Seit 2012 schickt Jean-Luc Bannalec seinen Kommissar Georges Dupin durch die Bretagne, einmal im Jahr und fast immer an einen anderen Ort. Inzwischen sind es 15 Fälle. Wer neu einsteigen oder eine Lücke schließen will, hat es leicht: Bannalec hat nur diese eine Romanreihe geschrieben, die Bücher erscheinen alle bei Kiepenheuer & Witsch, und die Bandnummer steht im Untertitel – „Kommissar Dupins zweiter Fall“, „dritter Fall“ und so weiter. Veröffentlichungsfolge und Handlungschronologie sind identisch, eine abweichende „interne“ Reihenfolge gibt es nicht.
Hinter dem Namen steht übrigens kein Bretone, sondern der deutsche Verleger und Autor Jörg Bong. Jean-Luc Bannalec ist sein Pseudonym.
Muss man die Dupin-Krimis der Reihe nach lesen?
Nein, nicht zwingend. Jeder Fall ist abgeschlossen, Täter und Motiv werden im selben Band aufgeklärt. Sie können also auch mit dem Buch beginnen, dessen Schauplatz Sie gerade bereisen oder der Ihnen geschenkt wurde.
Trotzdem spricht einiges für den Anfang bei Band 1. Dort lernen Sie Dupin kennen, wie er aus Paris ans „Ende der Welt“ versetzt wird, außerdem sein Team: die Inspektoren Riwal und Kadeg und die Assistentin Nolwenn, ohne die im Kommissariat von Concarneau wenig läuft. Auch das Amiral, Dupins Stammrestaurant am Hafen, taucht hier zum ersten Mal auf.
Was sich über die Bände hinweg entwickelt, ist vor allem das Persönliche: die Beziehung zu Claire, die in Band 12 in die Hochzeitsreise mündet, und das Team, das in Band 10 Dupins zehnjähriges Dienstjubiläum vorbereitet und in Band 11 durch einen Anschlag auf Kadeg erschüttert wird. Wer diese Linien mitverfolgen möchte, liest in der Reihenfolge. Wer vor allem bretonische Landschaften und einen gut gebauten Kriminalfall sucht, kann springen.
Alle Fälle von Kommissar Dupin in der Übersicht
Die Jahreszahlen nennen die Erstausgabe. Verlinkt sind die derzeit lieferbaren Ausgaben, teils Taschenbuch-Neuausgaben mit späterem Erscheinungsjahr.
| Nr. | Titel | Schauplatz | Erstausgabe |
|---|---|---|---|
| 1 | Bretonische Verhältnisse | Pont-Aven | 2012 |
| 2 | Bretonische Brandung | Glénan-Inseln | 2013 |
| 3 | Bretonisches Gold | Salzgärten der Guérande | 2014 |
| 4 | Bretonischer Stolz | Belon und Monts d’Arrée | 2015 |
| 5 | Bretonische Flut | Île de Sein | 2016 |
| 6 | Bretonisches Leuchten | Rosa Granitküste | 2017 |
| 7 | Bretonische Geheimnisse | Wald von Brocéliande | 2018 |
| 8 | Bretonisches Vermächtnis | Concarneau | 2019 |
| 9 | Bretonische Spezialitäten | Dinard, Cancale, St-Malo | 2020 |
| 10 | Bretonische Idylle | Belle-Île | 2021 |
| 11 | Bretonische Nächte | Côte des Légendes | 2022 |
| 12 | Bretonischer Ruhm | Pays de Retz an der Loire | 2023 |
| 13 | Bretonische Sehnsucht | Ouessant | 2024 |
| 14 | Bretonische Versuchungen | Concarneau und quer durch die Bretagne | 2025 |
| 15 | Bretonischer Glanz | Roscoff | 2026 |
Die Anfänge: Band 1 bis 5

Der erste Fall beginnt an einem heißen Julitag in Pont-Aven, dem Malerdorf, in dem einst Paul Gauguin arbeitete. In Bretonische Verhältnisse wird der hochbetagte Besitzer des traditionsreichen Hotel Central erstochen, bald darauf gibt es einen zweiten Toten an der Küste. Für Dupin, den Pariser mit unstillbarem Kaffeedurst, ist das die Feuertaufe in einer Region, deren Eigenheiten er erst noch begreifen muss. Viel von dem, was die Reihe ausmacht – hintergründiger Humor, atmosphärische Ortsbeschreibungen und ein liebevoller Blick auf bretonische Eigenarten –, ist hier bereits angelegt.
In Bretonische Brandung geht es hinaus aufs Meer, was Dupin gar nicht behagt. Auf den Glénan-Inseln vor Concarneau, die mit hellem Sand und klarem Wasser beinahe karibisch wirken, werden drei Tote angeschwemmt. Ein Unwetter oder doch Mord? Unter den Opfern sind ein politisch gut vernetzter Unternehmer und ein Segler mit vielen Gegnern.
Bretonisches Gold führt in die Salzgärten der Guérande-Halbinsel, wo das Fleur de Sel geerntet wird. Dort wird auf Dupin geschossen, als er sich nach verdächtigen Fässern umsieht. Kurz darauf verschwindet die Journalistin, die ihm den Tipp gegeben hat. Der Verlag nennt diesen Fall Dupins bis dahin persönlichsten; dazu bekommt er es mit einer resoluten Kollegin, Kommissarin Rose, zu tun.
Gleich zwei Leichen beschäftigen Dupin in Bretonischer Stolz: eine am Belon, dem Fluss der berühmten Austern, die andere in den Monts d’Arrée, einer Hügellandschaft voller Feen- und Teufelslegenden. Die Spuren führen zu keltischen Verbindungen, Sandraub und Druidenkulten – einer der skurrileren Bände.

Eigentlich wollte Dupin nie wieder auf dem Wasser ermitteln. Bretonische Flut schickt ihn trotzdem auf die Île de Sein, eine winzige Insel vor der äußersten Westspitze der Bretagne. Mit über 400 Seiten in der aktuellen Ausgabe ist es einer der umfangreicheren Fälle, und einer, der das Team an seine Grenzen bringt.
Ortswechsel und Ausflüge: Band 6 bis 10
Im sechsten Band soll Dupin Urlaub machen, ausgerechnet. In Bretonisches Leuchten verbringt er den Hochsommer an der Rosa Granitküste im Norden, und Claire wie auch die Kollegen haben ihm strikte Erholung verordnet. Als eine Hotelgästin verschwindet, eine Abgeordnete angegriffen wird und schließlich eine Leiche auftaucht, ermittelt er heimlich doch – mit Hilfe der Einheimischen. Claire spielt in diesem Band eine größere Rolle als in den Fällen zuvor.
Auch Bretonische Geheimnisse beginnt als Auszeit: Das Team unternimmt einen Betriebsausflug in den Wald von Brocéliande, Schauplatz zahlreicher Artus-Sagen. Dann wird ein Artus-Forscher ermordet, und Dupin wird gegen seinen Willen zum Sonderermittler ernannt. Im Hintergrund stehen Ausgrabungen und der Plan, Teile des Waldes in einen Freizeitpark zu verwandeln.

Nach sieben Fällen in der Umgebung kommt das Verbrechen in Bretonisches Vermächtnis direkt nach Hause: Vor dem Amiral liegt ein Toter, ein angesehener Arzt aus einer einflussreichen Familie. Ausgerechnet jetzt sind Riwal, Kadeg und Nolwenn im Urlaub, und Dupin arbeitet mit zwei neuen Kolleginnen. Für Leser, die Concarneau besser kennenlernen wollen, ist dieser Band der ergiebigste: Häfen, Galerien, Restaurants und Bewohner der Stadt stehen ungewohnt stark im Mittelpunkt.
Kulinarisch wird es in Bretonische Spezialitäten. Der Fall führt an die Smaragdküste im Norden, nach Dinard, Cancale und St-Malo, und im Zentrum stehen zwei Schwestern, beide Küchenchefinnen der Sterneklasse.
Bretonische Idylle spielt während einer Hitzewelle im August. Während die Kollegen die Feier zu Dupins zehnjährigem Dienstjubiläum planen, wird vor Concarneau ein Schafzüchter von der Belle-Île aus dem Meer gezogen. Es folgt eine Fahrt im Schnellboot auf die Insel – und eine Ermittlung, die tiefer in menschliche Abgründe führt, als der Titel vermuten lässt.
Die jüngeren Fälle: Band 11 bis 15
Mit Bretonische Nächte wird es ernst für das Team. Kadegs Lieblingstante stirbt, kurz darauf wird der Inspektor auf ihrem Anwesen überfallen und lebensgefährlich verletzt. Dupin ermittelt im Norden an der Côte des Légendes, und plötzlich ist der Fall einer, der alle persönlich betrifft. Wer die Figuren über zehn Bände begleitet hat, liest diesen Roman mit anderen Augen als jemand, der hier neu dazukommt.

Bretonischer Ruhm verlässt die Bretagne im engeren Sinn: Dupin und Claire verbringen ihre Flitterwochen im Pays de Retz an der Loire, einer Weinregion. Die Reise von Weingut zu Weingut endet, als ein bekannter Winzer ermordet wird – der Ex-Mann einer Freundin Claires. Spätestens hier lohnt es sich, die Beziehung der beiden aus den früheren Bänden zu kennen.
Ganz an den Rand der Bretagne geht es in Bretonische Sehnsucht. Auf der Insel Ouessant wird ein keltischer Musiker angeschwemmt, und in seinem Haus findet die Polizei einen Hinweis auf ein uraltes Ritual. Die verschworene Inselgemeinschaft macht es Dupin nicht leicht. Mit gut 400 Seiten gehört auch dieser Band zu den längeren.
In Bretonische Versuchungen ist Dupin regelrecht erleichtert über einen Mordfall: Er steht schon mit einem Bein auf einem Boot im Hafen, um mit einem Coach seine Angst vor dem Meer zu bekämpfen, als der Anruf kommt. Die Inhaberin einer alten Confiserie in der Ville Close, der Altstadt von Concarneau, ist ertrunken – in Schokolade. Mit Nolwenn geht es anschließend auf einen Roadtrip quer durch die Bretagne bis ins Baskenland.
Der aktuelle Band

Der 15. und bislang neueste Fall ist Bretonischer Glanz aus dem Jahr 2026. Dupin sitzt gerade auf der Terrasse des Amiral, als ihn die Nachricht von einer ermordeten jungen Frau in Roscoff erreicht. Dort läuft gerade ein Krimifestival, Beschäftigte der örtlichen Fährgesellschaft protestieren gegen drohende Entlassungen, und in einer Bruderschaft, die sich dem Schutz der berühmten Roscoff-Zwiebel verschrieben hat, geht Merkwürdiges vor. Dupin reist mit Riwal und Kadeg an; der Verlag kündigt den Band als seinen bisher gefährlichsten Fall an.
Was es sonst von Bannalec gibt
Neben den Romanen sind zwei Begleitbücher zur Reihe erschienen: der Fotoband „Magische Bretagne“ (2019) und der Reiseführer „Dupins Bretagne“ (2023), den Bannalec gemeinsam mit Manfred Görgens verfasst hat. Beide richten sich an Leser, die die Schauplätze der Krimis selbst erkunden möchten, und sind keine Fortsetzungen.
Unter seinem bürgerlichen Namen Jörg Bong veröffentlicht der Autor außerdem Sachbücher über die Revolution von 1848/49, darunter „Die Flamme der Freiheit“ (2022). Mit Kommissar Dupin haben sie nichts zu tun.
Auch die ARD-Reihe „Kommissar Dupin“ basiert auf den Romanen, weicht aber teils von ihnen ab. Wer die Filme kennt, sollte sich beim Lesen auf Unterschiede einstellen.
Kurz zusammengefasst: So lesen Sie Jean-Luc Bannalec
- Eine Reihe, eine Reihenfolge: Alle 15 Dupin-Krimis in der Folge ihres Erscheinens lesen; die Nummer steht im Untertitel.
- Einstieg: „Bretonische Verhältnisse“ stellt Dupin, sein Team und Concarneau vor.
- Quereinstieg möglich: Jeder Fall ist in sich abgeschlossen; ein Schauplatz, der Sie reizt, ist ein guter Grund, irgendwo mittendrin anzufangen.
- Wann die Reihenfolge zählt: Für Band 10 bis 12 – Dienstjubiläum, der Anschlag auf Kadeg und die Hochzeitsreise mit Claire – lohnt es sich, die früheren Bände zu kennen.
- Für Concarneau-Fans: „Bretonisches Vermächtnis“ und „Bretonische Versuchungen“ spielen in Dupins eigener Stadt.
- Aktueller Stand: „Bretonischer Glanz“ (Band 15, 2026) ist der neueste Fall.
Kommentar verfassen