Heinz Strunk: Alle Bücher im Überblick – welches zuerst lesen?

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buchtipp.de Stimmungsbild für Reihenfolgen

Heinz Strunk ist einer der wenigen deutschen Autoren, die man gleichzeitig im Comedy-Programm und auf der Shortlist eines Literaturpreises antrifft. Der 1962 in Hamburg geborene Musiker, Schauspieler und Humorist, der bürgerlich Mathias Halfpape heißt, wurde mit Studio Braun bekannt, bevor er 2004 mit seinem ersten Roman zum Bestsellerautor wurde. Seitdem sind mehr als ein Dutzend Bücher erschienen: Romane, Erzählungsbände, gesammelte Kolumnen und eine Ratgeber-Parodie. Wer neu einsteigen will, steht deshalb vor der Frage, womit er anfangen soll. Hier finden Sie alle Bücher im Überblick, die Reihenfolge ihres Erscheinens und Empfehlungen für den Einstieg.

Gibt es bei Heinz Strunk eine Lesereihenfolge?

Nein. Strunk hat keine Reihe geschrieben, jedes seiner Bücher steht für sich. Es gibt keine Hauptfigur, die von Roman zu Roman weiterlebt, und keine Handlung, die erst im nächsten Band aufgelöst wird. Sie können also mit jedem Titel beginnen.

Ein paar lose Verbindungen gibt es dennoch, und es schadet nicht, sie zu kennen:

  • Die Lebensgeschichte des Autors: „Junge rettet Freund aus Teich“ erzählt die Kindheit eines Jungen namens Mathias, also unter Strunks bürgerlichem Vornamen, und spielt biografisch vor dem Debüt „Fleisch ist mein Gemüse“. Wer Strunks autobiografisch gefärbte Bücher chronologisch nach Lebensalter lesen möchte, kann mit dem Kindheitsroman anfangen. Nötig ist das nicht.
  • Die „Trilogie des Sexualtriebs“: So werden „Fleisch ist mein Gemüse“, „Fleckenteufel“ und „Der goldene Handschuh“ in der Rezeption gelegentlich zusammengefasst. Das ist eine thematische Zuschreibung, keine Reihe; die drei Romane haben weder Figuren noch Schauplätze gemeinsam.
  • Bezüge auf Thomas Mann: „Zauberberg 2“ spielt auf Manns „Der Zauberberg“ an, „Ein Sommer in Niendorf“ erinnert an „Der Tod in Venedig“. Beide Romane sind ohne Mann-Kenntnis gut verständlich.

Welches Buch von Heinz Strunk zuerst lesen?

Das hängt davon ab, welchen Strunk Sie kennenlernen wollen – denn es gibt mindestens zwei.

  • Den komischen Strunk: Beginnen Sie mit „Fleisch ist mein Gemüse“, dem Debüt von 2004. Es ist lustig, aber auch traurig, und es enthält im Kern schon alles, was Strunk später ausbaut.
  • Den düsteren Romancier: Greifen Sie zu „Der goldene Handschuh“ (2016), seinem bekanntesten Roman. Hier ist vom Klamauk nichts mehr übrig, dafür zeigt sich, warum die Literaturkritik Strunk ernst nimmt.
  • Erst einmal in kleinen Dosen: Dann ist der Erzählungsband „Das Teemännchen“ (2018) die richtige Wahl. Die Texte sind teils nur wenige Seiten lang und zeigen auf engem Raum die ganze Bandbreite zwischen Groteske und Abgrund.

Danach können Sie sich frei nach Interesse weiterbewegen.

Alle Bücher von Heinz Strunk auf einen Blick

Die Jahreszahlen nennen die Erstausgabe. Verlinkt sind überwiegend die Taschenbuchausgaben, die teils später erschienen sind.

Nr.TitelErstausgabeArt
1Fleisch ist mein Gemüse2004Roman, autobiografisch grundiert
2Die Zunge Europas2008Roman
3Fleckenteufel2009Roman (überarbeitete Neuausgabe 2018)
4Heinz Strunk in Afrika2011Roman
5Junge rettet Freund aus Teich2013Roman, autobiografisch grundiert
6Das Strunk-Prinzip2014Ratgeber-Parodie
7Der goldene Handschuh2016Roman
8Jürgen2017Roman
9Das Teemännchen2018Erzählungen
10Nach Notat zu Bett2019Kolumnen
11Es ist immer so schön mit dir2021Roman
12Ein Sommer in Niendorf2022Roman
13Der gelbe Elefant2023Erzählungen
14Zauberberg 22024Roman
15Kein Geld Kein Glück Kein Sprit2025Erzählungen
16Memories of Heidelberg2026Roman

Die frühen Jahre: Jugend, Peinlichkeit und Pointen (2004–2014)

„Fleisch ist mein Gemüse“ (2004)

Heinz Strunk: Fleisch ist mein Gemüse

Mit diesem Buch fing alles an. Der Ich-Erzähler Heinz wächst im Hamburger Süden auf, in Harburg, und ist Mitte der Achtzigerjahre volljährig, ohne dass sich sonst viel getan hätte: Die Haut ist schlecht, ein Job fehlt, von Frauen ganz zu schweigen. Dann steigt er als Bläser bei einer Tanzkapelle ein, die auf Schützenfesten und Hochzeiten in der Region aufspielt. Strunk beschreibt dieses Musikerleben mit seinem Repertoire aus Stimmungsschlagern, fettigem Buffet und verunglückten Liebesversuchen so genau, dass man lacht und gleichzeitig ahnt, wie trostlos das alles ist.

„Die Zunge Europas“ (2008)

Heinz Strunk: Die Zunge Europas

Der zweite Roman ist weniger bekannt, aber für Fans eine lohnende Entdeckung. Markus Erdmann verdient sein Geld als Gagschreiber in Hamburg und kann weder seinem Beruf noch dem Rest seines Daseins viel abgewinnen. Eine Zugbegegnung mit einer früheren Mitschülerin bringt Bewegung in sein Leben; daneben spielt ein Onkel eine Rolle, dessen Spitzname dem Buch den Titel gibt. Der Roman zeigt Strunks Humor besonders unverstellt, inklusive der Selbstzweifel, die ihn grundieren.

„Fleckenteufel“ (2009)

Heinz Strunk: Fleckenteufel

Ostseeküste, 1977: Der sechzehnjährige Thorsten fährt mit einer kirchlichen Jugendgruppe in die Ferien und erlebt Andachten, Gruppenspiele und Jugenddisco als Dauerzustand der Überforderung. Sein Körper macht ihm mehr Probleme als der Glaube, und die Hormone geben keine Ruhe. Der Pubertätsroman ist derber und peinlicher als das Debüt – das ist Absicht. Verlinkt ist die vom Autor überarbeitete Neuausgabe von 2018.

„Heinz Strunk in Afrika“ (2011)

Heinz Strunk: Heinz Strunk in Afrika

Ein Erzähler namens Heinz Strunk verbringt Weihnachten mit einem Freund in Mombasa. Das Reiseideal der beiden: Es soll möglichst nichts passieren, man will nicht krank werden und nicht zunehmen. Dann fallen die Feiertage auf Wahlen in Kenia, und nachts sind Schüsse zu hören. Ein Buch über Freundschaft und Hypochondrie, das alle Klischees vom exotischen Abenteuerurlaub unterläuft. Leicht übersehen, aber Strunk durch und durch.

„Junge rettet Freund aus Teich“ (2013)

Heinz Strunk: Junge rettet Freund aus Teich

Der leiseste Roman dieser Liste. In drei Abschnitten begleitet Strunk Mathias im Alter von sechs, zehn und vierzehn Jahren: erst geborgen bei Mutter und Großeltern in einer Siedlung, später in einem Hochhaus, allein mit einer Mutter, für deren Unglück er sich verantwortlich fühlt. Das Buch verklärt diese Kindheit nicht und ist trotz einzelner komischer Momente vor allem berührend.

„Das Strunk-Prinzip“ (2014)

Heinz Strunk: Das Strunk-Prinzip

Kein Roman, sondern eine Persiflage auf Lebenshilfe-Literatur, entstanden aus Strunks Texten für die „Titanic“. Mit dem Tonfall eines Motivationstrainers geht er Themen von Wirtschaft über Religion bis Urlaub an und treibt die Erfolgsrhetorik bis ins Absurde. Das liest sich am besten häppchenweise und eher für Leser, die Strunks Satire schon kennen und mögen.

Am Rande: Ebenfalls 2014 gab Strunk mit „Der zurück in sein Haus gestopfte Jäger“ eine Auswahl von Texten von Botho Strauß heraus. Da es sich nicht um ein eigenes Werk handelt, fehlt der Band in dieser Übersicht.

Der Durchbruch zum Romancier (2016–2021)

„Der goldene Handschuh“ (2016)

Heinz Strunk: Der goldene Handschuh

Strunks bekanntestes Buch und eine Zäsur in seinem Werk. Es erzählt vom Frauenmörder Fritz Honka, der in den Siebzigerjahren in Hamburg mordete und seine Opfer in der Kiezkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ kennenlernte. Strunk schildert dieses Milieu aus Alkohol, Armut und Verwahrlosung ohne Distanz und ohne Effekthascherei, und er stellt ihm eine Parallelhandlung aus besseren Kreisen gegenüber, in denen es kaum menschlicher zugeht. Der Roman war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, wurde ein Bestseller und von Fatih Akin verfilmt. Bitte beachten Sie: Die Gewalt wird drastisch beschrieben. Für alle, die den ernsten Strunk suchen, ist dies der Einstieg.

„Jürgen“ (2017)

Heinz Strunk: Jürgen

Nach dem Abstieg in den Kiez folgt ein auffallend freundliches Buch. Jürgen Dose arbeitet als Parkhauswächter in Harburg, kümmert sich um seine Mutter und ist trotzdem überzeugt, es gut getroffen zu haben. Mit seinem Freund Bernd, der im Rollstuhl sitzt, will er endlich eine Frau finden; nach Speed-Dating und Ratgeberlektüre soll es eine Partnervermittlungsreise nach Polen richten. Die Figur Jürgen Dose kannten Strunk-Fans schon aus seinen Tonaufnahmen der Neunzigerjahre, ein früheres Buch über ihn gibt es aber nicht. Mit Strunk und Charly Hübner in den Hauptrollen entstand auch eine Verfilmung. Ein zugänglicher Roman, der sich auch für Einsteiger eignet.

„Das Teemännchen“ (2018)

Heinz Strunk: Das Teemännchen

Der erste Erzählungsband versammelt Texte von sehr unterschiedlicher Länge. Ein in der DDR verfolgter Mann hält die Wende für eine besonders raffinierte Zersetzungsmaßnahme, Kleinwagen planen eine Revolte, ein Rockstar erlebt auf dem Hamburger Kiez seine Hölle. Nicht alles ist komisch gemeint, vieles ist grotesk oder unheimlich. Gerade deshalb eignet sich der Band gut als Probe: Nach ein paar Geschichten wissen Sie, ob Ihnen Strunks Ton liegt.

„Nach Notat zu Bett“ (2019)

Heinz Strunk: Nach Notat zu Bett

Seit 2015 heißt Strunks Kolumne in der „Titanic“ „Heinz Strunks Intimschatulle“; dieses Buch bündelt sie, gegliedert nach den zwölf Monaten eines Jahres. Im Tagebuchton wechseln Notizen über Alltag, Lektüre und Fernsehabende mit Aphorismen, Pseudo-Karrieretipps und Beobachtungen am eigenen alternden Körper. Ideal für zwischendurch.

„Es ist immer so schön mit dir“ (2021)

Heinz Strunk: Es ist immer so schön mit dir

Ein Musiker Mitte vierzig hat sich mit seiner bescheidenen Existenz arrangiert, als er eine junge Schauspielerin kennenlernt, die sich für ihn und seine Musik begeistert. Aus der Affäre wird eine Beziehung, in der Euphorie und Chaos gleichermaßen wachsen und aus der er nicht mehr herausfindet. Strunk erzählt hier ohne Kiez-Groteske von Verliebtheit, Abhängigkeit und der Angst vor dem eigenen Älterwerden – einer seiner persönlichsten Romane.

Das späte Werk: Abgründe im Alltag (2022–2026)

„Ein Sommer in Niendorf“ (2022)

Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf

Der Jurist Roth zieht sich in das Ostseebad Niendorf zurück, um ein Buch zu schreiben, das mit seiner bürgerlichen Familie abrechnen soll. Stattdessen gerät er an einen aufdringlichen Strandkorbverleiher, der nebenbei mit Spirituosen handelt, und an dessen Freundin. Was als Erholungssommer beginnt, wird zum allmählichen Selbstverlust. Die Anklänge an „Der Tod in Venedig“ sind unverkennbar, und die Kritik zählte den Roman zu Strunks besten Büchern. Wer „Der goldene Handschuh“ mochte, sollte diesen Roman als Nächstes lesen.

„Der gelbe Elefant“ (2023)

Heinz Strunk: Der gelbe Elefant

Im zweiten Erzählungsband probiert Strunk noch mehr Formen aus: Manche Texte klingen nach Zeitungsreportage, andere nach Schauergeschichte, manche sind in Briefform verfasst. Es geht um eine Seniorenorganisation mit dem Namen „Freiwillig über die Klippe“, um einen Experten, der in einer Talkshow von Markus Lanz untergeht, oder um einen Urlauber bei der Thai-Massage am Strand. Wer „Das Teemännchen“ mochte, kann hier bedenkenlos weiterlesen.

„Zauberberg 2“ (2024)

Heinz Strunk: Zauberberg 2

Hundert Jahre nach Thomas Manns „Der Zauberberg“ verlegt Strunk den Stoff in die Gegenwart. Jonas Heidbrink hat mit einem Start-up ausgesorgt, fühlt sich aber elend und begibt sich in ein nobles Sanatorium nahe der polnischen Grenze. Aus einem geplanten Aufenthalt werden Monate, während das Haus selbst wirtschaftlich zu wanken beginnt. Der Roman ist keine Fortsetzung, sondern eine freie Neuerzählung, die auch ohne Kenntnis des Vorbilds funktioniert – wer es kennt, entdeckt allerdings zusätzliche Bezüge.

„Kein Geld Kein Glück Kein Sprit“ (2025)

Heinz Strunk: Kein Geld Kein Glück Kein Sprit

Der dritte Erzählungsband, verlinkt in der Rowohlt-Erstausgabe, auf deren Cover die drei Wörter des Titels durchgestrichen sind. Haushaltsroboter verfolgen ein Puppenspiel, eine Frau gerät an den völlig falschen Schönheitschirurgen, und in einem Hotel auf Gran Canaria wird das Fischbuffet zum Schlachtfeld verfeindeter Rentnerpaare. Mit knapp 190 Seiten ist der Band kurz, die Mischung aus Komik und Verzweiflung aber so dicht wie in den Vorgängern.

„Memories of Heidelberg“ (2026)

Heinz Strunk: Memories of Heidelberg

Strunks jüngster Roman ist zugleich einer seiner kürzesten. Bertram und Isolde, ein älteres Ehepaar aus Oldenburg, wollen sich im Frühling ein paar schöne Tage in Heidelberg gönnen und damit auch ihre Ehe auffrischen. Im Laufe einer Woche geht beides schief, und ausgerechnet das Lokal auf einem Neckarschiff, das sie anfangs begeistert, wird zum Ort des Schreckens. Der Roman stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2026. Wer nach „Ein Sommer in Niendorf“ Lust auf mehr Urlaubsalbtraum hat, ist hier richtig.

Was ist mit „Die Käsis“ und den Hörbüchern?

Neben den Büchern dieser Liste ist 2023 „Die Käsis“ erschienen, ein illustriertes Kinderbuch, das Strunk gemeinsam mit vents137 und Typeholics verantwortet. Es gehört nicht zum hier vorgestellten Werk für Erwachsene. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind Strunks zahlreiche Alben und Hörspiele, etwa „Trittschall im Kriechkeller“: Sie sind Teil seines künstlerischen Schaffens, aber keine Bücher.

Fazit: So finden Sie Ihren Weg durch Strunks Werk

Eine feste Reihenfolge gibt es bei Heinz Strunk nicht, und das macht den Einstieg leicht. Entscheiden Sie zuerst, welcher Strunk Sie interessiert. Für den komischen, autobiografisch grundierten Autor ist „Fleisch ist mein Gemüse“ die erste Wahl; wer die Geschichte dahinter vollständig kennen will, liest später „Junge rettet Freund aus Teich“. Für den düsteren Romancier beginnen Sie mit „Der goldene Handschuh“ und lesen dann „Ein Sommer in Niendorf“ und „Zauberberg 2“. Und wenn Sie sich erst herantasten möchten, nehmen Sie sich „Das Teemännchen“ vor. Gemeinsam ist allen Büchern, dass sie zum Lachen bringen und zugleich Unbehagen auslösen – oft im selben Satz.

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