektivspaß |
| Elf Freunde und ich! | Ocke Bandixen | Tims geheimes Fußball-Tagebuch | Fußballfans und Lesemuffel, ab etwa 9 |
| Dante N. Ferno – Höllisch peinlich! | Brian Gordon | Dante N. Ferno | eine brandneue Reihe, ab 9 |
| Tagebuch eines Möchtegern-Versagers | Luc Blanvillain | – | den Umstieg zu mehr Text |
| Der kleine Nick | René Goscinny | Der kleine Nick | Vorlesen und Klassikerfreunde |
Welches Buch passt?
Am besten fragen Sie, was Ihr Kind an Greg eigentlich gemocht hat. Soll alles bleiben, wie es war, sind Tom Gates oder Ruperts Tagebuch die sicherste Wahl. Liest eine Tochter oder ein jüngeres Geschwisterkind mit, lohnt sich ein Blick auf Nikki oder Lotta. Und wenn Ihr Kind zwar gern lacht, aber eigentlich über Fußball, Detektive oder Fantasy liest, führt der Weg über Tim, Timmy oder Dante.
Wer merkt, dass die Bilder allmählich zur Nebensache werden, kann es mit Nils probieren – und wer zeigen möchte, dass Kinder schon vor Jahrzehnten über dieselben Dinge gelacht haben, liest den kleinen Nick einfach gemeinsam.
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