Irgendwann kommt die Frage, auf die Erwachsene selten eine schnelle Antwort haben: Wo hört das Weltall eigentlich auf? Kinder sind von Sternen, Planeten und Raketen fasziniert, und diese Begeisterung lässt sich wunderbar mit Büchern füttern. Das Angebot ist allerdings riesig, und nicht jedes Weltraumbuch passt zu jedem Alter oder Lesetyp.
Die folgenden zehn Bücher über das Weltall für Kinder decken deshalb ganz unterschiedliche Zugänge ab: Sachbücher zum Blättern und Nachschlagen, einen Naturführer für die Sternennacht im Garten, Berichte echter Astronauten, zwei Romane und zum Schluss etwas für Humorvolle. Die Altersangaben sind als grobe Orientierung gedacht – ein weltraumbegeistertes Kind liest gern auch mal „über“ seinem Alter.
Sachbücher: das Universum verstehen
Das Standardwerk: „Professor Astrokatz – Universum ohne Grenzen“

Wer nur ein einziges Weltraumbuch ins Kinderzimmer stellen möchte, ist mit Professor Astrokatz – Universum ohne Grenzen gut beraten. Der Physiker Dominic Walliman schickt eine Katze im Raumanzug auf eine Tour, die bei unserer Sonne beginnt, über die Planeten zu Sternen und Galaxien führt und bei den ganz großen Fragen nach Anfang und Ende des Universums ankommt. Die Illustrationen von Ben Newman mit ihren klaren Formen und kräftigen Farben machen das Buch auch optisch zu etwas Besonderem.
Die Reihe um den gelehrten Kater ist inzwischen deutlich gewachsen, der Weltraumband war aber der Anfang. Weil sich in der Astronomie in zehn Jahren viel tut, hat NordSüd 2023 eine überarbeitete Neuausgabe herausgebracht (76 Seiten). Sie greift auch aktuelle Themen wie Weltraumschrott, Schwarze Löcher und die Entwicklung von Raketen und Raumanzügen auf. Zum Vorlesen eignet sich das Buch ab etwa sieben Jahren, ältere Kinder erschließen es sich selbst – und lernen dabei Begriffe, die mancher Erwachsene nicht sicher erklären könnte.
Für die Kleinsten: „Wieso? Weshalb? Warum? – Wir entdecken den Weltraum“

Für Kindergartenkinder ist Wir entdecken den Weltraum von Andrea Erne ein bewährter erster Kontakt mit dem All. Der Band trägt die Nummer 32 der bekannten Ravensburger-Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“, lässt sich aber wie alle Bände unabhängig lesen. Er nimmt genau die Fragen auf, die Vier- bis Siebenjährige stellen: Gibt es einen Mann im Mond? Wohnt dort oben noch jemand? Und wie funktioniert eigentlich die Toilette auf einer Raumstation?
Die Stärke der Reihe sind die Klappen. Hinter ihnen verbergen sich Einblicke ins Innere der Internationalen Raumstation oder in Abläufe, die sich mit einem einzigen Bild schwer zeigen ließen. So wird das Lesen zum Erkunden, und Kinder können sich die Seiten nach dem gemeinsamen Anschauen auch allein vornehmen. Neben Astronautenalltag und Schwerelosigkeit geht es um Sonne, Planeten und Monde – und um die Erde, die von oben betrachtet ziemlich besonders aussieht.
Zum Schmökern: „Atlas des Weltalls“

Ein Buch zum Hineinvertiefen ist der großformatige Atlas des Weltalls der italienischen Autorin Lara Albanese, illustriert von Tommaso Vidus Rosin (Midas, 2021). Im Zentrum stehen Himmelskarten mit den bekanntesten Sternbildern des Nord- und des Südhimmels. Dazu kommen Galaxien, die Arbeit großer Observatorien und Teleskope sowie die Raumfahrt bis hin zur ISS, die in ihren Einzelteilen vorgestellt wird.
Reizvoll ist der Blick über den eigenen Horizont: Das Buch zeigt, dass Menschen in verschiedenen Kulturen ganz unterschiedliche Bilder in die Sterne gelegt haben. Auch die Geschichte der Astronomie kommt nicht zu kurz. Der Verlag empfiehlt den Atlas ab zehn Jahren, und das passt, denn die Texte setzen etwas Ausdauer voraus. Das Buch war als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Junior-Wissensbücher nominiert.
Raus unter den Nachthimmel: „Welcher Stern ist das?“

Bücher über das Universum sind das eine, der echte Himmel über dem Garten ist das andere. Welcher Stern ist das? von Susanne Dambeck schlägt die Brücke. Der Kindernaturführer aus der Kosmos-Reihe (2022, 109 Seiten) stellt die wichtigsten Sternbilder so vor, dass Kinder sie draußen tatsächlich wiederfinden. Die Kapitel sind nach Sommer- und Wintersternbildern geordnet, was die Orientierung je nach Jahreszeit erleichtert.
In den Umschlagklappen finden sich die Planeten und der Tierkreis auf einen Blick. Wer danach mehr wissen will, liest über das Sonnensystem, die Milchstraße und ferne Galaxien oder über aktuelle Raumfahrt. Hinzu kommen Mitmachideen und praktische Hinweise, etwa zu Teleskopen. Ab etwa acht Jahren ist das Buch ein idealer Begleiter für klare Nächte im Urlaub oder auf dem Balkon – und vielleicht der Anfang eines längeren Hobbys.
Aus erster Hand: Astronauten erzählen
Für viele Kinder ist die Raumfahrt das eigentlich Spannende: Wie lebt man in der Schwerelosigkeit, wie fühlt sich ein Raketenstart an? Zwei Bücher stammen von Menschen, die das selbst erlebt haben.
Als Comic: „Mission im Weltraum“

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer verbrachte 175 Tage auf der Internationalen Raumstation. In Mission im Weltraum (Tessloff, 2024) erzählt er davon in Comicform, vom Start mit der Rakete bis zum Leben an Bord. Gerade die kleinen Alltagsfragen machen den Reiz aus: wie man sich ohne Waschbecken die Hände wäscht oder warum die Fußsohlen nach Monaten im All so weich werden wie bei einem Baby.
Der Comicstil senkt die Hürde für Kinder, die bei langen Sachtexten schnell abschalten. Zugleich geht es um mehr als Technik, nämlich um Mut und darum, wie wichtig gute Zusammenarbeit in einem kleinen Team fern der Erde ist. Der Verlag empfiehlt das Buch ab acht Jahren.
Als Tagebuch: „Cassie Futura – mit 11 1/2 Jahren im Weltall“

Einen anderen Weg geht die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti. In Cassie Futura – mit 11 1/2 Jahren im Weltall (DK, 2025) fliegt ein elfjähriges Mädchen mitsamt Familie und Hund zur Raumstation und hält im Tagebuch fest, was es dort erlebt. Wie schläft man, ohne davonzuschweben? Wohin mit abgeschnittenen Fingernägeln? Und woher kommt das Trinkwasser?
Die Geschichte ist erfunden, das Wissen dahinter stammt aus erster Hand. Mit witzigen Zeichnungen und Extras wie einem Müsliriegelrezept oder Weltraum-Yoga spricht das Buch besonders Kinder ab etwa acht Jahren an, die lieber Geschichten als Sachbücher lesen. Zusammen mit dem Comic von Matthias Maurer ergibt sich ein schönes Paar: einmal der echte Bericht, einmal der fiktive Blick eines Kindes.
Romane mit Sternenstaub
Der Klassiker zum Selberlesen: „Der geheime Schlüssel zum Universum“

Als George den Wissenschaftler Eric und dessen Tochter Annie kennenlernt, ahnt er nicht, dass die beiden einen Supercomputer namens Cosmos besitzen, der eine Tür ins All öffnen kann. Der geheime Schlüssel zum Universum, geschrieben von Lucy Hawking gemeinsam mit ihrem Vater, dem Physiker Stephen Hawking, schickt die Kinder auf eine Reise vorbei an Kometen und dem Saturn bis zu einem Schwarzen Loch. Spannung liefert ein skrupelloser Gegenspieler, der Cosmos für sich nutzen will.
Das Besondere: Die Astrophysik steckt mitten im Abenteuer. Nebenbei erfahren Leserinnen und Leser, was Sonnenflecken sind oder warum der Saturn Ringe hat, und eingestreute Sachinformationen und Fotostrecken vertiefen das Gelesene. Der Roman (cbj, 266 Seiten) eröffnet eine Reihe, ist aber in sich abgeschlossen. Für geübte Leser ab etwa zehn Jahren ist er ein guter Einstieg in die Frage, wie das Universum funktioniert.
Der besondere Tipp: „Die Nelsons greifen nach den Sternen“

Ein ganz anderes Weltraumbuch ist Die Nelsons greifen nach den Sternen der Newbery-Preisträgerin Erin Entrada Kelly (dtv, 2022). Es spielt 1986 im US-Bundesstaat Delaware, während das Land dem Start der Raumfähre Challenger entgegenfiebert. Drei Geschwister gehen in die siebte Klasse und haben jeweils eigene Sorgen: Fitch kämpft mit seinem Jähzorn, seine Zwillingsschwester Bird möchte die erste Shuttle-Kommandantin der NASA werden, und Cash droht, die Klasse ein zweites Mal wiederholen zu müssen.
Das Unglück der Challenger verändert das Leben der Geschwister und bringt sie einander näher. Der Roman zeigt, was Raumfahrt für Menschen auf der Erde bedeutet, mit allen Träumen und Verlusten. Er ist leiser als die übrigen Bücher dieser Liste und emotional anspruchsvoller, deshalb eher für Kinder ab etwa elf Jahren und für Jugendliche geeignet. Für ein nachdenkliches Kind mit Faible für die Sterne kann er aber genau das richtige Buch sein.
Für ältere Kinder: „Astrophysik, das Universum und der ganze Rest“

Wer den Kinderbüchern entwachsen ist, aber noch nicht zum Fachbuch greifen möchte, findet in Astrophysik, das Universum und der ganze Rest einen gelungenen Zwischenschritt. Der US-Astrophysiker Neil deGrasse Tyson hat seinen Bestseller „Astrophysik für Eilige“ für junge Leser neu aufbereitet (FinanzBuch Verlag, 2022, 175 Seiten). Es geht um die Grundregeln der Physik, um das, was wir über den Kosmos noch nicht wissen, und um die großen Fragen nach Raum und Zeit.
Tyson ist bekannt dafür, schwierige Themen mit Witz zu vermitteln, und das gilt auch hier. Mehr als 40 farbige Fotos und Infografiken sowie ein Glossar helfen bei kniffligen Begriffen. Der Verlag nennt zwar schon acht Jahre als Einstiegsalter, mit Gewinn lesen es aber vor allem Kinder ab etwa elf und Jugendliche. Auch Eltern, die bei den Fragen ihrer Kinder mithalten wollen, lernen dabei einiges.
Mit Humor zum Schluss: „Astro-Comics erklärt das Sonnensystem“

Ein Geheimtipp ist Astro-Comics erklärt das Sonnensystem von Tim Ruster. Die Reihe mit sprechenden Planeten und Zwergplaneten ist zuerst in sozialen Netzwerken bekannt geworden; das Buch von 2017 versammelt viele dieser Cartoons. Es ist aber keine reine Witzsammlung: Zu jedem Cartoon gibt es einen kurzen Sachtext, der Planet für Planet erklärt, was hinter der Pointe steckt.
Die Texte sind so geschrieben, dass Kinder sie verstehen und Erwachsene trotzdem Neues erfahren. Damit eignet sich das Buch hervorragend zum gemeinsamen Lesen, aber auch für Kinder, die schon einiges über das Sonnensystem wissen und Spaß an Wortwitz haben. Wer über einen Planeten gelacht hat, merkt sich auch, was ihn ausmacht.
Alle zehn Weltraumbücher im Überblick
| Titel | Autorin/Autor | Art | Alter (etwa) |
|---|---|---|---|
| Professor Astrokatz – Universum ohne Grenzen | Dominic Walliman | illustriertes Sachbuch | ab 7 |
| Wir entdecken den Weltraum | Andrea Erne | Klappenbuch | 4 bis 7 |
| Atlas des Weltalls | Lara Albanese | großformatiger Bildatlas | ab 10 |
| Welcher Stern ist das? | Susanne Dambeck | Naturführer | ab 8 |
| Mission im Weltraum | Matthias Maurer | Astronautenbericht als Comic | ab 8 |
| Cassie Futura | Samantha Cristoforetti | Tagebuchgeschichte mit Sachwissen | ab 8 |
| Der geheime Schlüssel zum Universum | Lucy und Stephen Hawking | Abenteuerroman | ab 10 |
| Die Nelsons greifen nach den Sternen | Erin Entrada Kelly | Roman | ab 11 |
| Astrophysik, das Universum und der ganze Rest | Neil deGrasse Tyson | Sachbuch | ab 11 |
| Astro-Comics erklärt das Sonnensystem | Tim Ruster | Cartoons mit Sachtexten | für Grundschulkinder und Ältere |
Welches Weltraumbuch passt zu Ihrem Kind?
Das Alter ist nur ein Kriterium, mindestens ebenso wichtig ist die Frage, wie ein Kind am liebsten liest. Ein paar Anhaltspunkte:
- Für Kindergartenkinder: Mit „Wir entdecken den Weltraum“ lassen sich die ersten Fragen gemeinsam beantworten, die Klappen sorgen für Beschäftigung über das Vorlesen hinaus.
- Für Wissbegierige im Grundschulalter: Professor Astrokatz bietet den besten Überblick, der Atlas des Weltalls eignet sich als Folgebuch, wenn das Interesse anhält.
- Für kleine Sterngucker: Nehmen Sie „Welcher Stern ist das?“ an einem klaren Abend mit nach draußen. Ein Buch wirkt nie so stark wie in dem Moment, in dem ein Kind den Großen Wagen zum ersten Mal selbst entdeckt.
- Für Geschichtenleser: Cassie Futura und „Der geheime Schlüssel zum Universum“ verpacken Wissen in Handlung, Maurers Comic verbindet beides.
- Für ältere Kinder und Jugendliche: Tysons Buch fordert den Kopf heraus, der Roman über die Nelsons eher das Herz.
Viele dieser Bücher ergänzen sich gut. Wer das Universum zuerst mit der Astrokatz bereist, dann am Nachthimmel nach Sternbildern sucht und anschließend Matthias Maurer auf die ISS begleitet, bekommt ein ziemlich vollständiges Bild davon, was da draußen los ist – und vielleicht ein paar neue Fragen, auf die auch Erwachsene keine schnelle Antwort haben.
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