Die besten Bücher über die Wikinger: Sachbücher, Sagas und Romane

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Kaum eine Epoche ist so stark von Bildern überlagert wie die Wikingerzeit. Drachenboote, Plünderungen, Met und Hörnerhelme – vieles davon stammt aus dem 19. Jahrhundert, aus Opern, Filmen und Werbung, und nur wenig aus den Quellen. Wer sich heute für die Wikinger interessiert, hat dafür eine erfreulich große Auswahl: Archäologen haben in den vergangenen Jahren viel Neues herausgefunden, die mittelalterlichen Sagas liegen in guten Übersetzungen vor, und daneben gibt es Romane, Comics und Kinderbücher, die dieselbe Welt mit ganz eigenen Mitteln erzählen.

Die folgenden zehn Bücher decken diese Bandbreite ab. Am Anfang stehen Sachbücher – ein großes Standardwerk, ein schneller Überblick, ein Bildband und eine archäologische Spurensuche. Es folgen die Sagas und die Götterwelt, schließlich Romane, ein Manga und ein Kinderbuch. Die Reihenfolge ist als Leseweg gedacht, nicht als Rangliste: Je nachdem, ob Sie Fakten, Quellen oder Geschichten suchen, beginnen Sie an einer anderen Stelle.

Sachbücher: Wer die Wikinger wirklich waren

Das große Standardwerk

Neil Price, Die wahre Geschichte der Wikinger

Wer nur ein einziges Sachbuch über die Wikinger lesen möchte, sollte zu Die wahre Geschichte der Wikinger von Neil Price greifen. Der britische Archäologe, der an der Universität Uppsala lehrt, behandelt die rund drei Jahrhunderte zwischen 750 und 1050 und stützt sich dabei auf Grabungsbefunde, schriftliche Überlieferung und die nordische Mythologie gleichermaßen. Sein Anspruch: die Skandinavier jener Zeit so darzustellen, wie sie sich selbst verstanden, und nicht nur so, wie die Chronisten der überfallenen Klöster sie beschrieben.

Entsprechend breit ist das Spektrum. Price fragt nach religiöser Praxis und politischer Ordnung, nach der Stellung von Frauen und nach der Rolle von Gewalt in dieser Gesellschaft. Er führt von Machtkämpfen um den norwegischen Thron bis zu den Fahrten nach Westen, die Isländer bis nach Nordamerika brachten. Mit rund 750 Seiten ist die Taschenbuchausgabe bei Fischer kein Buch für einen Abend, aber Price schreibt anschaulich und mit erzählerischem Gespür. Für alle, die das Thema gründlich und auf aktuellem Forschungsstand kennenlernen wollen, ist dies der zentrale Titel.

Der kompakte Überblick

Wem 750 Seiten zu viel sind, der findet in Die Wikinger von Rudolf Simek das Gegenstück. Der Band aus der Reihe C.H.Beck Wissen umfasst rund 130 Seiten und ist 2025 in aktueller Auflage erschienen. Simek, ein ausgewiesener Skandinavist, nimmt sich die gängigen Vorstellungen von den beutegierigen, trinkfesten Seeräubern vor und stellt ihnen den heutigen Kenntnisstand gegenüber.

Was dabei herauskommt, ist das Bild einer Kultur, deren Spuren von Grönland bis Sizilien und vom amerikanischen Kontinent bis tief nach Russland reichen. Das Buch eignet sich als erster Einstieg, als Auffrischung vor einer Reise nach Skandinavien oder als handliche Ergänzung zu Price. Wer nur wenig Zeit investieren möchte und trotzdem eine seriöse Grundlage sucht, liegt hier richtig.

Der Bildband: Archäologie zum Anschauen

Jörn Staecker und Matthias Toplak (Hrsg.), Die Wikinger. Entdecker und Eroberer

Ein ganz anderer Zugang ist Die Wikinger. Entdecker und Eroberer, herausgegeben von den Archäologen Jörn Staecker und Matthias Toplak und 2019 bei Propyläen erschienen. Der großformatige, farbig illustrierte Band versammelt auf rund 480 Seiten Beiträge, die vor allem von der materiellen Hinterlassenschaft ausgehen. Hier geht es um das, was sich ausgraben, betrachten und vergleichen lässt.

Die Herausgeber verbinden das mit Fragen, die erstaunlich gegenwärtig wirken: Identität und Zugehörigkeit, Mobilität und Migration, Konflikte zwischen Religionen und der Kampf um Ressourcen. Der Band ist damit mehr als ein schönes Geschenkbuch. Er eignet sich besonders für Leserinnen und Leser, die Fakten gern vor Augen haben, und ergänzt die erzählenden Darstellungen von Price und Simek um den Blick auf Fundstücke und Fundorte.

Der besondere Tipp: Eine Perle als Spur nach Osten

Cat Jarman, Flusskönige

Die meisten Wikingerbücher blicken nach Westen – nach England, Irland, Island und Grönland. Cat Jarman dreht die Richtung in Flusskönige. Die Wikinger auf der Seidenstraße um. Ausgangspunkt ist ein unscheinbarer Fund: eine kleine orangefarbene Karneolperle aus der Wikingerstätte im englischen Repton, die man auf den ersten Blick für modernen Modeschmuck halten könnte.

Jarman verfolgt die Herkunft dieser Perle mit naturwissenschaftlichen Methoden zurück und gelangt bis nach Bagdad und Indien. Unterwegs zeigt sie, wie eng die skandinavische Welt mit dem Nahen Osten verflochten war und dass mit den Nordleuten auch Menschen aus ganz anderen Regionen nach Europa kamen. Das Buch liest sich wie eine Detektivgeschichte und vermittelt nebenbei, wie archäologische Forschung heute arbeitet. Es ist die ideale Zweitlektüre für alle, die schon ein Grundwissen mitbringen und die weniger bekannte, östliche Seite der Wikingerwelt entdecken möchten.

Quellen und Mythen: Woraus unser Wikingerbild stammt

Die Isländersagas

Vieles, was wir über das Leben im Norden zu wissen glauben, geht auf eine Textgruppe zurück: die Isländersagas. Diese Prosaerzählungen wurden im 13. und 14. Jahrhundert auf Island niedergeschrieben und handeln von den ersten Generationen, die sich auf der Insel ansiedelten. Der Band Isländersagas, herausgegeben von Klaus Böldl, Andreas Vollmer und Julia Zernack, bietet eine einbändige Auswahl aus der modernen deutschen Neuübersetzung.

Wer hier liest, begegnet keinen glorifizierten Helden, sondern einer Welt voller Rechtsstreitigkeiten, Blutrache und Bußzahlungen, voller eigensinniger Außenseiter und selbstbewusster Frauen. Daneben stehen Wiedergänger, Schadenszauber und weite Reisen. Der nüchterne, oft lakonische Erzählton ist ungewohnt, entfaltet aber bald eine eigene Spannung. Für alle, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen, gehört dieser Band ins Regal – auch, weil sich viele der späteren Romane auf genau diese Texte beziehen. Mit rund 750 Seiten eignet er sich gut zum Lesen in Etappen, Saga für Saga.

Die Götterwelt neu erzählt

Neil Gaiman, Nordische Mythen und Sagen

Die Sagas erzählen von Menschen. Wer verstehen möchte, an welche Götter diese Menschen glaubten, ist mit Nordische Mythen und Sagen von Neil Gaiman gut beraten. Der Fantasy-Autor erzählt die Mythen um Odin, Thor und Loki in einer zusammenhängenden Folge neu, von der Entstehung der Welt bis zu den Ragnarök, dem Untergang der Götter. Als Grundlage dienen ihm die mittelalterlichen Edda-Überlieferungen.

Gaimans Fassung ist knapp, pointiert und oft komisch, ohne die Grausamkeit der Götter zu verharmlosen. Auf gut 250 Seiten entsteht so der wohl zugänglichste Einstieg in die nordische Mythologie, der sich auch zum Vorlesen eignet. Wer danach tiefer einsteigen will, findet bei Neil Price ausführliche Kapitel zur Religion der Wikingerzeit.

Romane: Die Wikingerzeit als Abenteuer

Der große skandinavische Klassiker

Unter den Wikingerromanen hat Die Abenteuer des Röde Orm von Frans G. Bengtsson einen besonderen Rang. Der Schwede veröffentlichte das Werk in zwei Teilen in den 1940er-Jahren; in Skandinavien gilt es bis heute als Klassiker. Erzählt wird das Leben des Bauernsohns Orm im 10. Jahrhundert, der auf Fahrt geht, in Gefangenschaft gerät, weit in den Süden Europas verschlagen wird und schließlich zurückkehrt – in eine Welt, in der das Christentum allmählich Fuß fasst.

Was den Roman so lesenswert macht, ist sein Ton. Bengtsson erzählt mit trockenem, beinahe sagahaftem Humor, verliert dabei nie das Tempo und lässt seine Figuren herrlich unbeirrbar sein. Die dtv-Ausgabe umfasst knapp 600 Seiten. Empfehlenswert ist das Buch für alle, die literarisch anspruchsvolle Unterhaltung suchen und sich nicht an einer gewissen Patina stören.

Der populäre Einstieg in eine lange Reihe

Bernard Cornwell, Das letzte Königreich

Deutlich actionbetonter geht es in Das letzte Königreich von Bernard Cornwell zu. Der Roman eröffnet die Uhtred-Saga, die als Fernsehserie „The Last Kingdom“ ein großes Publikum gefunden hat. Uhtred von Bebbanburg ist eine erfundene Figur, doch die Kämpfe zwischen Wikingern und Angelsachsen im England des 9. Jahrhunderts, in die er gerät, sind historisch verbürgt.

Als angelsächsischer Junge wächst Uhtred bei Dänen auf und steht damit zwischen zwei Welten, deren Konflikt am Ende zur Entstehung Englands beitragen wird. Cornwell versteht sich auf Schlachtszenen, Intrigen und Figuren mit Ecken und Kanten. Wer temporeiche historische Abenteuerromane mag, ist hier richtig. Gefällt Ihnen der Auftakt, können Sie der Reihe über viele weitere Bände folgen; dieser erste Band genügt aber, um zu entscheiden, ob Ihnen Ton und Figur liegen.

Besonderer Tipp: Wikinger als Manga

Makoto Yukimura, Vinland Saga 1

Ein Wikinger-Epos aus Japan mag zunächst überraschen. Doch Vinland Saga 1 von Makoto Yukimura zählt zu den eindrucksvollsten Bearbeitungen des Stoffs überhaupt; die Serie wurde mit dem Kōdansha-Manga-Preis ausgezeichnet und ist auch als Anime bekannt. Im Mittelpunkt steht Thorfinn, der Sohn eines berühmten Kriegers. Er erlebt, wie sein Vater im Kampf gegen den Söldnerführer Askeladd stirbt, und schließt sich ausgerechnet dessen Truppe an, um ihn eines Tages im Zweikampf zu besiegen. Damit gerät er in den Krieg um die englische Krone im frühen 11. Jahrhundert.

Yukimura zeichnet detailreich und geht mit der Gewalt seiner Zeit schonungslos um. Der Verlag empfiehlt die Reihe ab 16 Jahren. Wer den ersten Band mag, sollte wissen, dass die Serie im weiteren Verlauf weit über die Rachegeschichte hinausgeht und grundsätzliche Fragen nach Krieg und Gewalt stellt. Für Jugendliche und Erwachsene, die Comics schätzen oder die Wikingerzeit einmal ganz anders erleben wollen, ist dieser Auftakt ein starker Einstieg.

Für Kinder: Der kluge kleine Wikinger

Runer Jonsson, Wickie und die starken Männer

Für viele Erwachsene begann die Begeisterung für Wikinger mit einer Zeichentrickserie. Deren Vorlage ist Wickie und die starken Männer des schwedischen Autors Runer Jonsson. Wickie ist alles andere als ein typischer Wikinger: Vor Wölfen läuft er davon, und auf den Beutefahrten mit seinem Vater Halvar ist ihm oft mulmig zumute. Doch wenn es wirklich darauf ankommt, hat er die besten Einfälle – und befreit so seinen Vater aus einem Burgverlies und bewahrt die Mannschaft vor dem Schrecklichen Sven.

Die Botschaft, dass Köpfchen mehr bewirkt als Muskeln, macht das Buch bis heute sympathisch. Mit rund 120 Seiten eignet sich die Oetinger-Taschenbuchausgabe zum Vorlesen und für Kinder ab etwa acht Jahren auch zum Selbstlesen. Eltern, die selbst mit Wickie aufgewachsen sind, entdecken in der Romanfassung womöglich manches Neue.

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BuchArtBesonders geeignet für
Die wahre Geschichte der WikingerSachbuchgründliche Gesamtdarstellung
Die Wikinger (Simek)Sachbuchschnellen Überblick
Die Wikinger. Entdecker und ErobererBildbandanschauliche Archäologie
FlusskönigeSachbuchdie Verbindungen nach Osten
IsländersagasQuellentextedie Originalliteratur des Nordens
Nordische Mythen und SagenNacherzählungEinstieg in die Götterwelt
Die Abenteuer des Röde OrmRomanliterarisches Lesevergnügen mit Humor
Das letzte KönigreichRomanspannende Unterhaltung, Serienfans
Vinland Saga 1MangaJugendliche ab 16 und Erwachsene
Wickie und die starken MännerKinderbuchKinder ab etwa acht Jahren

Fazit: Viele Wege in den Norden

Die Wikinger waren weder nur Plünderer noch edle Entdecker, sondern Bauern, Händler, Krieger und Erzähler einer vielschichtigen Kultur. Für den Einstieg empfehlen sich Simeks kompakter Band oder Gaimans Mythen; wer es genau wissen will, kommt an Price nicht vorbei. Die Isländersagas zeigen, wie diese Welt sich selbst erzählt hat, und die Romane von Bengtsson und Cornwell machen sie auf ganz unterschiedliche Weise lebendig. Lesen Sie am besten ein Sachbuch und eine Geschichte nebeneinander – so ergänzen sich Wissen und Vorstellungskraft.

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