Eine junge Frau mit Vergangenheit, eine Stelle als Haushaltshilfe samt Zimmer unter dem Dach, eine launische Hausherrin und ein Ehemann, der als Einziger freundlich zu sein scheint: Mehr braucht Freida McFadden nicht, um in „The Housemaid“ (auf Deutsch „Wenn sie wüsste“) einen Sog zu erzeugen, dem sich weltweit Millionen Leserinnen und Leser nicht entziehen konnten. Millies Geschichte lebt vom Blick hinter eine wohlhabende Fassade, von kurzen Kapiteln und davon, dass man sich nie ganz sicher sein kann, auf wessen Seite man eigentlich steht.
Wer die Reihe um Millie durchgelesen hat, sucht meist genau dieses Gefühl noch einmal. Die folgenden zehn Bücher greifen jeweils einen anderen Aspekt auf: die Angestellte im fremden Haus, die Ehe als Tatort, die große Schlusswendung oder das Machtgefälle zwischen denen, die bezahlen, und denen, die putzen und Kinder hüten. Die Auswahl reicht von aktuellen Pageturnern über einen deutschen Psychothriller bis zu einem literarischen Roman und einem Klassiker aus den Siebzigern. Am Ende finden Sie eine Übersicht zum schnellen Vergleich.
Die naheliegendsten Anschlüsse: wieder eine Angestellte im fremden Haus
Ruth Ware: „Hinter diesen Türen“

Kein anderes Buch dieser Liste liegt so nah an Millies Geschichte wie Hinter diesen Türen (dtv, 363 Seiten). Die 27-jährige Rowan Caine nimmt eine Stelle als Kindermädchen für vier Töchter der Familie Elincourt an. Das Anwesen in den schottischen Highlands ist ein viktorianisches Landhaus, innen allerdings vollständig mit Smarthome-Technik ausgestattet. Was zunächst wie ein Glücksfall wirkt, wird schnell unheimlich: Überall hängen Kameras, im Haus passieren Dinge, die sich niemand erklären kann, und die Mädchen benehmen sich immer merkwürdiger. Dann stirbt jemand, und Rowan steht unter Mordverdacht.
Wie bei McFadden steckt hier eine Frau, die auf den Job angewiesen ist, in einem Haushalt, dessen Regeln sie nicht durchschaut. Ware verbindet das mit Elementen der klassischen Schauergeschichte; schon der Originaltitel „The Turn of the Key“ spielt auf Henry James‘ Gouvernanten-Novelle „The Turn of the Screw“ an. Wenn Sie an „The Housemaid“ vor allem das Gefühl mochten, ständig beobachtet zu werden, ist dies Ihr nächstes Buch.
Freida McFadden: „Die Ehefrau“

Wer McFadden nach der Housemaid-Reihe nicht verlassen möchte, findet in Die Ehefrau (Heyne, 412 Seiten, 2026 erschienen) einen Einzelband, der das bewährte Muster aufgreift. Sylvia Robinson wird als private Pflegerin im Haus der Barnetts eingestellt. Victoria Barnett ist seit einem Unfall bettlägerig, kann weder laufen noch sprechen und liegt im obersten Stockwerk. Ihr Mann scheint sich aufopferungsvoll um sie zu kümmern. Doch Sylvia beschleicht bald der Verdacht, dass ihre Patientin weniger hilflos ist, als alle glauben. Als sie in einer Kommode ein verstecktes Tagebuch findet, gerät ihr Bild von diesem Haushalt ins Wanken.
Die Parallelen zu „The Housemaid“ sind gewollt: wieder eine Frau, die in einem fremden Haus arbeitet, wieder ein Ehepaar, dessen Beziehung von außen nicht zu durchschauen ist. Das Tagebuch als zweite Erzählebene bringt zusätzlich eine Spur Misstrauen gegenüber allem, was geschrieben steht.
Die Ehe als Tatort
Ein Grundmotiv von „The Housemaid“ ist die Ehe, die nach außen glänzt und innen etwas ganz anderes verbirgt. Diese beiden Romane haben das Genre des sogenannten Domestic Thrillers maßgeblich geprägt.
Gillian Flynn: „Gone Girl – Das perfekte Opfer“

Ohne Gone Girl – Das perfekte Opfer (Fischer Taschenbuch, 591 Seiten) sähe die Thriller-Landschaft der vergangenen Jahre wohl anders aus. Am fünften Hochzeitstag der Dunnes ist Amy verschwunden. Die Polizei hat schnell ihren Mann Nick im Visier, Amys Freunde erzählen, sie habe sich vor ihm gefürchtet, und Nick beteuert seine Unschuld. Flynn lässt beide Eheleute abwechselnd zu Wort kommen und stellt die unbequeme Frage, wie viel man über den Menschen weiß, mit dem man Tisch und Bett teilt.
Mit fast 600 Seiten ist es das umfangreichste Buch der Auswahl und deutlich bissiger als McFadden. Wer verstehen möchte, woher das Spiel mit gekippten Sympathien kommt, das auch „The Housemaid“ prägt, sollte diesen Roman kennen. David Fincher hat ihn mit Ben Affleck und Rosamund Pike verfilmt.
Shari Lapena: „The Couple next door“

Wenn Sie an McFadden vor allem das Tempo schätzen, ist The Couple next door (Bastei Lübbe Taschenbuch, 348 Seiten) ein guter Einstieg. Ein Paar ist bei den Nachbarn zum Essen eingeladen, die Gastgeberin möchte kein Baby am Tisch. Also bleibt die kleine Tochter nebenan im Bettchen, das Babyfon läuft mit, die beiden sehen abwechselnd nach ihr. Als sie spät heimkehren, ist die Wiege leer.
Lapena erzählt knapp und in kurzen Abschnitten, und mit jeder Seite zeigt sich, dass das scheinbar wohlsituierte Paar mehr zu verbergen hat, als es zugeben will. Ein Buch für einen Abend, das ohne viel Vorgeplänkel direkt zur Sache kommt.
Wendungen, die alles auf den Kopf stellen
Sarah Pinborough: „Sie weiß von dir“

Louise flirtet im Pub mit einem Fremden. Wenige Tage später steht er als ihr neuer Vorgesetzter vor ihr, und er ist verheiratet. Kurz darauf freundet sich Louise zufällig mit Adele an, seiner Frau, die schön und verletzlich wirkt und nach und nach Beunruhigendes über ihre Ehe erzählt. Sie weiß von dir (Rowohlt Taschenbuch, 443 Seiten) beginnt als Dreiecksgeschichte, doch schnell wird klar, dass hier niemand nur Opfer oder nur Täter ist.
Bekannt geworden ist der Roman vor allem durch sein Ende, über das ähnlich leidenschaftlich gestritten wurde wie über McFaddens Volten. Ohne zu viel zu verraten: Wer realistische Thriller erwartet, sollte offen für eine Wendung sein, die den Rahmen des Genres verlässt. Netflix hat das Buch unter dem Originaltitel „Behind Her Eyes“ als Serie umgesetzt.
Greer Hendricks: „Die Wahrheit über ihn“

Vanessa ist seit der Scheidung von Richard am Boden und will nur noch verhindern, dass er die Neue heiratet. Nellie dagegen kann ihr Glück kaum fassen, dass sich ausgerechnet der attraktive Richard für sie entschieden hat – wären da nicht die Dinge, die aus der Wohnung verschwinden, und eine Frau, die sie beobachtet. Die Wahrheit über ihn (Rowohlt Taschenbuch, 463 Seiten) hat Greer Hendricks zusammen mit Sarah Pekkanen geschrieben; auf Deutsch erschien der Roman früher unter dem Titel „The Wife Between Us“.
Was diesen Thriller mit „The Housemaid“ verbindet, ist das gezielte Spiel mit den Erwartungen: Man glaubt früh zu wissen, wer hier wen bedroht, und muss dieses Urteil irgendwann gründlich revidieren. Wer gern mit dem Gefühl, hereingelegt worden zu sein, noch einmal zurückblättert, ist hier richtig.
Häuser voller Geheimnisse
Lisa Jewell: „Was damals geschah“

In einem herrschaftlichen Haus im Londoner Stadtteil Chelsea werden drei Leichen in der Küche gefunden, seit Tagen tot. In seinem Bettchen liegt ein Baby, gut versorgt und zufrieden. Wer hat sich um das Kind gekümmert? Fünfundzwanzig Jahre später erbt Libby das Anwesen, und nach dem Einzug hat sie den Eindruck, nicht allein zu sein. Was damals geschah (Blanvalet, 425 Seiten) erzählt auf mehreren Zeitebenen von den Ereignissen damals und von Libbys Suche heute.
Für Leserinnen und Leser, die an „The Housemaid“ das unheimliche Haus mochten, in dem hinter jeder Tür etwas lauern könnte, ist Jewell eine ausgezeichnete Wahl. Der Roman ist atmosphärischer und weniger hastig erzählt als McFadden. Eine Fortsetzung existiert, ist für das Verständnis aber nicht nötig; die Geschichte steht für sich.
Romy Hausmann: „Liebes Kind“

Der deutschsprachige Beitrag dieser Liste geht das Thema häusliche Gefangenschaft deutlich härter an. In Liebes Kind (dtv, 427 Seiten) lebt Lena mit zwei Kindern in einer fensterlosen Hütte im Wald. Der Tagesablauf folgt starren Regeln, vom Essen bis zum Gang zur Toilette, und der Vater wacht über alles. Eines Tages gelingt Lena die Flucht – doch damit ist der Albtraum nicht vorbei, sondern beginnt eigentlich erst.
Hausmann lässt lange offen, was Einbildung ist und was tatsächlich geschieht. Mit „The Housemaid“ teilt der Roman das Thema Kontrolle in den eigenen vier Wänden, wirkt aber beklemmender und weniger unterhaltsam-leicht. Netflix hat „Liebes Kind“ als Serie verfilmt.
Das Machtgefälle ernst genommen: Literatur und Klassiker
Leïla Slimani: „Dann schlaf auch du“

Unser besonderer Tipp ist kein Thriller im engeren Sinn, sondern ein schmaler Roman, der mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Myriam und Paul, ein Paar in Paris, wollen Beruf und Familie unter einen Hut bekommen und stellen dafür Louise ein, eine Nanny, die perfekt zu sein scheint. Dass die Geschichte in einer Katastrophe endet, erfährt man gleich zu Beginn. Dann schlaf auch du (btb, 222 Seiten) fragt also nicht, ob etwas passiert, sondern wie es dazu kommen konnte.
Slimani richtet den Blick auf das, was bei McFadden eher Kulisse ist: die Einsamkeit der Frau, die im Haushalt anderer arbeitet, die stillen Demütigungen, die Nähe ohne echte Zugehörigkeit. Wenn Sie nach den Pageturnern etwas suchen, das länger nachwirkt, sollten Sie diesen Roman lesen. Er ist kurz, aber keine leichte Kost.
Ruth Rendell: „Urteil in Stein“

Lange bevor Haushaltshilfen und Nannys die Bestsellerlisten eroberten, schrieb die britische Krimiautorin Ruth Rendell den Klassiker dieses Stoffs. Urteil in Stein (Goldmann, 253 Seiten) erschien im Original 1977 und verrät schon im ersten Satz Täterin und Motiv: Die Haushälterin Eunice Parchman tötet die Familie Coverdale, bei der sie angestellt ist, weil sie Analphabetin ist und dieses Geheimnis um jeden Preis hüten will.
Spannung entsteht hier also nicht aus einer Auflösung, sondern daraus, dass man zusieht, wie sich eine Katastrophe Schritt für Schritt anbahnt – aus Scham, gut gemeinter Übergriffigkeit und einer verhängnisvollen Freundschaft mit einer religiösen Fanatikerin. Wer wissen möchte, wie viel Abgrund schon in einem Roman von vor fast fünfzig Jahren steckt, wird von Rendell nicht enttäuscht.
Alle Bücher wie „The Housemaid“ im Überblick
| Buch | Autor/in | Seiten | Passt zu „The Housemaid“, weil … |
|---|---|---|---|
| Hinter diesen Türen | Ruth Ware | 363 | Nanny in einem fremden Haus voller Kameras |
| Die Ehefrau | Freida McFadden | 412 | gleiche Autorin, Pflegerin im Haus eines Ehepaars |
| Gone Girl – Das perfekte Opfer | Gillian Flynn | 591 | der Maßstab des Ehe-Thrillers |
| The Couple next door | Shari Lapena | 348 | hohes Tempo, Lügen hinter wohlhabender Fassade |
| Sie weiß von dir | Sarah Pinborough | 443 | Dreiecksgeschichte mit viel diskutiertem Ende |
| Die Wahrheit über ihn | Greer Hendricks | 463 | Sympathien, die sich mittendrin umkehren |
| Was damals geschah | Lisa Jewell | 425 | ein Haus mit dunkler Vergangenheit |
| Liebes Kind | Romy Hausmann | 427 | Gefangenschaft und Kontrolle im eigenen Zuhause |
| Dann schlaf auch du | Leïla Slimani | 222 | literarischer Blick auf die Nanny und ihre Arbeitgeber |
| Urteil in Stein | Ruth Rendell | 253 | Klassiker über eine Haushälterin und ihre Dienstherren |
Welches Buch passt zu Ihnen?
Wenn Sie möglichst nah an Millies Geschichte bleiben wollen, beginnen Sie mit „Hinter diesen Türen“ oder greifen direkt zu McFaddens „Die Ehefrau“. Für einen schnellen Abend eignet sich „The Couple next door“, für den Klassiker des Ehe-Thrillers „Gone Girl“. Lieben Sie vor allem den Moment, in dem eine Geschichte kippt, dann sind „Sie weiß von dir“ und „Die Wahrheit über ihn“ die richtigen Bücher. Wer die Atmosphäre eines unheimlichen Hauses sucht, liest Lisa Jewell; wer es härter mag und deutschsprachig, Romy Hausmann. Und wenn Sie nach all den Wendungen Lust auf Bücher haben, die das Verhältnis zwischen Herrschaft und Angestellten ernster nehmen, sind Slimani und Rendell die lohnendste Entdeckung dieser Liste.
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