Mit der Hebammen-Saga wurde Sabine Ebert zu einer der bekanntesten Autorinnen historischer Romane in Deutschland. Die Reihe spielt im 12. Jahrhundert in der Mark Meißen, als dort Silber gefunden wird, und folgt der Heilkundigen Marthe über Jahrzehnte voller Machtkämpfe, Kriege und persönlicher Verluste. Zwischen 2006 und 2011 erschienen fünf Bände bei Knaur. Seit dem 2. November 2026 gibt es einen sechsten: „Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme“.
Dieser Überblick nennt alle Bände in der richtigen Reihenfolge, beschreibt, worum es in den einzelnen Büchern geht, und hilft Ihnen bei der Frage, an welcher Stelle der neue Band und die beiden verwandten Reihen „Schwert und Krone“ und „Der Silberbaum“ ihren Platz finden.
Die Hebammen-Saga in der Übersicht
| Band | Titel | Erstausgabe | Handlungszeit | Seiten* |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Das Geheimnis der Hebamme | 2006 | ab Mitte des 12. Jh. | 666 |
| 2 | Die Spur der Hebamme | 2007 | 1173 | 665 |
| 3 | Die Entscheidung der Hebamme | 2008 | 1179 | 666 |
| 4 | Der Fluch der Hebamme | 2010 | 1189 | 650 |
| 5 | Der Traum der Hebamme | 2011 | 1191 | 711 |
| 6 | Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme | 2026 | ab 1153, Rückschau | 400 |
\* Seitenzahl der jeweils verlinkten Ausgabe. Bei den Bänden 1 bis 5 handelt es sich um Taschenbuchausgaben, die teils erst nach der Erstausgabe erschienen sind.
Muss man die Hebammen-Saga in der Reihenfolge lesen?
Ja, zumindest die ersten fünf Bände. Sie bilden einen fortlaufenden Zyklus: Jeder Roman knüpft an die Ereignisse des vorherigen an, Feindschaften und Beziehungen entwickeln sich über alle Bücher hinweg. Wer mittendrin einsteigt, erfährt nebenbei wichtige Wendungen aus den früheren Bänden. Schon die Inhaltsangabe von Band 4 verrät etwas Entscheidendes über das Ende von Band 3.
Etwas anders liegt der Fall beim neuen sechsten Band. Er erzählt Marthes ganzes Leben, angefangen bei ihrer Kindheit im Jahr 1153 – also vor Beginn des ersten Bandes – bis ins Alter. Chronologisch beginnt er damit früher als alle anderen Teile. Für Einsteiger empfehlen wir trotzdem, sich an die Veröffentlichungsreihenfolge zu halten und das Buch zuletzt zu lesen. Das ist eine redaktionelle Einschätzung, keine Vorgabe des Verlags. Der Grund: Ein Lebensrückblick, der bis ins Alter reicht, nimmt zwangsläufig vorweg, was in den fünf Romanen davor geschieht.
Band 1 bis 5: der ursprüngliche Zyklus
Band 1: „Das Geheimnis der Hebamme“ (2006)

Die junge Marthe muss vor einem gewalttätigen Burgherrn fliehen und findet Anschluss an Siedler aus Franken, die nach Osten ziehen. In der Mark Meißen wollen sie Land urbar machen und ein Dorf gründen. Geführt wird der Zug von Ritter Christian, den Marthes Kenntnisse als Heilerin zunehmend beeindrucken. Das bleibt nicht unbemerkt: Christians schlimmster Gegner, ein mächtiger Ritter am Hof des Meißner Markgrafen Otto von Wettin, wird auf die beiden aufmerksam. Als dann im Dorf Silber zum Vorschein kommt, ändert sich die Lage grundlegend.
„Das Geheimnis der Hebamme“ legt die Grundlage für alles Weitere: die Figuren, die Konflikte am Hof und den Ort, um den sich die Saga dreht. 2016 wurde der Roman unter der Regie von Roland Suso Richter fürs Fernsehen verfilmt, mit Ruby O. Fee als Marthe. Die verlinkte Ausgabe ist das Taschenbuch zum Film und enthält laut Verlag Bildmaterial aus der Verfilmung.
Lesetipp: Hier beginnen Sie, ohne Ausnahme.
Band 2: „Die Spur der Hebamme“ (2007)

Sachsen, 1173. Marthe und Christian sind inzwischen verheiratet, doch das Glück währt nicht lange. Randolf, Christians Erzfeind, kommt aus dem Heiligen Land zurück. Zugleich erscheint ein fanatischer Beichtvater im Dorf, der Marthes Heilkunst schon länger mit Argwohn betrachtet und nun die Gelegenheit sieht, sie anzuschwärzen. Am Ende wird Marthe der Hexerei beschuldigt und muss sich vor einem Kirchengericht verteidigen.
„Die Spur der Hebamme“ knüpft unmittelbar an den Auftakt an und ergibt ohne ihn wenig Sinn. Hier wird greifbar, wie gefährlich Wissen über Heilkräuter und Geburtshilfe für eine Frau in dieser Zeit werden konnte.
Band 3: „Die Entscheidung der Hebamme“ (2008)

Im dritten Band rückt die große Reichspolitik näher. Auf dem Hoftag in Magdeburg 1179 eskaliert der Konflikt zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen zum offenen Krieg. Markgraf Otto zieht mit seinem Heer ins Feld und macht Christian zu einem seiner Anführer. Marthe bleibt zurück und hat einen eigenen Kampf zu bestehen: Otto hat die Burg im Dorf seinem ältesten Sohn Albrecht unterstellt, einem machthungrigen jungen Mann, der Marthe seit Langem feindselig gegenübersteht.
„Die Entscheidung der Hebamme“ verbindet zwei Handlungsräume, das Kriegsgeschehen und die bedrohte Heimat. Mit Albrecht tritt zudem eine Figur in den Vordergrund, die den weiteren Verlauf der Saga prägt.
Band 4: „Der Fluch der Hebamme“ (2010)

Achtung, Spoiler zu Band 3: Freiberg im Jahr 1189, knapp fünf Jahre nach Christians Tod. Marthe und Lukas, Christians enger Freund, trauern noch immer und müssen klären, was sie füreinander sind. Die Zeiten werden nicht leichter, denn bald soll Albrecht die Herrschaft über die Mark Meißen antreten. Fliehen kommt nicht infrage, weil Marthe und Lukas Christians Erbe bewahren wollen und Verantwortung für die Kinder tragen. Die sechzehnjährige Clara soll verheiratet werden, liebt aber insgeheim den jüngeren Sohn des Markgrafen. Thomas wiederum möchte sich dem Kreuzzug Barbarossas anschließen.
Mit „Der Fluch der Hebamme“ öffnet sich die Saga für die nächste Generation. Trauer und Neuorientierung bestimmen den Ausgangspunkt, und neben Marthe gewinnen Lukas, Clara und Thomas eigenes Gewicht.
Band 5: „Der Traum der Hebamme“ (2011)

Im Herbst 1191 kommt Thomas ernüchtert vom Kreuzzug zurück. Zu Hause erwartet ihn keine Ruhe, denn Albrecht regiert die Mark Meißen mit harter Hand. Als er seinen Bruder Dietrich angreift, an dessen Seite Thomas im Heiligen Land gekämpft hat, greifen beide erneut zu den Waffen. Um gegen Albrecht zu bestehen, braucht Dietrich den Landgrafen von Thüringen als Verbündeten, und der verlangt dafür eine Verlobung mit seiner Tochter. Für Dietrich ist das bitter, denn sein Herz gehört seit Langem Marthes Tochter Clara.
„Der Traum der Hebamme“ ist mit 711 Seiten der umfangreichste Band und schließt den ursprünglichen Zyklus ab. Neben dem Konflikt mit Albrecht steht die Frage im Raum, ob Dietrich und Clara eine gemeinsame Zukunft haben können.
Band 6: „Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme“ (2026)

Gut fünfzehn Jahre nach dem fünften Band kehrt Sabine Ebert zu ihrer bekanntesten Figur zurück. Der neue Roman erschien am 2. November 2026 bei Knaur und wird von Verlag und Deutscher Nationalbibliothek als sechster Band der Hebammen-Saga geführt.
Das Buch setzt im Mai 1153 in Franken ein. Die vierjährige Marthe verliert bei einem Überfall ihre Eltern und wächst bei der Heilerin Serafine auf, die ihr Halt gibt und ihr Wissen an sie weitergibt. Von dort spannt sich der Bogen über die Flucht zu den Siedlern, die Silberfunde und Marthes Zeit am Hof des Markgrafen bis zu den Hoftagen Barbarossas. Am Ende blickt Marthe als alte Frau auf ihr Leben zurück, auf Weggefährten, Verluste und auf Kinder und Enkel, die ihr Werk fortführen.
Mit rund 400 Seiten ist der Band deutlich schlanker als die früheren Teile. Für Kenner der Reihe ist er eine Gelegenheit, die bekannte Geschichte aus Marthes eigener Rückschau neu zu erleben, und erzählt zugleich von ihrer Kindheit vor Band 1. Neueinsteiger könnten ihn theoretisch an den Anfang stellen. Weil der Rückblick aber das gesamte Leben der Hauptfigur umfasst, verrät er vieles, was die Romane davor mit Spannung aufbauen. Unsere Empfehlung lautet daher: Lesen Sie ihn als Abschluss nach Band 5.
Verwandte Reihen: „Schwert und Krone“ und „Der Silberbaum“
Sabine Ebert hat das Mittelalter in Mitteldeutschland nicht nur in der Hebammen-Saga erkundet. Zwei weitere Reihen hängen eng mit ihr zusammen, allerdings auf unterschiedliche Weise.
„Schwert und Krone“: Barbarossas Aufstieg

Die fünfbändige Reihe erschien von 2017 bis 2020 und spielt ebenfalls im 12. Jahrhundert, setzt aber früher an. Der Auftakt „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ beginnt im Dezember 1137 mit dem Tod des Kaisers und dem anschließenden Ringen um die Nachfolge. Fürsten und Kirchenleute wollen die Welfen entmachten, und Konrad von Staufen gelangt durch eine Intrige auf den Thron, den er gar nicht angestrebt hat. Selbst sein Neffe, der spätere Friedrich Barbarossa, steht nicht verlässlich an seiner Seite. Im Mittelpunkt der Reihe steht Barbarossas Weg an die Macht.
Auf „Meister der Täuschung“ folgen „Der junge Falke“, „Zeit des Verrats“, „Herz aus Stein“ und „Preis der Macht“. Die Reihe ist eigenständig, Sie benötigen sie also nicht, um die Hebammen-Saga zu verstehen, und umgekehrt. Wer sich für die politischen Hintergründe interessiert, die in Marthes Geschichte immer wieder durchscheinen, findet hier jedoch viel Kontext; manche Herrscherfiguren kennen Sie dann bereits aus der jeweils anderen Reihe. In „Herz aus Stein“ tritt außerdem Ritter Christian auf. Ob Sie „Schwert und Krone“ vor oder nach der Hebammen-Saga lesen, bleibt Ihnen überlassen.
„Der Silberbaum“: die Nachfahren im 13. Jahrhundert

„Der Silberbaum. Die siebente Tugend“ erschien 2023 und eröffnet eine Reihe, die im 13. Jahrhundert spielt. Im Zentrum steht Heinrich der Erlauchte, der später Markgraf von Meißen und Landgraf von Thüringen wird. Zu Beginn ist er drei Jahre alt und hat gerade seinen Vater verloren. Sein Vormund wird sein Onkel Ludwig von Thüringen, und es ist offen, ob dieser das Erbe des Jungen schützt oder sich selbst aneignet. Die Markgräfinwitwe Jutta holt deshalb Lukas aus Freiberg zu Hilfe, der wiederum Marthes ältesten Sohn Thomas aus dem Heiligen Land zurückruft. Marthes Enkelin Änne gelangt derweil nach Thüringen und begegnet dort Elisabeth, der späteren Heiligen, und deren Beichtvater Konrad von Marburg.
Eine direkte Fortsetzung der Hebammen-Saga ist „Der Silberbaum“ nicht, doch durch Lukas, Thomas und Änne ist die Verbindung eng. Diese Reihe sollten Sie deshalb erst nach der Hebammen-Saga lesen, sonst kennen Sie die Vorgeschichte der Figuren nicht. Der zweite Band, „Das Ende der Welt“, erschien 2025; die Reihe ist als Trilogie angelegt.
Unsere Leseempfehlung auf einen Blick
Wenn Sie neu in Sabine Eberts Mittelalterwelt sind, bietet sich dieser Weg an:
- „Das Geheimnis der Hebamme“ bis „Der Traum der Hebamme“ (Band 1 bis 5) in der Reihenfolge ihres Erscheinens
- „Marthe. Die Erinnerungen der Hebamme“ (Band 6) als Rückblick und Abschluss
- „Der Silberbaum“, beginnend mit „Die siebente Tugend“, für die Geschichte der nächsten Generationen
- „Schwert und Krone“ jederzeit, wenn Sie die Zeit Barbarossas aus Sicht der Mächtigen kennenlernen möchten – davor, dazwischen oder danach
Für wen lohnt sich die Saga? Vor allem für Leserinnen und Leser, die umfangreiche historische Romane mit einer starken Hauptfigur schätzen, in denen große Politik und Alltag einer Zeit eng verflochten sind. Mit über 3.000 Seiten allein in den ersten fünf Bänden ist sie ein ausdauerndes Lesevergnügen.
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